Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein realistischer Blick auf Infektionen

11.11.2015

Neue Methoden und Strategien zur Untersuchung zentraler Mechanismen von Infektionen des Menschen stehen im Mittelpunkt eines neuen Graduiertenkollegs an der Universität Würzburg. Zum Einsatz kommen dabei auch spezielle dreidimensionale humane Gewebemodelle.

Wie schaffen es bestimmte Erreger, in den Körper des Menschen einzudringen? Auf welchen Wegen verbreiten sie sich und wie verrichten sie ihr bisweilen tödliches Werk? Wo verstecken sie sich vor dem Angriff des Immunsystems? Forscher, die Antworten auf diese und weitere Fragen suchen, kommen in der Regel mit Experimenten an Tiermodellen nicht weiter – zu unterschiedlich sind dafür humane Gewebe und Gewebe der Tiere.


Eine Tsetsefliege injiziert Trypanosomen in menschliche Haut. In diesem Hautmodel können die frühen Stadien der Trypanosomeninfektion optimal untersucht werden.

Foto: Ines Subota & Markus Engstler

Realitätsnahe Forschung dank Tissue Engineering

Aus diesem Grund verfolgt ein neues Graduiertenkolleg an der Universität Würzburg, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) jetzt genehmigt hat, einen anderen Ansatz. Das Graduiertenkolleg „3D Tissue Models for Studying Microbial Infections by Human Pathogens” will neue Methoden und Strategien entwickeln, die den natürlichen Bedingungen sehr nahe kommen oder diese in den wesentlichen Komponenten widerspiegeln.

Mit Hilfe des Tissue Engineerings sollen an dreidimensionalen humanen Gewebemodellen zentrale Mechanismen von Infektionen des Menschen realitätsnah untersucht werden. Sprecher des Kollegs ist Professor Thomas Rudel, Inhaber des Lehrstuhls für Mikrobiologie.

„Humane Krankheitserreger zu untersuchen ist nicht einfach, weil die standardmäßig verwendeten Zellkulturen und Tiermodelle artifizielle Systeme sind“, schildert Thomas Rudel das Problem. Der Weg, den die Wissenschaftler in dem neuen Graduiertenkolleg einschlagen, sieht deshalb andere Methoden vor:

Gemeinsam mit dem Würzburger Institutsteil des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik und dessen Leiterin Professor Heike Walles werden die Experten der Infektionsbiologie aus menschlichen Zellen künstliche Gewebe züchten und dort das Verhalten der Erreger studieren. Klassische Eintrittspforten wie Haut und Schleimhäute der Atemwege stehen dabei im Mittelpunkt der Forschung, genauso wie die innere Auskleidung des Darm- und des Urogenitaltrakts.

Das neue Graduiertenkolleg

Rund fünf Millionen Euro stellt die DFG den Würzburger Wissenschaftlern dafür in den kommenden viereinhalb Jahren zur Verfügung; eine Verlängerung um den gleichen Zeitraum ist möglich. Offiziell nimmt das Graduiertenkolleg seine Arbeit im April 2016 auf. 15 Doktoranden werden aus dessen Mitteln finanziert; weitere zehn assoziierte Doktoranden werden nach Rudels Worten ebenfalls von den Ausbildungsmöglichkeiten profitieren.

Sie erhalten so die Möglichkeit, in einem Forschungs- und Qualifizierungsprogramm auf hohem fachlichem Niveau zu promovieren. Die Graduiertenkollegs bieten ihnen „eine hohe Qualität der fachlichen und persönlichen Betreuung“ sowie „deutlich verbesserte strukturelle und finanzielle Rahmenbedingungen“ für ihre Promotion, wie die DFG schreibt.

Die Mitglieder des neuen Graduiertenkollegs kommen aus unterschiedlichen Fachrichtungen und forschen an verschiedenen Erregern: Bakterien der Gattungen Neisseria und Chlamydia bilden beispielsweise Forschungsschwerpunkte im Labor von Thomas Rudel. Sie können Hirnhautentzündung, Lungenentzündung und Geschlechtskrankheiten verursachen.

Mit dem Bakterium Campylobacter jejuni beschäftigt sich eine Nachwuchsgruppe am Zentrum für Infektionsforschung; es ist die derzeit häufigste Ursache für bakterielle Durchfallerkrankungen. Andere Gruppen arbeiten mit den Erregern von Typhus, Keuchhusten und Masern oder an Trypanosomen, den Erregern der Schlafkrankheit. Insgesamt sind Infektionskrankheiten bis heute eine der häufigsten Todesursachen weltweit.

Kontakt

Prof. Dr. Thomas Rudel, Lehrstuhl für Mikrobiologie
T: (0931) 31-84401, Thomas.Rudel@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch | Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Enzym mit überraschender Doppelfunktion
24.01.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Flexibilität und Ordnung - die Wechselwirkung zwischen Ribonukleinsäure und Wasser
24.01.2018 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher decken die grundsätzliche Limitierung im Schlüsselmaterial für Festkörperbeleuchtung auf

Zum ersten Mal hat eine internationale Forschungsgruppe den Kernmechanismus aufgedeckt, der den Indium(In)-Einbau in Indium-Galliumnitrid ((In, Ga)N)-Dünnschichten begrenzt - dem Schlüsselmaterial für blaue Leuchtdioden (LED). Die Erhöhung des In-Gehalts in InGaN-Dünnschichten ist der übliche Ansatz, die Emission von III-Nitrid-basierten LEDs in Richtung des grünen und roten Bereiches des optischen Spektrums zu verschieben, welcher für die modernen RGB-LEDs notwendig ist. Die neuen Erkenntnisse beantworten die langjährige Forschungsfrage: Warum scheitert dieser klassische Ansatz, wenn wir versuchen, effiziente grüne und rote LEDs auf InGaN-Basis zu gewinnen?

Trotz der Fortschritte auf dem Gebiet der grünen LEDs und Laser gelang es den Forschern nicht, einen höheren Indium-Gehalt als 30% in den Dünnschichten zu...

Im Focus: Optisches Nanoskop ermöglicht Abbildung von Quantenpunkten

Physiker haben eine lichtmikroskopische Technik entwickelt, mit der sich Atome auf der Nanoskala abbilden lassen. Das neue Verfahren ermöglicht insbesondere, Quantenpunkte in einem Halbleiter-Chip bildlich darzustellen. Dies berichten die Wissenschaftler des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel zusammen mit Kollegen der Universität Bochum in «Nature Photonics».

Mikroskope machen Strukturen sichtbar, die dem menschlichen Auge sonst verborgen blieben. Einzelne Moleküle und Atome, die nur Bruchteile eines Nanometers...

Im Focus: Optical Nanoscope Allows Imaging of Quantum Dots

Physicists have developed a technique based on optical microscopy that can be used to create images of atoms on the nanoscale. In particular, the new method allows the imaging of quantum dots in a semiconductor chip. Together with colleagues from the University of Bochum, scientists from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute reported the findings in the journal Nature Photonics.

Microscopes allow us to see structures that are otherwise invisible to the human eye. However, conventional optical microscopes cannot be used to image...

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

23.01.2018 | Veranstaltungen

Gemeinsam innovativ werden

23.01.2018 | Veranstaltungen

Leichtbau zu Ende gedacht – Herausforderung Recycling

23.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Enzym mit überraschender Doppelfunktion

24.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neuartiger hoch-produktiver Prozess für robuste Schichten auf flexiblen Materialien

24.01.2018 | Messenachrichten

Neuartiger Sensor zum Messen der elektrischen Feldstärke

24.01.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics