Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erkennen Fledermäuse ihre Artgenossen an der Stimme?

07.05.2013
Eine Studie zeigt, dass Fledermäuse Stimmen unterscheiden können.

Eine Forschergruppe aus dem Institut für Zoologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) hat untersucht, ob Säugetiere ihnen bekannte Artgenossen allein an ihrer Stimme erkennen können.


Fledermäuse der Spezies "Falscher Indischer Vampir" (Megaderma lyra)
Foto: H. Kastein

In einer Studie mit Fledermäusen konnten Hanna Kastein, Doktorandin im Institut für Zoologie, und PD Dr. Sabine Schmidt zeigen, dass Fledermäuse bestimmte Sozialrufe anderer Individuen ihrer sozialen Gruppe unterscheiden können. Ihre Ergebnisse haben sie heute in der Fachzeitschrift Animal Cognition veröffentlicht (DOI 10.1007/s10071-013-0628-9).

Die Autoren wählten für ihre Studie Fledermäuse der Spezies „Indischer Falscher Vampir“ (Megaderma lyra). Tagsüber sind diese sehr sozialen Tiere in Indien bis zu Hunderten in Höhlen zu finden. Nachts treffen sie sich in kleinen Sozialgruppen häufig an so genannten „Nachthangplätzen“. Die dabei entstehenden Körperkontakte zwischen einzelnen Tieren interpretieren Wissenschaftler als individualisierte Beziehungen. Akustische Signale nutzen den Tieren nicht nur zur Orientierung, sondern auch zur Kommunikation: Indische Falsche Vampire haben für die Kommunikation mit ihren Artgenossen ein ausgeprägtes Sozialruf-Repertoir. Die Forscherinnen glauben, dass sich die Tiere mit Hilfe individueller Kontaktrufe an den Nachthangplätzen zusammenfinden. Sie konnten beobachten wie isolierte Fledermäuse Rufe ausstießen und daraufhin von Mitgliedern der eigenen Sozialgruppe aufgesucht wurden.

Die Forscherinnen verwendeten für ihre Studie zwei Gruppen von Fledermäusen, die aus unterschiedlichen Populationen stammten und in zwei getrennten Flugräumen gehalten wurden. Innerhalb der ersten Wochen konnten die Wissenschaftlerinnen beobachten, wie die Tiere Körperkontakt aufnahmen. Um die Rufe der Tiere aufzuzeichnen, isolierten sie einzelne Fledermäuse aus ihrer jeweiligen Gruppe, was sie zum Rufen animierte. In Playback-Versuchen haben sie diese Rufe einzelnen Fledermäusen vorgespielt. Sie stammten entweder von ihren eigenen Körperkontaktpartnern, Nicht-Körperkontaktpartnern oder unbekannten Artgenossen der anderen Population. Als Antwortreaktion werteten die Forscherinnen die Körperdrehung der Fledermäuse zum Lautsprecher.

Es zeigte sich, dass spontan alle Fledermäuse mit einer Drehung zum Lautsprecher auf die Kontaktrufe reagierten – egal, ob diese von Körperkontaktpartnern, Nicht-Körperkontaktpartnern oder unbekannten Tieren stammten. Hanna Kastein sagt: „Unter diesen Umständen zeigen die Fledermäuse keine klare Präferenz für Rufe von Körperkontaktpartnern. Offensichtlich haben Rufe von Artgenossen eine starke Wirkung auf diese sozialen Tiere, wenn sie vorübergehend isoliert werden.“

In einer Reihe weiterer Experimente spielten die Forscherinnen den Fledermäusen dann wiederholt Rufe einer bekannten Fledermaus vor, bis diese nicht mehr auf die Rufe reagierten. Danach wurde ein anderer Ruf der gleichen Fledermaus, der Ruf eines anderen Gruppenmitgliedes, oder der eines unbekannten Individuums präsentiert. Auch hier beurteilte Kastein das Verhalten der Fledermäuse anhand der Drehung zum Lautsprecher: Die Tiere reagierten viel stärker auf Rufe anderer Individuen als auf die neuen Rufe der vorher vorgespielten Fledermaus. „Dies beweist, dass die Fledermäuse die Stimmen unterscheiden. Weiterhin lassen die Resultate die individuelle Erkennung von Artgenossen vermuten“, sagt Kastein.
Die Originalpublikation:
Perception of individuality in bat vocal communication: discrimination between, or recognition of, interaction partners?
Hanna B Kastein, Rebecca Winter, AK Vinoth Kumar, Sripathi Kandula and Sabine Schmidt
Animal Cognition, DOI 10.1007/s10071-013-0628-9

Für fachliche Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

PD Dr. Sabine Schmidt
Hanna Kastein
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Institut für Zoologie
Tel.: +49 511 953-8746
Tel.: +49 511 953-8418
sabine.schmidt@tiho-hannover.de
hanna.kastein@tiho-hannover.de

Sonja von Brethorst | idw
Weitere Informationen:
http://www.tiho-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa
27.02.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

nachricht Neurobiologie - Vorausschauend teilen
27.02.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Poseidon goes Politics – Wer oder was regiert die Ozeane?

27.02.2017 | Veranstaltungen

Fachtagung Rapid Prototyping 2017 – Innovationen in Entwicklung und Produktion

27.02.2017 | Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herz-Untersuchung: Kontrastmittel sparen mit dem Mini-Teilchenbeschleuniger

27.02.2017 | Medizintechnik

Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa

27.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wenn der Schmerz keine Worte findet - Künstliche Intelligenz zur automatisierten Schmerzerkennung

27.02.2017 | Medizintechnik