Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ernährung nach Maß

20.07.2009
Eine optimale Ernährung ist aufgrund der verschiedenen Erbanlagen nicht für alle Menschen gleich aufgebaut.

Mit Fortschritten in der Genomforschung könnten neue Lebensmittel speziell für Bevölkerungsgruppen mit erhöhtem Risiko etwa für Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickelt werden. Wissenschaftler aus Kiel und München haben das Marktpotenzial solcher funktionellen Lebensmitteln für eine personalisierte Ernährung untersucht.

Wir Menschen sind verschieden. Nicht nur in Größe, Haar- oder Hautfarbe unterscheiden wir uns. Sondern auch darin, wie unser Körper auf bestimmte Nahrungsmittel reagiert. Davon wissen all jene ein Lied zu singen, die etwa Milchzucker nicht vertragen oder deren Dünndarm empfindlich auf das Klebereiweiß Gluten reagiert.

Schuld sind unsere Gene: Zahlreiche unterschiedliche Reaktionen auf einen Lebensmittelinhaltsstoff wurden bereits auf Genvariabilitäten zurückgeführt.

Seit Jahrtausenden ist bekannt, dass unsere Ernährung die Gesundheit beeinflusst. Doch erst seit Entschlüsselung des Genoms lernen Forscher das komplizierte Zusammenspiel zwischen Erbanlagen, Lebensweise und Ernährung zu verstehen. Ernährungs- oder Nutrigenomik heißt dieser noch junge Wissenschaftszweig. Bei Bluthochdruck, Diabetes oder Störungen im Fettstoffwechsel - allesamt Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen -, bei Osteoporose oder gar bei der Entstehung von Krebs gehen Ärzte aufgrund familiärer Häufungen davon aus, dass genetische Veranlagungen eine Rolle spielen. Wenn aber unsere Ernährung Einfluss nimmt, könnten dann nicht spezielle Nahrungsmittel für Menschen entwickelt werden, die ein genetisches Krankheitsrisiko in sich tragen?

Für jeden das richtige Essen lautet die Vision. Mit funktionellen Lebensmitteln könnte sie Realität werden. Das sind Lebensmittel, die über die Nährwertlieferung hinaus Körperfunktionen positiv beeinflussen. Den probiotischen Joghurt und die Cholesterinspiegel senkende Margarine finden wir längst im Kühlregal. Allerdings richten sich solche Produkte bisher an die Allgemeinheit. "Ziel der personalisierten Ernährung ist es, die Ernährung auf das genetische Profil des Einzelnen zuzuschneiden", sagt Rebecca-Ariane Mecking, Wissenschaftlerin im Team von Professorin Jutta Roosen am Lehrstuhl für Marketing und Konsumforschung der TU München.

Um herauszufinden, ob Verbraucher individuell angepasste Lebensmittel akzeptieren würden und welche Möglichkeiten sich für die norddeutsche Lebensmittelbranche eröffnen, hat die Arbeitsgruppe von Professorin Roosen gemeinsam mit dem Institut für Agrarökonomie der Uni Kiel eine Untersuchung durchgeführt. Das Projekt wurde von der Innovationsstiftung Schleswig-Holstein finanziell unterstützt.

Befragt wurden 506 Verbraucher. Rund die Hälfte davon würde einer Überprüfung ihres genetischen Profils und ihrer Krankheitsrisiken zustimmen. "Wir hatten eine deutlich kritischere Haltung erwartet, weil die Verbraucher eine Ernährung, die an einen Gentest gekoppelt ist, mit Gentechnik assoziieren könnten", sagt Mecking.

Wer meint, ein Risiko etwa für Herzkrankheiten in sich zu tragen, reagiert eher positiv auf die Idee personalisierter Ernährung. Genau wie Probanden, die regelmäßig zur Vorsorge gehen. Insgesamt zeigte sich eine große Akzeptanz vor allem bei gut situierten, gesundheitsbewussten Konsumenten. Diejenigen, die einer Genanalyse zustimmten, waren deutlich häufiger bereit, für Risiko senkende Produkte mehr zu zahlen. 40 Cent mehr für Müsliriegel, Brot oder Salatdressing wurden von diesen Personen in der Mehrzahl akzeptiert.

Solche Erkenntnisse sind für die Hersteller von Bedeutung. Die 18 in der Studie befragten Unternehmen schätzen zwar das generelle Potenzial für funktionelle Lebensmittel als groß ein. Die eigenen Chancen wurden aber kritischer bewertet. So zählen Stabilität und Sensorik der Erzeugnisse, die Kosten für den Zusatz und der Nachweis seiner Wirksamkeit zu den Herausforderungen. "Manchen Unternehmen er schien es fraglich, ob für eine personalisierte Ernährung funktionelle Lebensmittel überhaupt notwendig sind", berichtet Mecking. Klärungsbedarf gibt es auch beim Datenschutz und bei der Vermittlung des gesundheitlichen Nutzens.

"Die vielen ungeklärten Fragen verunsichern die Unternehmen", resümiert die Wissenschaftlerin. Um Krankheiten mit einer personalisierten Ernährung präventiv entgegenzuwirken, seien daher neben Fortschritten in der Genforschung die Einführung von Regeln zur Umsetzung des Konzepts und die Kommunikation von Bedeutung.

Sabine Recupero | idw
Weitere Informationen:
http://www.mcr.wi.tum.de
http://www.mca.wi.tum.de/discussion-papers-consumer-affairs-consumer-science

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns
24.04.2018 | Forschungszentrum Jülich

nachricht Nano-Ampel zeigt Risiko an
24.04.2018 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen

24.04.2018 | Medizintechnik

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics