Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Enzyme aus Meerrettich: Forscherteam der TU Graz ebnet Weg zur industriellen Herstellung

18.02.2015

Ein Forscherteam der TU Graz bekommt eine 100.000 Euro-Förderung des BMWFW für die Entwicklung eines biotechnologischen Produktionsverfahrens für Meerrettich-Enzyme. Die „scharfen“ Enzyme sind etwa aus der Diagnostik oder der Abwasserreinigung nicht mehr wegzudenken.

Auch wenn er hin und wieder für Tränen sorgt: Meerrettich, in Österreich auch Kren genannt, ist ein fixer Bestandteil der österreichischen Küche. Die Industrie hat den Kren jenseits der Kulinarik als extrem brauchbar entdeckt – wegen seiner Enzyme. Besonders die sogenannten Kren-Peroxidasen haben sich als wichtig erwiesen.


Florian Krainer erforscht die biotechnologische Gewinnung von Meerrettich-Enzymen am Institut für Molekulare Biotechnologie der TU Graz.

Privat

Diese Enzyme sind essentiell für zahlreiche Reaktionen im Leben der Krenpflanze. Florian Krainer vom Institut für Molekulare Biotechnologie der TU Graz weiß um die vielen Vorteile der Kren-Enzyme: „Sie spielen in der Diagnostik eine entscheidende Rolle, beispielsweise um nachzuweisen, ob sich nach einer Impfung die wichtigen Antikörper gebildet haben und wie lange die Impfung noch wirkt. Man kann das Enzym aber auch in der Abwasserreinigung einsetzen, um Hormone oder andere problematische Verunreinigungen aus dem Wasser herauszubekommen“.

Industrielle Enzym-Produktion

Gemeinsam mit seinem TU Graz-Kollegen Anton Glieder will Florian Krainer die Herstellung großer Enzymmengen in hoher Qualität möglich machen und setzt dabei auf die Biotechnologie und die Enzymproduktion mit der Hefeart Pichia pastoris. Diese ist von der amerikanischen Arzneimittelbehörde zugelassen, als sicher eingestuft und daher ein idealer Produktionsorganismus.

28 natürliche Kren-Enzyme entdeckt

Florian Krainer hat gemeinsam mit seiner finnischen Kollegin Laura Näätsaari und Anton Glieder in einem Kooperationsprojekt zwischen dem Austrian Center of Industrial Biotechnology (acib) und dem NAWI Graz Doktoratskollegium "DK Molekulare Enzymologie" vorab schon 28 natürliche Kren-Peroxidasen entdeckt und erste Schritte für eine biotechnologische Herstellung der Enzyme gesetzt. Zwei Patente sind dazu schon angemeldet.

Das Problem bislang: Die Industrie muss mehrere Tonnen an Krenwurzeln verarbeiten, um zu den erforderlichen Enzymmengen zu kommen. „Das steht im Widerspruch zum Nutzen des Krens als Nahrungsmittel und zur Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen zur Nahrungsmittelproduktion. Außerdem unterliegen die Pflanzen und damit auch ihre Enzyme natürlich bedingten Schwankungen“, erläutert Krainer.

Mit der Hefe als neuem Wirt zur Enzymproduktion soll eine industrielle Herstellung möglich sein: „Wir wollen hochqualitative Präparationen der wertvollen und vielseitigen Kren-Peroxidase unabhängig von der landwirtschaftlichen Produktion und in ausreichenden Mengen anbieten“, schildert Krainer das Ziel.

Prototyp dank PRIZE-Förderung des BMWFW

Um die patentierte Produktion von Kren-Enzymen zur Marktreife zu bringen, wurde um eine Prototypenförderung im Rahmen des PRIZE-Programms des BMWFW und der Austria Wirtschaftsservice GmbH angesucht – und das erfolgreich: Das Projekt wird mit 100.000 Euro gefördert. Die Prototypenentwicklung startet im Sommer 2015 und läuft mindestens ein Jahr.

Das Wissenstransferzentrum Süd unterstützt anschließend bei der Verwertung der geförderten Prototypen. Die über die Austria Wirtschaftsservice (aws) abgewickelte Prototypenförderung PRIZE erfolgt im Rahmen des vom BMWFW lancierten Programms "Wissenstransferzentren und IPR-Verwertung", mit dem die Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft weiter gestärkt werden soll.

Dieses Projekt ist im Field of Expertise „Human & Biotechnology“ verankert, einem von fünf Forschungsschwerpunkten der TU Graz.

Rückfragen:
Florian Krainer, MSc.
Institut für Molekulare Biotechnologie
E-Mail: florian.krainer@tugraz.at
Tel.: +43 (0) 316 873 4077

TU Graz - Mitglied der TU Austria
http://www.tuaustria.at/

Bildmaterial bei Nennung der angeführten Quellen honorarfrei verfügbar unter http://presse.tugraz.at/webgalleryBDR/data/PRIZE_2015_Kren/index.htm

Susanne Eigner | Technische Universität Graz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Kieselalge in der Antarktis liest je nach Umweltbedingungen verschiedene Varianten seiner Gene ab
17.01.2017 | Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere

nachricht Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop
16.01.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau