Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Elektronische Mikro-Labore steuern chemische Prozesse von innen

02.05.2016

Chemiker der Ruhr-Universität Bochum haben gemeinsam mit Projektpartnern winzige elektronische Einheiten entwickelt, die chemische Prozesse von innen kontrollieren können. Die Mikro-Labore haben eine Kantenlänge von gerade einmal 140 Mikrometern. Über Spannungssignale können sie verschiedene chemische Reaktionen in wässriger Lösung dirigieren und ihre Umwelt wahrnehmen. Sie besitzen eine autonome Stromversorgung und arbeiten somit autark. Eines Tages sollen sie auch zur Evolution fähig sein. Die Forschung findet statt im Rahmen des EU-Projekts „Microscopic Chemically Reactive Electronic Agents“.

Autonome Mikro-Labore, so groß wie Zellen, die den menschlichen Körper von innen überwachen – noch ist das Fiktion. Aber einige grundlegende Schritte sind gemacht.


Doktorand Abhishek Sharma führt einen der vielen Herstellungsschritte für die Lablets durch. Er positioniert Elektroden, um einen Teil des Wafers zu beschichten.

© RUB, Damian Gorczany

Als Labore auf einem Chip bezeichnet Prof. Dr. John McCaskill von der Ruhr-Universität Bochum die winzigen elektronischen Bauteile, die er gemeinsam mit zahlreichen Partnern in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Der Forscher der Fakultät für Chemie und Biochemie leitet das EU-Projekt „Microscopic Chemically Reactive Electronic Agents“.

Ziel des internationalen Teams ist es, chemische Reaktionen nicht mit großen Interface-Strukturen von außen zu steuern, sondern die Prozesse von innen heraus elektronisch zu kontrollieren. „Man muss sich nur vorstellen, was ein Chemiker alles machen könnte, wenn er so klein wie eine Zelle wäre“, sagt McCaskill.

Elektroden steuern Chemie über Spannungssignale

Die im Projekt konzipierten Mikro-Labore, auch Lablets genannt, sind derzeit gerade einmal 140 mal 140 mal 60 Mikrometer groß. Sie können verschiedene chemische Reaktionen in wässriger Lösung steuern oder Informationen aus ihrer Umgebung aufnehmen. Für diesen Zweck besitzen sie winzige Elektroden.

Eine Spannung, die an der Elektrode anliegt, kann die Energie liefern, die es braucht, um eine chemische Reaktion in Gang zu setzen. Unterschiedliche Spannungen starten unterschiedliche Reaktionen – welche hängt unter anderem von den in der Umgebung verfügbaren Molekülen ab.

Für die Mikro-Labore haben die Forscher einen Super-Kondensator entwickelt, der aktuell 20 Minuten lang eine autarke Stromversorgung ermöglicht. Zum Aufladen und zwecks Programmierung müssen die Lablets derzeit an eine smarte Oberfläche binden.

Mikro-Labore sollen zur Evolution fähig sein

Bei der Konzeption der Lablets haben sich die Chemiker das ein oder andere von der Natur abgeschaut. Prinzipiell sind sie so angelegt, dass sie ihre Programmierung auf andere Einheiten übertragen können, indem sie eine Sequenz von Spannungssignalen weitergeben. Eines Tages sollen sich die Lablets selbstständig zu Paaren zusammenfinden können und fähig zur Evolution sein.

Mit Hochdruck arbeitet das Projektteam nun daran, alle entwickelten Funktionen in einem einzigen Mikro-Labor zu integrieren.

Ausführlicher Beitrag mit Bildern im Wissenschaftsmagazin Rubin

Das Wissenschaftsmagazin Rubin der Ruhr-Universität Bochum berichtet über die bislang erzielten Erfolge des Projekts http://rubin.rub.de/de/mikro-labore. Texte auf der Webseite und Bilder aus dem Downloadbereich dürfen unter Angabe des Copyrights für redaktionelle Zwecke frei verwendet werden.

Themenschwerpunkt: Wenn Science-Fiction und Forschung verschmelzen

Der Beitrag über die Forschung von John McCaskill ist Teil des aktuellen Rubin-Schwerpunkts „Wenn Science-Fiction und Forschung verschmelzen“ (http://rubin.rub.de/de/themenschwerpunkt-wenn-science-fiction-und-forschung-vers...), mit dem die Frühjahrsausgabe des Magazins erschienen ist.

Pressekontakt

Prof. Dr. John McCaskill, Microsystems Chemistry and Biomolecular Information Technology, Fakultät für Chemie und Biochemie, Ruhr-Universität Bochum, Tel.: 0234/32 27702, E-Mail: john.mccaskill@rub.de

Dr. Julia Weiler | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie