Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Embryonen des Pardelluchses im Tiefkühler

22.03.2013
Ein bahnbrechendes Verfahren ermöglicht die Sicherung biologischen Materials von Iberischen Luchsweibchen. In Zukunft wird dieses Zellmaterial für Zuchtprogramme und die Erhaltung der bedrohten Katzenart eine große Rolle spielen

Um möglichen Gesundheitsproblemen vorzubeugen und die Erhaltung der Lebensqualität zu sichern, wurden im Februar, im Rahmen des Iberian lynx Conservation Breeding Program (ILCBPS), zwei Luchsweibchen kastriert. Die Tiere befinden sich in einer spanischen und einer portugiesischen Zuchtstation.


Iberischer Luchs, die bedrohteste Wildkatzenart auf der Welt. Foto: Iberian Lynx Conservation Breeding Program (ILCBPS)

WissenschaftlerInnen des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin gewannen Luchs-Embryonen, indem sie die Eileiter der Tiere spülten. Darüber hinaus sicherten sie Teile des Eierstockgewebes. Die Embryonen und das Eierstockgewebe wurden erfolgreich in flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad Celsius eingefroren und somit für eine sehr lange Zeit haltbar gemacht. Im Moment befindet sich das Zellmaterial bis zur weiteren Verwendung im Museo Nacional de Ciencias Naturales de Madrid (CSIC).

Die SpezialistInnen des IZW nutzen ein neues Verfahren zur Gewinnung und Aufbewahrung der Embryonen einer kurz vor dem Aussterben stehenden Wildkatzenart. Basierend auf den gesammelten Erfahrungen mit Hauskatzen, entwickelten sie eine Methode zur Gefrierkonservierung (Kryokonservierung) unreifer Eizellen und Embryonen von Raubkatzen. „Sieben Tage nach der natürlichen Paarung wollten wir die Embryonen aus dem Uterus spülen. In beiden Fällen befanden sich unreife Eizellen und Embryonen noch in den Eileitern.

Demzufolge verläuft die Embryonenentwicklung bei Luchsen langsamer als bei Hauskatzen“, erklärt Prof. Katarina Jewgenow vom Expertenteam des IZW.

Die Embryonengewinnung und deren anschließende Lagerung im flüssigen Stickstoff im Rahmen einer medizinisch indizierten Kastration wurde bisher vollkommen unterschätzt, eröffnet sie doch einzigartige Möglichkeiten, das genetische Material seltener Individuen zu erhalten, bevor sie endgültig aus dem Genpool der Zuchtpopulation verschwinden. „Das Einfrieren von Embryonen erfolgte mit Hilfe eines angepassten Verfahrens aus der Humanmedizin.“, sagt Jewgenow.

Das Luchsweibchen ‚Azahar’ des portugiesischen Zuchtzentrums Centro Nacional de Reprodução de Lince Ibérico ist ein Wildfang von sehr großer genetischer Bedeutung. Alle Bemühungen, von diesem Weibchen Nachkommen zu erhalten, waren vergebens. ‚Azahar’ wurde als Jungtier von einem Auto angefahren. Die alte Rückenverletzung verhinderte eine normale Geburt. Nach einer Totgeburt und nunmehr zwei Kaiserschnitten stand fest, dass sie kastriert werden muss, um weitere Trächtigkeiten und somit eine Gefährdung der Gesundheit des Tieres zu verhindern. Gleichzeitig fiel auch der Entschluss, das genetische Material durch die Entnahme von Embryonen und das Einfrieren der Eierstockrinde nach der Kastration zu sichern. Das IZW-Team war maßgeblich an diesem Vorhaben beteiligt. So konnten drei Embryonen und Teile der Eierstockrinde eingefroren werden. „Aktuell diskutieren wir die nächsten Schritte. Dabei geht es um einen Transfer der gewonnenen Embryonen in eine Leihmutter - vielleicht ein Weibchen des Eurasischen Luchses“, kommentiert Jewgenow.

‚Saliega‘, das zweite Weibchen, lebt im Centro de Cría de el Acebuche, in Doñana, Spanien und ist das erste Iberische Luchsweibchen, das in Gefangenschaft gezüchtet hatte. Im Juli 2012 entdeckte man bei ihr einen Brusttumor, der durch das Säugen des Nachwuchses induziert wurde. Das Risiko einer erneuten Tumorbildung, ihr bereits fortgeschrittenes Alter von zwölf Jahren, sowie die Tatsache, dass sie in den letzten acht Jahren bereits 16 Nachkommen zur Welt gebracht hat, gaben Anlass für die Entscheidung, auch sie zu kastrieren. „Von Saliega konnten wir nur unbefruchtete Eizellen gewinnen, da das Männchen, mit dem sie verpaart, wahrscheinlich unfruchtbar ist.

Saliegas genetisches Material in Form der Eierstockrinde wurde jedoch ebenfalls eingefroren“, sagt Natalia Mikolaewska, Doktorandin am IZW. Am IZW wurde erst kürzlich ein Verfahren zum Einfrieren von Eierstockrinde von Katzenartigen entwickelt, das sogenannte „slow freezing“. Der Iberische Luchs ist die einzige Katzenart, die auf der roten Liste des IUCN als kritisch bedroht geführt wird. Vor einem Jahrzehnt lebten weniger als 200 Individuen in Südspanien.

Das IZW ist langfristiger wissenschaftlicher Partner des Iberian Lynx Conservation Breeding Program (ILCBPS) in Andalusien, Spanien.

Gesine Wiemer | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.izw-berlin.de
http://www.fv-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität
25.04.2017 | Universität Bielefeld

nachricht Wehrhaft gegen aggressiven Sauerstoff - Metalloxid-Nickelschaum-Elektroden in der Wasseraufspaltung
25.04.2017 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Pharmacoscopy: Mikroskopie der nächsten Generation

25.04.2017 | Medizintechnik

Astronomen-Team findet Himmelskörper mit „Schmauchspuren“

25.04.2017 | Physik Astronomie

Heiß & kalt – Gegensätze ziehen sich an

25.04.2017 | Physik Astronomie