Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EHEC: Wissenschaftler aus Münster bestimmen Genomsequenz eines Vergleichsstamms aus dem Jahr 2001

06.06.2011
Abgleich mit der Sequenz des aktuellen E. coli HUSEC041 (O104:H4)-Ausbruchsstamms begonnen

Untersuchungen sollen weitere Hinweise zum Verhalten des aktuellen Erregers liefern

Die Genomsequenzierung eines Vergleichstammes aus dem Jahr 2001 zum nötigen Abgleich mit dem aktuellen E. coli HUSEC041 (O104:H4)-Ausbruchsstamm wurde am gestrigen Sonntag (5. Juni 0211) um 13:30 CET von Wissenschaftlern der Medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster und des Universitätsklinikums Münster (UKM) abgeschlossen. Durch den Vergleich der beiden Datensätze erhofft sich das Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. h.c. Helge Karch, dem Direktor des Instituts für Hygiene in Münster, wertvolle Hinweise darüber, was den aktuellen Ausbruchsstamm so aggressiv macht.

Bereits am 25. Mai konnten die Forscher aus Münster HUSEC041 (O104:H4) als den aktuellen Ausbruchsstamm identifizieren. Bei den aktuell laufenden Untersuchungen steht die Frage im Mittelpunkt, warum und in welcher exakten Form sich dieser Stamm gegenüber den zehn Jahre alten Isolaten verändert hat. So verfügt der aktuelle Ausbruchsstamm etwa über eine neue Antibiotikaresistenz. Der Stamm ist nicht neu, sondern bereits früher aufgetreten, allerdings extrem selten. Bei dieser Fragestellung arbeiten Wissenschaftler verschiedener Einrichtungen der Medizinischen Fakultät Münster und des Universitätsklinikums Münster eng zusammen.

Der Mikrobiologie Prof. Dr. Dag Harmsen leitet das Sequenzierteam in Münster. Der Forschungsleiter der Poliklinik für Parodontologie in Münster erläutert das aktuelle Vorgehen: „Unsere Mitarbeiter haben Proben, die den aktuellen Stamm aus 2011 enthalten, an Wissenschaftler des Unternehmens „Life Technologies Corporation“ in Darmstadt übermittelt, die das Genom dieses Stamms sequenziert haben. Nun haben wir in Rekordzeit innerhalb von drei Tagen die Genomsequenz des Vergleichsstamms aus dem Jahr 2001 davon unabhängig in unseren Laboratorien hier in Münster entziffert.“ Eine solche schnelle Sequenzierung sei eine „wissenschaftliche Meisterleistung, die einen weiteren Beitrag zum besseren Verständnis des aktuellen Ausbruchs und damit eventuell in einem nächsten Schritt des teilweise sehr schweren Krankheitsverlaufs bei den betroffenen Patienten liefern kann“, erklärt Prof. Dr. Wilhelm Schmitz, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Münster.

Nun gelte es, die vorliegenden Ergebnisse der beiden Sequenzierungen im Vergleich sorgfältig und exakt zu analysieren, betont Prof. Harmsen: „Zunächst haben wir nun nur die Buchstaben bestimmt. Um die Wörter oder gar das Buch des Genoms zu verstehen, bedarf es in der nun mit Hochdruck laufenden Analyse sowohl großen biologischen als auch bioinformatischen Sachverstandes. Diese Analyse muss dann die Grundlage für die weiteren Schritte sein.“

„Zum jetzigen Zeitpunkt erwarten wir allerdings noch keine unmittelbar diagnostisch oder gar therapeutisch verwertbaren Ergebnisse aus der Analyse. Jedoch erhoffen wir uns durch den Vergleich beider Genomsequenzen wertvolle Hinweise darüber, was den aktuellen Ausbruchsstamm so aggressiv macht“, so Dr. Alexander Mellmann vom Nationalen Konsiliarlabor für das Hämolytisch–urämische Syndrom (HUS) des Robert Koch-Institutes am Institut für Hygiene in Münster.

Parallel zu diesen Arbeiten werden in Münster unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. h.c. Helge Karch weitere Untersuchungen zum besseren Verständnis und zum biologischen Verhalten des aktuellen Ausbruchsstamms durchgeführt: Hier stehen Fragen zur bereits festgestellten Antiobiotikaresistenz oder zu seinem Verhalten unter speziellen Umweltbedingungen im Vordergrund. Ziel dabei ist es, wertvolle Hinweise zu seinem natürlichen Reservoir zu finden. „Diese Fragen sind wichtig, um den Erreger nach dem endgültigem Auffinden der Infektionsquelle und seinem Reservoir wieder aus der Umwelt entfernen zu können. Denn unser Ziel ist es auch, weitere Ausbrüche in der Zukunft zu vermeiden“, so Prof. Karch.

Hinweis an die Redaktionen:

Wie bereits veröffentlicht, handelt es sich bei dem aktuellen Ausbruchsstamm um einen EHEC-Typ der Serogruppe O104. Die Wissenschaftler aus Münster konnten bereits am 25. Mai „H4“ als H-Antigen molekularbiologisch nachweisen. Der so genannte Multilocus-Sequenztyp (MLST) ist „ST678“. In der Referenzkollektion von HUS-assoziierten EHEC- Isolaten wird ein O104:H4 als „HUSEC041“ bezeichnet.

Einen Überblick über die HUSEC-Referenzstammsammlung finden Sie unter www.ehec.org („HUSEC-Referenzstammsammlung“)

Dort gibt es auch die aktuellsten Laborinformationen zum in Münster entwickelten Testverfahren für den aktuellen Ausbruchsstamm („Laborinfo“).

Pressekontakt Universitätsklinikum Münster:

Stefan Dreising
Unternehmenskommunikation
- Pressereferent -
Universitätsklinikum Münster (UKM)
Albert-Schweitzer-Campus 1, Gebäude D5
Anfahrtsadresse: Domagkstr. 5
48149 Münster
Tel.: 0251 / 83-5 74 47
eMail: Stefan.Dreising@ukmuenster.de
www.ukmuenster.de
Pressekontakt Life Technologies:
Anke Werse
Manager Marketing Communications
Europe
Frankfurter Str. 129 B
64293 Darmstadt
Germany
T 06151 5990371
M +49 173 3474664
anke.werse@lifetech.com
www.lifetechnologies.com

Stefan Dreising | Universitätsklinikum Münster
Weitere Informationen:
http://www.ukmuenster.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut
20.10.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Aus der Moosfabrik
20.10.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise