Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Eiweißmoleküle „altern“

03.01.2011
Ernährungswissenschaftler der Universität Jena koordiniert europäisches COST-Forschungsnetzwerk

Standesgemäß – mit einem Bühnen-Programm – feierte jüngst Johannes Heesters seinen 107. Geburtstag. Obwohl man ihm sein Alter inzwischen auch ansieht, erfreut sich der hochbetagte Mime noch immer einer erstaunlichen Gesundheit.

Warum ist es manchen Menschen vergönnt, auch mit 107 noch auf der Bühne zu stehen, während andere nicht einmal die Hälfte an Lebenszeit haben? Das fragen sich auch zahlreiche Wissenschaftler, die die Prozesse des Alterns erforschen. Einerseits sei uns die „Konstitution“ bereits in die Wiege gelegt, weiß Prof. Dr. Tilman Grune von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. „Andererseits entscheidet unsere Lebensweise, insbesondere unsere Ernährung, darüber, ob wir gesund alt werden oder bestimmte Krankheiten bekommen“, so der Biochemiker und Inhaber des Lehrstuhls für Ernährungstoxikologie.

Bei der Entstehung von altersbedingten Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson und auch beim Alterungsprozess selbst spielen chemische Veränderungen an Eiweißmolekülen eine zentrale Rolle. „Einzelne dieser zumeist durch Umwelteinflüsse hervorgerufenen Veränderungen werden inzwischen wissenschaftlich sehr genau untersucht“, sagt Prof. Grune. „Allerdings fehlt es bislang an einem generellen Überblick über die Reaktionsmechanismen, die Reaktionsprodukte und die konkreten Konsequenzen der Eiweiß-Veränderungen.“

Das wollen Prof. Grune und Wissenschaftler aus ganz Europa im Rahmen eines von der Europäischen Union geförderten Forschungsnetzwerks „COST“ (European Cooperation in the field of Scientific and Technical Research) jetzt ändern. Das soeben ins Leben gerufene Konsortium von Chemikern, Biochemikern, Medizinern, Ernährungswissenschaftlern und Biologen wird von Prof. Grune koordiniert. Dem Netzwerk mit dem Titel „Chemistry of non-enzymatic protein modification – modulation of protein structure and function“ gehören 44 Arbeitsgruppen aus 19 europäischen Ländern an.

Eiweiße – auch Proteine genannt – gehören zu den grundlegenden Bausteinen jeder lebenden Zelle. „Ihre Struktur bestimmt ihre Funktion“, so der Jenaer Altersforscher Grune. Aus den etwa 100.000 verschiedenen Eiweißen, die der Mensch produziert, werden durch anschließende chemische Modifizierungen rund 1,5 Millionen verschiedene Bausteine mit jeweils unterschiedlicher Funktion. Die häufigsten durch Umwelteinflüsse verursachten Veränderungen an Eiweißen sind Oxidationen. Sie spielen wahrscheinlich auch bei der Entstehung von Krankheiten wie Alzheimer eine Rolle. „Obwohl es eine Vielzahl an Forschungsprojekten und Publikationen in diesem Bereich gibt, fehlt uns bislang das grundlegende Wissen darüber, welche Ereignisse welche Reaktionsprodukte hervorrufen, wie diese weiter reagieren bzw. wie stabil sie sind“, zählt Prof. Grune auf. Dieses Wissen wollen die Forscher im Laufe der nächsten vier Jahre zusammentragen.

Geplant ist, zunächst geeignete Analyse-Methoden zu etablieren, mit denen chemische Modifizierungen an Eiweißen umfassend untersucht werden können. Andere Gruppen des Netzwerkes wollen den physiologischen Konsequenzen der Modifizierungen auf den Grund gehen und daraus entsprechende prophylaktische Empfehlungen ableiten. Dazu werden sich die Wissenschaftler des COST-Netzwerkes regelmäßig treffen, um über den aktuellen Stand ihrer Untersuchungen zu diskutieren. Auch der Austausch von Wissenschaftlern ist geplant. Vor allem Nachwuchsforscher sollen zu mehrwöchigen Forschungsaufenthalten an jeweils andere Institutionen des COST-Netzes reisen können.

Kontakt:
Prof. Dr. Tilman Grune
Institut für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Straße 24, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949670
E-Mail: tilman.grune[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | Friedrich-Schiller-Universitä
Weitere Informationen:
http://www.cost.esf.org/domains_actions/cmst/Actions/protein
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Proteine zueinander finden
21.02.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

nachricht Kleine Moleküle gegen altersbedingte Erkrankungen
21.02.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit den Betriebsräten Sozialpläne

21.02.2017 | Unternehmensmeldung

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten