Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erstes Video von «wiederkäuenden» Nasenaffen

30.03.2011
Nur sehr selten wird bei einem grossen Tier eine bisher unbekannte Verhaltensweise beobachtet. Deshalb sind die Videos, die Forscher zu einem Artikel in «Biology Letters» veröffentlicht haben, eine kleine Sensation: Sie zeigen Nasenaffen, die geschluckte Nahrung wieder hochwürgen, kauen, und wieder hinunterschlucken – ganz wie wiederkäuende Kühe.

Für Marcus Clauss, Mitautor dieser japanischen Studie, waren diese Beobachtungen spektakulär. Er forscht an der Universität Zürich seit längerem über Pflanzenfresser mit einem Vormagensystem – und Nasenaffen sind solche «Vormagen-Verdauer» genauso wie Flusspferde, Faultiere, Kängurus oder Kühe.


«Wiederkäuender» Nasenaffe

Im Gegensatz zu solchen Pflanzenfressern wie Pferden, Nashörnern, Kaninchen, oder vielen anderen Affen-Arten, die ihre Pflanzennahrung im Dickdarm verdauen, haben «Vormagen-Verdauer» dabei ein Problem: Ihr Verdauungssystem verträgt es nicht, wenn zu hohe Futtermengen aufgenommen werden. Dann fliesst der Nahrungsbrei zu schnell durch den Vormagen. Sie sind sozusagen zu zurückhaltender Futteraufnahme verdammt. Dickdarm-Verdauer haben keine solche Beschränkung. Unter ihnen gibt es Arten mit hoher Futteraufnahme wie die Elefanten oder mit niedriger Futteraufnahme wie Koalabären.

Nur Wiederkäuer – also Kühe, Büffel, Hirsche, Antilopen, Giraffen und Kamele – haben laut Clauss eine Lösung für das Vormagen-Problem gefunden. Da sie den Futterbrei intensiv zerkleinern, können sie sich eine höhere Futteraufnahme leisten. Und genau diese Theorie scheint durch die Beobachtungen an den Nasenaffen unterstützt zu werden. Sie weisen darauf hin, dass die Affen an Tagen, an denen sie das wiederkauartige Verhalten zeigen, insgesamt länger und damit vermeintlich mehr fressen als an anderen Tagen.

Bislang wurde dieses Verhalten nur bei Nasenaffen aus einem bestimmten Gebiet in Malaysia beobachtet. Ob es sich hier um eine regionale Tradition handelt, oder ob alle Nasenaffen dieses Verhalten zeigen und es bislang nur nicht bemerkt wurde, bleibt offen.

Literatur:

Ikki Matsuda, Tadahiro Murai, Marcus Clauss, Tomomi Yamada, Augustine Tuuga, Henry Bernard and Seigo Higashi: Regurgitation and remastication in the foregut-fermenting proboscis monkey (Nasalis larvatus), in: Biology Letters, doi:10.1098/rsbl.2011.0197

Kontakt:

Dr. Marcus Clauss
Universität Zürich, Vetsuisse Fakultät
Tel. ++41 44 635 83 76
E-Mail: mclauss@vetclinics.uzh.ch

Beat Müller | Universität Zürich
Weitere Informationen:
http://www.mediadesk.uzh.ch

Weitere Berichte zu: Futteraufnahme Kühe Nasenaffen Video Vormagen-Verdauer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht «Schwangere» Stubenfliegenmännchen zeigen Evolution der Geschlechtsbestimmung
23.05.2017 | Universität Zürich

nachricht Goldene Hilfe gegen Hautkrankheiten
23.05.2017 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

WHZ erhält hochmodernen Prüfkomplex für Schraubenverbindungen

23.05.2017 | Maschinenbau

«Schwangere» Stubenfliegenmännchen zeigen Evolution der Geschlechtsbestimmung

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Tumult im trägen Elektronen-Dasein

23.05.2017 | Physik Astronomie