Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Elektrische Kommunikation: Internationales Forscherteam entdeckt neue Art der Bulldog-Fische

05.04.2016

Forscher der Universitäten Regensburg, Heidelberg und Johannesburg (Südafrika) haben am Kunene-Fluss im südlichen Teil Afrikas eine neue Art der Bulldog-Fische nachgewiesen. Bulldog-Fische stammen aus der Familie der elektrosensiblen Nilhechte (Mormyriden), einer nur in Afrika beheimateten Knochenfischfamilie. Die Entdeckung des internationalen Forscherteams wurde im African Journal of Aquatic Science veröffentlicht (DOI: 10.2989/16085914.2015.1137855).

Der Kunene-Fluß bildet die Grenze zwischen Angola und Namibia bis hin zum wüstenartigen, kalten und sturmgepeitschten Flachlandstreifen an seiner Mündung in den Atlantik (Skeleton Coast National Park, Namibia). Dort entdeckten die Forscher eine neue Art des Formenkreises der Bulldog-Fische (Gattung Marcusenius) aus der Familie der Mormyriden. Die neue Art Marcusenius desertus unterscheidet sich wesentlich von seiner Zwillingsart Marcusenius multisquamatus, die im klimatisch begünstigten und schnellströmenden Abschnitt im Steilabfall des Flusses lebt (600 - 800 m ü. M.).


Der neue Bulldog-Fisch Marcusenius desertus.

Bildnachweis: Prof. Dr. Bernd Kramer – Zur ausschließlichen Verwendung im Rahmen der Berichterstattung zu dieser Pressemitteilung.

Im Bereich der Skeleton Coast wurden weder die im Wasser lebenden Larven von Eintagsfliegen, Köcherfliegen oder Zuckmücken noch die aus ihnen hervorgehenden Insekten im Erwachsenenstadium entdeckt, die sonst als wichtigste Nahrungsgrundlage für Nilhechte gelten.

Darüber hinaus kommen an der Skeleton Coast – im Gegensatz zum üppigen Steilabfall-Lebensraum – fast keine Samenpflanzen vor; dafür aber aggressive Raum- und Nahrungskonkurrenten der Bulldog-Fische wie die halbmarinen Langarmgarnelen (Macrobrachium), die wiederum im Steilabfall fehlen.

Ökologische Unterschiede wie diese könnten die Ursache für die Entwicklung des Küsten-Bulldog-Fisches in der Sand- und Kieswüste der Skeleton Coast gewesen sein.

Die Forscher aus Regensburg, Heidelberg und Johannesburg konnten bei der neuen Art reproduktive Isolierung sowie signifikante Unterschiede in Morphologie und Pulskurvenform der elektrischen Organ-Entladung nachweisen, für die Nilhechte bei der Partnerwahl sehr sensibel sind,

Die nachtaktiven Nilhechte kommunizieren inner- und zwischenartlich mit schwachen, elektrischen Pulssignalen im Millisekundenbereich.

Die mehr als 200 Nilhecht-Arten unterscheiden sich jeweils in der Pulskurvenform ihrer elektrischen Entladungen. Beispielsweise werden auch geringste Unterschiede der Pulskurvenform (Zeitdomäne) im Mikrosekundenbereich von dressierten bzw. futterbelohnten Versuchstieren wahrgenommen.

Zur ökologischen und wirtschaftlichen Bedeutung der Nilhechte:

Afrika kennt seine Fische nicht. Aktuell unternehmen daher viele afrikanische Länder große Anstrengungen, um ihre Süßwasser-Fischfauna besser kennenzulernen – gerade auch, weil sie die einzige noch Wachstum ermöglichende Proteinquelle darstellt. Dabei stellen Mormyriden auf vielen Märkten Afrikas etwa 30 % des konsumierten Fisches.

Für viele Projekte wie Aquafarming oder für Folgenabschätzungen von Infrastrukturkonzepten (Energie, Trinkwasser, Bewässerung) sind Kenntnisse der Biologie und Ökologie der einzelnen, bisher nicht unterschiedenen Arten von großer Bedeutung. Die Sportfischerei (Tourismus) oder die Zierfisch-Industrie, die große Mengen von Nilhechten auch nach Europa und Nord-Amerika exportiert, sind zudem wirtschaftlich relevant.

Ansprechpartner für Medienvertreter:
Prof. Dr. Bernd Kramer i.R.
Universität Regensburg
Am Institut für Zoologie
Tel.: 0941 943-2263
bernd.kramer@ur.de

Alexander Schlaak | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-regensburg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Up-Scaling: Katalysatorentwicklung im Industriemaßstab
22.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium
22.11.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften