Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Entern mit "gezückter Waffe"

10.12.2014

Einem Team um Wissenschaftler aus dem Exzellenzcluster "Cells in Motion" (CiM) der Universität Münster ist es nun erstmals gelungen, das Erbgut von Grippeviren und virale Proteine im Inneren von Zellen lichtmikroskopisch sichtbar zu machen und auf diesem Wege Erkenntnisse darüber zu gewinnen, auf welche Weise die Grippeviren die Immunantwort des Wirtskörpers ausschalten. Die Studie ist in "Nature Communications" publiziert.

Damit Grippeviren sich vermehren können, sind sie auf Zellen eines menschlichen oder tierischen Körpers angewiesen. Sie entern die Zellen, zum Beispiel auf der Lungenoberfläche, und ihr Erbgut wandert in den Zellkern, wo es vervielfältigt wird.


Die spiralförmige Virus-Erbinformation (grün/fluoreszenzmikroskopisch sichtbar gemacht); links: Originalaufnahme, rechts: Illustration

Liedmann et al., Nature Communications

Am Ende entstehen neue Viren. Einem Team um Wissenschaftler aus dem Exzellenzcluster "Cells in Motion" (CiM) der Universität Münster ist es nun erstmals gelungen, Strukturen des Virus-Erbguts im Inneren von menschlichen Zellen lichtmikroskopisch sichtbar zu machen und auf diesem Wege Erkenntnisse darüber zu gewinnen, auf welche Weise die Grippeviren die Immunantwort der Zellen ausschalten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Viruspartikel quasi mit "gezückter Waffe" in die Zelle eindringt und die für den Menschen wichtige Immunantwort verhindert.

Erstmals machten die Forscher die in acht Segmente unterteilte spiralförmige Virus-Erbinformation lichtmikroskopisch sichtbar. "Wir identifizierten virale Proteine, die maßgeblich daran beteiligt sind, die Immunantwort der Zelle unmittelbar nach dem Eintritt des Viruspartikels zu unterbinden.

Diese Funktion war bislang nicht bekannt", erklärt Swantje Liedmann vom Institut für Molekulare Virologie der Universität Münster, Erstautorin der im Online-Fachmagazin "Nature Communications" veröffentlichten Studie. Beteiligt sind unter anderem virale Proteine, die bekannt dafür waren, eine Rolle bei der Vermehrung des Erbgutes zu spielen.

Experten wissen schon länger, dass Grippeviren ein "NS 1" genanntes Protein besitzen, welches die Immunabwehr sehr effizient blockiert. "Wir haben uns gefragt, was der Sinn dahinter ist, dass es noch weitere Proteine für denselben Zweck gibt. Wir vermuten, dass 'NS 1' erst zu einem etwas späteren Zeitpunkt wirksam wird als die von uns beobachteten Proteine", so Swantje Liedmann.

Eine zentrale Rolle bei der Studie spielte das eingesetzte bildgebende Verfahren. Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Memphis, USA, setzten die Münsteraner eine hochauflösende Mikroskopiertechnik ein, die im CiM auch für andere Fragestellungen genutzt wird: die "STORM"-Technologie (die Abkürzung steht für "stochastic optical reconstruction microscopy").

Diese Fluoreszenzmikroskopie-Technik eröffnet viele Möglichkeiten, die Infektionsbiologie von Grippeviren und anderen Krankheitserregern weiter zu erforschen. "Vor allem die Lokalisierung von Virusbestandteilen in der Zelle sowie die Untersuchungen der Interaktion mit Bestandteilen der Zelle werden durch diese Technologie möglich", erklärt Swantje Liedmann.

Durch die genaue Klärung der Frage, wie Viren die Immunantwort ihrer Wirtszellen hemmen, erhoffen sich die Forscher in Zukunft auch Ansätze, um neue antiviralen Medikamente zu entwickeln.

Originalpublikation:

Liedmann S. et al. (2014): Viral suppressors of the RIG-I-mediated interferon response are pre-packaged in influenza virions. Nature Communications, DOI: 10.1038/ncomms6645


Weitere Informationen:

http://www.nature.com/ncomms/2014/141209/ncomms6645/full/ncomms6645.html  - Originalpublikation

Juliane Albrecht | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen
23.05.2017 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

nachricht Mikro-Lieferservice für Dünger
23.05.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie