Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eidechsen sonnen sich wegen Vitaminmangels

23.04.2009
Tiere können Ausmaß des benötigten Sonnenbads selbst abschätzen

Das Sonnenbad dient Eidechsen nicht bloß zur Wärmeregulierung, sondern schützt sie auch vor Vitamin-D-Mangel.

Das berichten Zoologen der Texas Christian University in der Zeitschrift Physiological and Biochemical Zoology. "Pantherchamäleons können ihre internen Vitamin-D-Werte scheinbar selbst messen und die Dauer des Sonnenbads darauf abstimmen", so Studienleiter Kristopher Karsten.

Die Reptilien steuerten die Anregung ihrer Vitaminproduktion im Experiment selbst und mit gleicher Präzision wie die Berechnungen der Wissenschaftler. Das könne ein Hinweis sein für die Existenz eines Rezeptors für Vitamin D im Gehirn der Echsen, vermutet der Forscher.

Um ihre Vermutung zu überprüfen, verabreichte man einer Gruppe Chamäleons eine Fressportion Grillen, die mit Vitamin-D-Pulver präpariert waren. Im Anschluss stellte man sie in einem Freigehege vor die Wahl zwischen einer Fläche mit praller Sonneneinstrahlung und einem schattigen Plätzchen.

In Beobachtungen konnte bestätigt werden, dass sich die Tiere anders verhielten als Kontrolltiere ohne Spezialkost. Denn obwohl bei allen Chamäleons ein mehrmaliger Wechsel zwischen Sonne und Schatten üblich ist, suchten die Reptilien nach dem Grillenverzehr viel eher den Schatten als ihre vitaminarmen Artgenossen. Letztere kompensierten ihren Vitaminmangel durch längeres Sonnenbad.

Die Sonnenstrahlung liefert zum einen Wärme, zum anderen Licht. "Als wechselwarme Tiere sind Reptilien auf die Erwärmung von außen angewiesen, um die Körperfunktionen aufrecht zu erhalten. Dadurch kommen sie mit einer weitaus geringeren Energieaufnahme durch die Nahrung aus als Säugetiere", erklärt der Tierarzt Kornelis Biron im Gespräch mit pressetext. Tagaktive Reptilien wärmen sich in der Regel am Vormittag durch ein ausgiebiges Sonnenbad auf, fressen am Nachmittag und legen sich abends wieder auf heiße Steine, von denen auch nachtaktive Tiere ihre Wärmeenergie beziehen. "Da Asphalt ein solcher Wärmespeicher ist, werden viele Eidechsen auf der Straße überfahren", so Biron. Bleibt die nötige Wärmezufuhr aus, reduzieren die Tiere ihre Körperfunktionen wie Bewegung oder Verdauung auf ein Minimum.

Zusätzlich zu dem für uns sichtbaren Spektrum können die meisten Reptilien durch spezielle Zapfen im Auge auch UVA-Strahlung wahrnehmen. "In Gefangenschaft ist es daher für das Wohlbefinden der Tiere notwendig, sie mit Licht in diesem Wellenlängenbereich zu versorgen", betont Biron. Wichtiger sei jedoch die Versorgung mit UVB-Strahlung, da durch diese Vitamin D3 gebildet werden kann, das den Kalziumstoffwechsel erst ermöglicht. Vitaminpräparate seien hierfür keine gute Lösung, so der Reptilienspezialist. "Die orale Zuführung ist zu ungenau und bei vielen Arten scheint die Verwertung so nicht möglich zu sein."

Die bessere Alternative sei es, den Tieren die eigene Steuerung des Blutkalziumspiegels zu ermöglichen, wofür es auf das Zusammenspiel von Vitamin D3 und anderen Hormonen ankomme. "Gerät dieses Gleichgewicht aus den Fugen, kommt es zu schwerwiegenden Stoffwechselstörungen, unter denen die Knochenerweichung Rachitis die bekannteste ist", so Biron. Er empfiehlt Reptilienhaltern, in den Terrarien spezielle Lampen mit UVB-Leistung zu verwenden. Da die wenigsten als Reptilienlampen verkauften Leuchtmittel diese Leistung jedoch erbringen würden, sollte man bei bestimmten Tieren auf die Strahlkraft der Sonne setzen. "Glas lässt UV-Licht nicht passieren, daher gibt eine Besonnung durch das Fenster oder durch Terrarienscheiben wenig Sinn. Das ist mit ein Grund dafür, dass man etwa Europäische Landschildkröten ausschließlich im Freien halten sollte", so der Düsseldorfer Tierarzt.

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.tcu.edu
http://www.reptilientierarzt.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen
22.06.2017 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

nachricht Im Mikrokosmos wird es bunt: 124 Farben dank RGB-Technologie
22.06.2017 | Max-Planck-Institut für Biochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie