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Erstmals beim Menschen vollständige Herz-Regeneration nach akutem Infarkt beobachtet

10.12.2015

Wissenschaftler am IMBA in Wien und Ärzte an der Meduni Innsbruck beschreiben erstmals bei einem Säugling die vollständige Regeneration des Herzens nach einem akuten Infarkt.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Geschädigte Herzen regenerieren zu können ist daher eine der ganz großen Visionen der Medizin. In Fischen und neugeborenen Mäusen ist Herzregeneration möglich.

Unklar war aber, ob sich auch menschliche Herzen regenerieren können. Wissenschaftler am IMBA – Institut für Molekulare Biotechnologie der ÖAW in Wien und Ärzte an der Medizinischen Universität Innsbruck haben nun zum ersten Mal bei einem Säugling die vollständige klinische und funktionelle Regeneration des Herzens nach einem akuten Infarkt beschrieben. Diese erstaunliche Entdeckung nährt die Hoffnung, dass in der Zukunft gezielte Herzregeneration beim Menschen möglich sein könnte.

Das Neugeborene erlitt bereits in der ersten Stunde seines Lebens einen massiven Herzinfarkt, verursacht durch den Verschluss eines wichtigen Herzkranzgefäßes. „Das Herz des Babys war schwer geschädigt. Erstaunlicherweise erholte es sich aber sehr schnell wieder“, berichten der Kardiologe und Forscher Bernhard Haubner und die Kinderkardiologin Johanna Schneider in einem aktuellen Artikel der Fachzeitschrift „Circulation Research“.

„Eineinhalb Monate nach seiner schweren Erkrankung konnten wir das Kind mit normaler Herzfunktion entlassen. Diese Beobachtung beweist, dass sich ein menschliches Herz nach einer massiven Schädigung vollständig erholen kann“, meint Jörg-Ingolf Stein, Leiter der Kinderkardiologie an der Meduni Innsbruck. Eine Entdeckung mit riesigem Potenzial, schließlich sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der westlichen Welt die häufigste Todesursache.

Jährlich sterben 17 Millionen Menschen weltweit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, allein in der EU sind es 2 Millionen (WHO). Die medizinische Versorgung der Patienten hat sich hierzulande zwar sehr verbessert und die unmittelbare Todesrate ist dadurch gesunken, jedoch müssen die meisten Patienten mit Folgeerkrankungen und Dauerschäden rechnen. Bei einem Infarkt sterben Herzmuskelzellen ab, die vom Körper durch Narbengewebe ersetzt werden. Dieses kann aber keine Pumpleistung erbringen. Das Herz ist in seiner Funktion eingeschränkt und es kann zu Herzmuskelschwäche kommen. Einmal verlorene Herzmuskelzellen konnten sich bei Erwachsenen bisher nicht effizient regenerieren, trotz innovativer Ansätze wie etwa der Stammzelltherapie.

Forscher wissen aber aus der Tierwelt, dass eine lebenslange Regeneration des Herzens prinzipiell möglich ist, wie etwa bereits bei Fischen beobachtet. „Wir waren, zeitgleich mit einer Gruppe aus Texas, die ersten, die eine vollständige Herzregeneration nach klinisch relevantem Herzinfarkt auch bei Mäusen beschrieben haben. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Mäuse nicht älter als eine Woche sind“, erzählt Bernhard Haubner, der neben seiner ärztlichen Tätigkeit in der Gruppe von IMBA Direktor Josef Penninger forscht. „Was bei unseren neugeborenen Mäusen möglich war, haben wir nun auch bei einem neugeborenen Menschen beobachten können. Der Schluss liegt daher nahe, das dieselben Mechanismen bei Mensch und Maus für eine Regeneration von Herzmuskelzellen sorgen.“

IMBA Direktor Josef Penninger betont die enorme Bedeutung dieser Erkenntnis: „Alle Kardiologen der Welt träumen davon, die volle Funktionstüchtigkeit geschädigter Herzen wiederherstellen zu können und wir haben gesehen, dass es prinzipiell funktioniert. Wenn wir also die Mechanismen der Herzregeneration bei der Maus und in weiterer Folge beim Menschen lückenlos aufklären, könnten wir gezielt die Regeneration von Herzmuskelzellen aktivieren oder fördern. Möglicherweise lassen sich dann in Zukunft auch erwachsene Herzen nach einem Infarkt wieder vollständig regenerieren.“

Titel der Originalpublikation:
„Functional recovery of a human neonatal heart after severe myocardial infarction“. Haubner, B. et al. 2015. Circulation Research.

Rückfragehinweis:
Mag. Evelyn Devuyst, MAS
Pressesprecherin IMBA
+43 (0)664 80847 3626
evelyn.devuyst@imba.oeaw.ac.at
 www.imba.oeaw.ac.at


IMBA:
Das IMBA – Institut für Molekulare Biotechnologie ist ein international anerkanntes Forschungsinstitut mit dem Ziel, molekulare Prozesse in Zellen und Organismen zu erforschen und Ursachen für die Entstehung humaner Erkrankungen aufzuklären. Das IMBA ist eine 100% Tochtergesellschaft der ÖAW.

ÖAW:
Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ist die führende Trägerin außeruniversitärer akademischer Forschung in Österreich. Ihre Forschungseinrichtungen betreiben anwendungsoffene Grundlagenforschung in gesellschaftlich relevanten Gebieten der Natur-, Lebens- und Technikwissenschaften sowie der Geistes-, Sozial- und
Kulturwissenschaften. www.oeaw.ac.at

MEDIZINISCHE UNIVERSITÄT INNSBRUCK:
Die Medizinische Universität Innsbruck wurde 2002 aus der Leopold-Franzens-Universität herausgelöst und zu einer eigenen Universität erhoben. Seitdem betreibt sie Lehre und Ausbildung auf höchstem Standard, Forschung auf internationalem Niveau und treibt die kontinuierliche Verbesserung von Spitzenmedizin voran. Die Kliniken sind am Tiroler Landeskrankenhaus angesiedelt, das gleichzeitig als Klinik der Medizinischen Universität Innsbruck fungiert. Mit ca. 3.000 Studierenden und etwa 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Meduni Innsbruck die bedeutendste medizinische Forschungs- und Bildungseinrichtung in Westösterreich. www.i-med.ac.at

Mag. Evelyn Devuyst | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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