Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EHEC-Diagnose anhand typischer Merkmale der Darmschleimhaut

14.07.2011
Die größte Aufregung um die europaweite EHEC-Epidemie ist abgeklungen, die Herkunft des Erregers aus Ägypten gilt nach zwei Monaten intensiver Suche als belegt.

Sicherheit vor weiteren Infektionen gibt es aber nicht. Die aggressiven Bakterien haben sich bei uns ausgebreitet und bleiben gefährlich. Eine schnelle, zuverlässige Diagnose kann Leben retten.

Mitarbeiter der Medizinischen Klinik 1 des Universitätsklinikums Erlangen haben zusammen mit Fachleuten aus Augsburg, Bayreuth und Graz nun erstmalig den neuen EHEC-Erregertyp O104:H4 endoskopisch und feingeweblich charakterisiert. Die Darmschleimhaut selbst liefert hier die Auskunft dadurch, wie sie sich dem ärztlichen Blick präsentiert.

„Die EHEC-Infektion geht mit einer Reihe relativ typischer Charakteristika der Darmschleimhaut einher“, erklärt Prof. Dr. Helmut Neumann von der Medizinischen Klinik 1 und zählt auf: „Schwer entzündete Schleimhaut mit punktförmigen Einblutungen und einer ausgeprägten Schwellung.“ Die Schwellung entwickelt sich auf Kosten des Hohlraums (Lumen) im Verdauungsorgan und kann bis zu einer Stenose, einer bedrohlichen Verengung der Darmschleimhaut, führen.

Die Schleimhaut weist weiterhin oberflächliche Verletzungen auf, berichtet Prof. Neumann, zugleich Inhaber einer W1-Professur für Molekulare Endoskopie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. In vielen der haarfeinen Kapillaren der Darmschleimhaut behindern Thromben die Durchblutung. Ein so schweres Krankheitsbild ließ für die Mediziner im konkreten Fall eines Augsburger Patienten nur den Schluss auf eine Infektion durch den neuartigen EHEC-Erreger zu. Das weitere Vorgehen in der Diagnostik und insbesondere die geeignete Therapie hingen davon ab.

Endoskop und feingewebliche (histologische) Untersuchungen ermöglichten den Befund. Für die Histologie wandte sich die Diako Stadtklinik Augsburg an das pathologische Institut des Klinikums Bayreuth. Die Pathologie der Universität Graz bestätigte die Diagnose EHEC. In der Erlanger Universitätsklinik, bekannt für die Kompetenz ihrer Wissenschaftler in der Differentialdiagnostik gastrointestinaler Erkrankungen, liefen schließlich die Fäden zusammen. Alle Befunde wurden hier gesammelt und für eine Erstpublikation in der international renommierten Fachzeitschrift Endoscopy aufbereitet, um den Kolleginnen und Kollegen weltweit aufschlussreiche Einblicke und Grundlagen für eine noch effektivere Diagnostik und Therapie zu liefern. Außer Prof. Neumann zählen zu den Autoren Prof. Markus F. Neurath (Erlangen), PD Dr. Michael Vieth (Bayreuth), PD Dr. Cord Langner (Graz) und Dr. Martin Hunstiger (Augsburg). Die Kette der medizinischen Kooperation und Kommunikation zwischen den vier Städten aus zwei Staaten hatte sich bereits früher bewährt. Aufgrund der Brisanz des Themas und der hohen Aktualität verlegte die Redaktion von Endoscopy den Veröffentlichungstermin der Erstbeschreibung nach vorn. Mit mehr als 4.000 Infektionen und 49 Todesopfern war die EHEC-Epidemie in Europa eine der schwersten, die die Welt bis heute kennt.

Was neue Diagnostikmethoden betrifft, steuern die Erlanger Spezialisten für Innere Medizin weitere erhebliche Fortschritte an. Prof. Neumann schildert entsprechende Bestrebungen in seinem speziellen Forschungsgebiet: Krankheitserreger, die sich in den Organen eingenistet haben, sollen zukünftig direkt, noch während der Endoskopie erkennbar werden wodurch die Diagnose und Therapie dann deutlich beschleunigt wird. Gewebeproben und komplexe mikrobiologische Untersuchungsmethoden wären zum Teil dann nicht mehr nötig. Dies könnte wertvolle Zeit sparen, und die Patienten blieben von zusätzlichen Eingriffen verschont.

Die Universität Erlangen-Nürnberg, gegründet 1743, ist mit 29.000 Studierenden, 590 Professorinnen und Professoren sowie 2000 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte Universität in Nordbayern. Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen an den Schnittstellen von Naturwissenschaften, Technik und Medizin in engem Dialog mit Jura und Theologie sowie den Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Seit Mai 2008 trägt die Universität das Siegel „familiengerechte Hochschule“.

Weitere Informationen für die Medien:

Prof. Dr. Helmut Neumann
Tel.: 09131/85-45053
helmut.neumann@uk-erlangen.de

Dr. Pascale Anja Dannenberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-erlangen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Riesenfresszellen steuern die Entwicklung von Nerven und Blutgefäßen im Gehirn
30.05.2017 | Deutsches Krebsforschungszentrum

nachricht 3D-Druckertinte aus dem Wald
30.05.2017 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode zur Charakterisierung von Graphen

Wissenschaftler haben eine neue Methode entwickelt, um die Eigenschaften von Graphen ohne das Anlegen störender elektrischer Kontakte zu charakterisieren. Damit lassen sich gleichzeitig der Widerstand und die Quantenkapazität von Graphen sowie von anderen zweidimensionalen Materialien untersuchen. Dies berichten Forscher vom Swiss Nanoscience Institute und Departement Physik der Universität Basel im Wissenschaftsjournal «Physical Review Applied».

Graphen besteht aus einer einzigen Lage von Kohlenstoffatomen. Es ist transparent, härter als Diamant, stärker als Stahl, dabei aber flexibel und ein deutlich...

Im Focus: New Method of Characterizing Graphene

Scientists have developed a new method of characterizing graphene’s properties without applying disruptive electrical contacts, allowing them to investigate both the resistance and quantum capacitance of graphene and other two-dimensional materials. Researchers from the Swiss Nanoscience Institute and the University of Basel’s Department of Physics reported their findings in the journal Physical Review Applied.

Graphene consists of a single layer of carbon atoms. It is transparent, harder than diamond and stronger than steel, yet flexible, and a significantly better...

Im Focus: Detaillierter Blick auf molekularen Gifttransporter

Transportproteine in unseren Körperzellen schützen uns vor gewissen Vergiftungen. Forschende der ETH Zürich und der Universität Basel haben nun die hochaufgelöste dreidimensionale Struktur eines bedeutenden menschlichen Transportproteins aufgeklärt. Langfristig könnte dies helfen, neue Medikamente zu entwickeln.

Fast alle Lebewesen haben im Lauf der Evolution Mechanismen entwickelt, um Giftstoffe, die ins Innere ihrer Zellen gelangt sind, wieder loszuwerden: In der...

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wissenschaftsforum Chemie 2017

30.05.2017 | Veranstaltungen

Erfolgsfaktor Digitalisierung

30.05.2017 | Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Methode zur Charakterisierung von Graphen

30.05.2017 | Physik Astronomie

Riesenfresszellen steuern die Entwicklung von Nerven und Blutgefäßen im Gehirn

30.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Nano-U-Boot mit Selbstzerstörungs-Mechanismus

30.05.2017 | Biowissenschaften Chemie