Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eichenprozessionsspinner mit vereinten Kräften bekämpfen

19.03.2012
Gemeinsame Pressemitteilung des Julius Kühn-Instituts (JKI) und des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR)- Der Eichenprozessionsspinner breitet sich witterungsbedingt in Deutschland weiter aus. Die Raupen des wärmeliebenden Schmetterlings schädigen nicht nur die Eichen. Sie besitzen Brennhaare, die zu Hautirritationen, Augenreizungen, Atembeschwerden bis hin zu allergischen Reaktionen führen können, wenn Menschen mit ihnen in Kontakt kommen.

Der Eichenprozessionsspinner (lat. Thaumetopoea processionea) breitet sich witterungsbedingt in Deutschland weiter aus. Sowohl im Forst als auch im urbanen Grün, wie zum Beispiel in Parks, an Spielplätzen oder Alleebäumen tritt er verstärkt auf. Die Raupen des wärmeliebenden Schmetterlings schädigen nicht nur die Eichen.

Sie besitzen Brennhaare, die zu Hautirritationen, Augenreizungen, Atembeschwerden bis hin zu allergischen Reaktionen führen können, wenn Menschen mit ihnen in Kontakt kommen. Experten schätzen das gesundheitsschädigende Potenzial des Eichenschädlings als sehr hoch ein. Nicht nur aus Sicht des Waldschutzes ist das Insekt daher zu bekämpfen. Vom 6. bis 7. März 2012 hatten das Julius Kühn-Institut (JKI) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin Vertreter der zuständigen Bundes- und Landesbehörden, aber auch Experten aus Wissenschaft und Praxis zu einem Fachgespräch eingeladen.

Ausgangspunkt für die Diskussion waren neben der Schädigung der Eichen zunehmende Berichte über gesundheitliche Probleme von Forst- und Gartenarbeitern, aber auch von Anwohnern und Spaziergängern. Es wurde deutlich, dass die Brennhaare, die die Raupe ab dem dritten Larvenstadium ausbildet, eine direkte Gesundheitsgefährdung darstellen, die wegen ihres Verbleibs in den befallenen Flächen über lange Zeit anhält.

Der Schädling muss sowohl im Forst als auch im städtischen Grün aus Gesundheits- und Waldschutzgründen bekämpft werden. Darüber waren sich die versammelten Experten einig. „Der Eichenprozessionsspinner ist jedoch ein Wanderer zwischen den Welten – Einerseits ist er ein Pflanzenschädling, der z. B. im Forst auf Grundlage des Pflanzenschutzrechts grundsätzlich mit Insektiziden bekämpft werden kann“, erläutert Dr. Georg F. Backhaus, Präsident des Julius Kühn-Instituts. „Andererseits schädigt er die Gesundheit der Menschen. In solchen Fällen greift das Biozidrecht“, so Backhaus weiter.

Professor Dr. Dr. Andreas Hensel vom Bundesinstitut für Risikobewertung brachte es auf den Punkt: „Was ist schlimmer, die Wirkung der Brennhaare des Eichenprozessionsspinners oder Nebenwirkungen einer Insektizid-Anwendung?“ Hier müssen die für die Produktzulassung Verantwortlichen abwägen zwischen dem Risiko der Gesundheitsgefährdung durch den Schaderreger und den Nebenwirkungen, die von einem Insektizid ausgehen können.

Ein Problem, vor dem die Behörden stehen, ist, dass es bisher nur wenige wissenschaftlich belastbare umweltmedizinische Datenerhebungen über die Wirkung der Brennhaare gibt, wie sie im Fachgespräch von Ärzten der Kreisverwaltungen Teltow-Fläming in Brandenburg und Kleve in Nordrhein-Westfalen vorgestellt wurden.
Es wurde deutlich, dass die zu ergreifenden Maßnahmen zur Bekämpfung des Schädlings an die jeweilige Situation vor Ort angepasst sein müssen. Die Spanne reicht hier von der Sperrung befallener Areale, über den Einsatz von Insektiziden etwa aus der Luft, bis hin zu lokalen Maßnahmen, bei denen Raupennester und -haare von Spezialisten mit Vollschutz und Maske von Einzelbäumen abgesaugt werden. Von der Veranstaltung geht das Signal aus, dass alle beteiligten Behörden an einer gemeinsamen Strategie arbeiten müssen, um künftig Lösungen zum Schutz der Bürger, für das urbane Grün und den Erhalt der Eichenwälder anzubieten.

Zur Veranstaltung wird ein Berichtsheft erscheinen. Die Beiträge werden auf den Webseiten von BfR und JKI einsehbar sein.
Ein allgemeinverständliches Informationsfaltblatt über den Eichenprozessionsspinner kann in der JKI-Pressestelle angefordert bzw. auf folgender Seite als pdf heruntergeladen werden:
http://www.jki.bund.de/de/startseite/veroeffentlichungen/broschueren-und-faltblaetter/e-bis-g.html

Kontakt:
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
Pressestelle
Max-Dohrn-Str. 8-10, 10589 Berlin
Tel.: 030/184124300
E-Mail: pressestelle@bfr.bund.de
www.bfr.bund.de

Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen
Pressestelle
Messeweg 11-12, 38104 Braunschweig
Tel.:0531/299-3207
E-Mail: pressestelle@jki.bund.de
www.jki.bund.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.jki.bund.de
http://www.jki.bund.de/de/startseite/veroeffentlichungen/broschueren-und-faltblaetter/e-bis-g.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscherteam der Universität Bremen untersucht Korallenbleiche
24.04.2017 | Universität Bremen

nachricht Feinste organische Partikel in der Atmosphäre sind häufiger glasartig als flüssige Öltröpfchen
21.04.2017 | Max-Planck-Institut für Chemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

1. Essener Gefahrguttage am 19.-20. September 2017 mit fachbegleitender Ausstellung

24.04.2017 | Seminare Workshops

Laserstrukturierung verbessert Haftung auf Metall und schont die Umwelt

24.04.2017 | Maschinenbau

Forscherteam der Universität Bremen untersucht Korallenbleiche

24.04.2017 | Biowissenschaften Chemie