Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Entstehung von Krebsmetastasen neu betrachtet

23.10.2008
3 Millionen Euro EU-Forschungsgelder für die Medizinische Fakultät Mannheim

Wie entstehen Metastasen? Obwohl die Entstehung von Krebstochtergeschwulsten seit vielen Jahren intensiv erforscht wird, ist der Prozess bisher noch nicht hinreichend verstanden.

So diskutieren Fachleute die Bedeutung so genannter Krebsstammzellen für die Krebsentstehung sowie die Existenz von speziellen Kompartimenten (Mikroumgebung) in den Organen, in denen Metastasen auftreten. Mit einem neuen Projekt unterstützt die Europäische Union jetzt Anstrengungen, die unterschiedlichen Konzepte zur Entstehung von Metastasen miteinander zu verbinden, mit 3 Millionen Euro.

Koordinator des von der Europäischen Union im 7. Rahmenprogramm geförderten Programms "An integrated concept of tumor metastasis: implications for therapy" (TuMIC) ist Prof. Dr. Jonathan Sleeman, Forschungsbereich Vaskuläre Biologie der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg. Die elf an TuMIC beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und ihre Teams aus acht Ländern gehen davon aus, dass die Ergebnisse dieses Projekts eine große Bedeutung für die Entwicklung neuer Therapiekonzepte haben werden.

Bisher geht die Mehrheit der Krebsforscher davon aus, dass jede Zelle innerhalb eines Tumors die gleiche Fähigkeit besitzt, Tumorwachstum voranzutreiben. Tumorwachstum entspricht in diesem so genannten stochastischen Modell allein der stochastischen Wahrscheinlichkeit, mit der eine Zelle in den Zellzyklus eintritt und anfängt, sich unkontrolliert zu teilen.

Das Konzept der Krebsstammzelle postuliert dagegen, dass sich die Zellen eines Tumors in zwei Gruppierungen gliedert: eine kleine Subpopulation von Tumorstammzellen und eine den Großteil der Tumormasse umfassende Nachkommenschaft, die die Fähigkeit zur Tumorinitiierung verloren hat. Tumoren entstehen nach diesem hierarchischen Modell aus bösartig veränderten Stammzellen und ihren Nachkommen. Dieses Konzept wurde bereits vor 40 Jahren entwickelt und geht auf Befunde aus dem blutbildenden System zurück. Weitere Erkenntnisse lassen auf die Existenz einer solchen Tumorzellhierarchie auch in soliden Tumoren wie zum Beispiel Brustkrebs und verschiedenen Hirntumoren schließen. Es ist zu erwarten, dass Tumorstammzellen eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Metastasen spielen, allerdings ist dies noch zu beweisen. Die Rolle von Tumorstammzellen bei der Metastasierung besser zu verstehen, gehört daher zu den TuMIC-Zielen. Auch soll untersucht werden, ob normale Krebszellen Eigenschaften von Tumorstammzellen zurückgewinnen können.

Ein weiteres Konzept geht davon aus, dass ein Tumor bestimmte Faktoren bildet, die in anderen Organen spezielle Kompartimente (Mikroumgebung) ausbilden, in denen sich Metastasen besonders gut bilden können. Die TuMIC-Wissenschaftler wollen untersuchen, wie solche Kompartimente gebildet werden und ob sie mit Krebsstammzellen interagieren.

Auswirkung auf Tumorforschung und -therapie
Nach dem stochastischen Modell werden Tumorzellen als undifferenzierte Einheit betrachtet. Nach dem Hierarchiemodell machen die Tumorstammzellen nur einen geringen Teil der Tumorzell-Population aus. Nach diesem Modell müssten nicht die Krebszellen in ihrer Gesamtheit Ziel der Therapie sein, sondern vielmehr die kleine Population der Tumorstammzellen, da nur sie die Fähigkeit besitzt, Tumoren zu initiieren und Tumorwachstum zu erhalten. So gehört auch die Entwicklung neuer Therapiestrategien zu den Zielen von TuMIC.
Kontakt:
Professor Dr. Jonathan Sleeman
Leiter der Sektion für Mikrovaskuläre Biologie und Pathobiologie
Ludolf-Krehl-Straße 13-17
68167 Mannheim
Telefon: 0621 / 383 - 9955
Fax: 0621 / 383 - 9961
E-Mail: sleeman@medma.uni-heidelberg.de
Kontakt für Journalisten:
Dr. Monika Mölders
Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsmedizin Mannheim
Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg
Theodor-Kutzer-Ufer 1-3
68167 Mannheim
Telefon: 0621 / 383 - 1159
Fax: 0621 / 383 - 2162
E-Mail: Monika.Moelders@medma.uni-heidelberg.de

Dr. Monika Mölders | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie