Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erste Züchtung des Lungenpilzes Pneumocystis jirovecii – Hoffnung für immunschwache Patienten

08.09.2014

Laborzüchtung macht Forschung an Pilz möglich, der für Patienten mit HIV und COPD lebensbedrohlich ist / Preisverleihung am 5. September in Salzburg

Am Klinikum Köln-Merheim, einer Universitätsklinik der Universität Witten/Herdecke, ist es einem Forscherteam um Prof. Dr. Oliver Schildgen gelungen, den Lungenpilz Pneumocystis jirovecii zu züchten. Nach bestem Wissen der Forscher ist dies weltweit und nach 105 Jahren des Versuchs einer Züchtung bisher nur ihnen gelungen.


Prof. Dr. Oliver und Dr. Verena Schildgen

Die Züchtung in der „Petrischale“ ermöglicht es nun, Mittel gegen diesen Pilz zu finden, der eine lebensbedrohliche Lungenentzündung verursachen kann. „Für Patienten mit einem geschwächten Immunsystem etwa bei HIV oder mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung mit dem Kürzel COPD ist das eine gute Nachricht. Wir haben nun zum ersten Mal die Möglichkeit, ein spezifisches Antibiotikum gegen diesen Pilz zu finden, der bereits 1909 zum ersten Mal nachgewiesen wurde“, erklärt Prof. Schildgen die Bedeutung der Züchtung.

Die Forscher haben den Weg der Züchtung in der Zeitschrift der amerikanischen Mikrobiologischen Gesellschaft mBio 2014, Volume 5, Issue 3, S.1-10 veröffentlicht. (http://mbio.asm.org/content/5/3/e01186-14.full?sid=44f64222-7c25-4075-947f-59b10...) Hauptautorin des Artikels ist die Frau von Prof. Schildgen, Dr. Verena Schildgen, die an der Universität Witten/Herdecke habilitiert. Sie erhielt für die Veröffentlichung am 5. September in Salzburg den mit 1.000 € dotierten Publikationspreis der Stiftung der deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft.

Bisher war die Züchtung des Pilzes Pneumocystis jirovecii im Labor für unmöglich gehalten worden. Der Erfolg der Züchtung beruht auf einem ganz neuen Verfahren, das die Kölner Forscher von den Virologen entlehnt haben. Dort sind sogenannte Air-Liquid-Interfaces schon seit längerem bei der Züchtung von Atemwegsviren erfolgreich im Einsatz.

Diese Systeme bilden die Situation in der menschlichen Lunge nach: fünf bis sechs Zellschichten Lungengewebe haften auf einen Filterstoff in einer Flüssigkeit, die das Blut nachbildet, die Oberseite wird von Luft umströmt. „Mit diesem System, das man für den Nachweis von Lungenviren im Laborfachhandel ganz normal bestellen kann, ist es uns gelungen, den Pilz zu züchten. Und wir konnten außerdem nachweisen, dass der Pilz sich in den Zellkulturen sehr aggressiv verhält“, ergänzt Prof. Schildgen.

Denn der Pilz wächst eben auf den Zellen, die wiederum auf einem Filterstoff liegen. Dieses System wird vor dem Versuch elektronisch auf „Dichtigkeit“ gemessen, also ausgeschlossen, dass es darin Löcher gibt. „Wir konnten aber Teile des Pilzes, bildlich gesprochen: seine Wurzeln, unter dem Filterstoff nachweisen. Er hat also das Lungengewebe und den Filterstoff durchdrungen. Das bedeutet, dass der Pilz in der Lunge ein Loch in die oberste Grenzschicht frisst. Das vermuten wir zumindest aus dem Laborversuch, am Menschen müssen wir oder andere Forscher das nun in der Zukunft erforschen. Jedenfalls könnte das der Mechanismus sein, mit dem der Pilz die Lungenentzündungen verursacht.“

Weitere Informationen bei Prof. Dr. Oliver Schildgen, 0221/8907-13467, schildgeno@kliniken-koeln.de

Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1983 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 1.800 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

Weitere Informationen:

http://mbio.asm.org/content/5/3/e01186-14.full?sid=44f64222-7c25-4075-947f-59b10...

Kay Gropp | Universität Witten/Herdecke

Weitere Berichte zu: Blut Immunsystem Loch Lunge Lungengewebe Pilz Schildgen Werteorientierung Wirtschaft Zellen Züchtung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Kontinentalrand mit Leckage
27.03.2017 | MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

nachricht Neuen molekularen Botenstoff bei Lebererkrankungen entdeckt
27.03.2017 | Universitätsmedizin Mannheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE