Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Atlas für Pseudomonas-Gene

18.03.2015

HZI-Wissenschaftler identifizieren die Regulons der wichtigsten Sigma-Faktoren von Pseudomonas aeruginosa

Bestimmte Proteine spielen bei der Verarbeitung der genetischen Informationen bei Bakterien eine entscheidende Rolle: Für den Beginn der Transkription, dem Umschreiben von DNA in RNA, sind die sogenannten Sigma-Faktoren verantwortlich.


Genom-Atlas der Sigma-Faktoren von Pseudomonas aeruginosa

© HZI/Eckweiler

Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig beschreiben nun erstmals diejenigen Gruppen von Genen, die von den wichtigsten Sigma-Faktoren des Erregers Pseudomonas aeruginosa reguliert werden. Die im Journal „PLOS Pathogens“ veröffentlichten Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse über die Stressantworten des Bakteriums und seine Virulenz. Langfristig könnten sie dabei helfen, Angriffspunkt für Medikamente gegen den Erreger zu liefern.

Pseudomonas aeruginosa ist ein gefürchteter Verursacher von im Krankenhaus erworbenen, sogenannten nosokomialen, Infektionen, die sehr schwer und oft sogar tödlich verlaufen können. Außerdem findet man den Erreger häufig bei Personen mit Verbrennungen und in der Lunge von Mukoviszidose-Patienten.

Die Bakterien besitzen eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit und überleben oft auch unter Extrembedingungen. „Zu wissen, wie genau sie diese Stressbedingungen überstehen und welche Gene die Anpassung ermöglichen, ist wichtig, um Ansatzpunkte für mögliche Therapien zu finden“, sagt Prof. Susanne Häußler, Leiterin der Abteilung Molekulare Bakteriologie am HZI. Der Schlüssel zu dieser Information liegt in den sogenannten Sigma-Faktoren: Proteine, die eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung genetischer Informationen spielen.

„Uns ist es nun dank modernster Technologien erstmals gelungen, die zehn wichtigsten Sigma-Faktoren von Pseudomonas aeruginosa zu beschreiben und ihnen Gene zuzuordnen“, sagt Häußler. So haben Häußler und ihre Kollegen einen bisher einmaligen „Genom-Atlas“ für die Sigma-Faktoren von Pseudomonas erstellt.

Diesen veröffentlichten sie im Internet auf einem frei zugänglichen Server, sodass die Ergebnisse Wissenschaftlern aus aller Welt zur Verfügung stehen. „Das ist eine neue Art Ergebnisse zu publizieren, die vielen Mikrobiologen bei ihrer Arbeit zu Gute kommen wird“, sagt Häußler.

Die neu gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen es den Forschern, das Zusammenspiel von Sigma-Faktoren mit anderen Transkriptionsfaktoren zu untersuchen und so Auskünfte über die Anpassungsmechanismen an komplexe Umweltbedingungen zu erhalten. „Wenn wir wissen, welche Sigma-Faktoren für welche Gene verantwortlich sind, können wir daraus Informationen über die Funktion von bisher unbekannten Genen ableiten.“, sagt Dr. Denitsa Eckweiler, Co-Autorin der Studie.

Eine wichtige Erkenntnis, um langfristig Ansatzpunkte für neue Therapien zu finden.


Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung:
Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern. Am seinem Standort in Braunschweig-Stöckheim blickt das Zentrum auf eine jahrzehntelange Historie zurück. Bereits 1965 begannen hier die ersten Arbeiten; 2015 feiert das HZI 50-jähriges Jubiläum.
http://www.helmholtz-hzi.de/

Weitere Informationen:

http://www.helmholtz-hzi.de/de/aktuelles/news/ansicht/article/complete/ein_atlas... - Diese Pressemitteilung auf der Homepage des HZI
http://journals.plos.org/plospathogens/article?id=10.1371/journal.ppat.1004744 - Link zur Originalpublikation

Rebecca Winkels | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität
25.04.2017 | Universität Bielefeld

nachricht Wehrhaft gegen aggressiven Sauerstoff - Metalloxid-Nickelschaum-Elektroden in der Wasseraufspaltung
25.04.2017 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neuer Blue e+ Chiller von Rittal - Exakt regeln und effizient kühlen

25.04.2017 | HANNOVER MESSE

RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Kräftiger Anstieg setzt sich fort

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen

Pharmacoscopy: Mikroskopie der nächsten Generation

25.04.2017 | Medizintechnik