Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EHEC: Dauerausscheidern des Ausbruchsstamms O104:H4 kann geholfen werden

15.03.2012
Antibiotikum Azithromycin führt zu einer Verkürzung der Ausscheidungsdauer – Lübecker Ergebnisse im renommierten Journal of the American Medical Association veröffentlicht

Während des EHEC-Ausbruchs in Norddeutschland im Mai vergangenen Jahres stellten Lübecker Wissenschaftler fest, dass die Behandlung mit dem Antibiotikum Azithromycin bei Patienten mit der schweren Verlaufsform der EHEC-Erkrankung (HUS) zu einer Verkürzung der Ausscheidungsdauer des Ausbruchsstamms führte. Sie veröffentlichen ihre Ergebnisse jetzt in der aktuellen Ausgabe des renommierten Journal of the American Medical Association.

„Association Between Azithromycin Therapy and Duration of Bacterial Shedding Among Patients With Shiga Toxin-Producing Enteroaggregative Escherichia coli O104:H4“, Martin Nitschke, Friedhelm Sayk, Christoph Härtel, Rahel Tabea Roseland, Susanne Hauswaldt, Jürgen Steinhoff, Klaus Fellermann, Inge Derad, Peter Wellhöner, Jürgen Büning, Bettina Tiemer, Alexander Katalinic, Jan Rupp, Hendrik Lehnert, Werner Solbach, Johannes K.-M. Knobloch. JAMA, March 14, 2012 – Vol. 307, No. 10, 1046-1052.

Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe um die Lübecker Ärzte Martin Nitschke (Nephrologie), Friedhelm Sayk (Gastroenterologie) und Johannes Knobloch (Mikrobiologie) beobachte-te, dass nur 4,5 Prozent der Patienten mit einer Azithromycin-Therapie den Ausbruchsstamm EHEC O104:H4 über mehr als vier Wochen im Stuhl ausschieden, während mehr als 80 Prozent der Patienten ohne eine Antibiotikatherapie den Erreger nach vier Wochen weiterhin ausschieden. Nach sechs Wochen waren noch immer 57,7 Prozent der Patienten ohne Antibiotikatherapie Ausscheider des Erregers, während es in der mit Azithromycin behandelten Gruppe bereits nach fünf Wochen keinen einzigen Träger des Erregers mehr gab.

Da viele Patienten auf Grund der Ausscheidung eines darmpathogenen Erregers in ihrem privaten und beruflichen Umfeld eingeschränkt waren, hat sich die Arbeitsgruppe entschlossen, diesen Patienten eine Therapie anzubieten, um den Erreger aus dem Darm der Patienten vollständig zu eliminieren. In einer ersten Studie konnte der EHEC O104:H4 bei 15 Patienten innerhalb weniger Tage dauerhaft entfernt werden, ohne dass schwere Komplikationen bei den behandelten Patienten auftraten. Nach der Therapie konnten alle Patienten in einen normalen Alltag zurückkehren. So konnten beispielhaft einige Lübecker Patienten ihre Berufstätigkeit uneingeschränkt wieder aufnehmen oder lange geplante Fernreisen antreten.

Die Entwicklung einer neuen Therapie während der großen Belastungen des Ausbruchs ist eine erhebliche Leistung und verdeutlicht die Bedeutung der engen Kooperation zwischen Universität und Universitätsklinikum sowie der interdisziplinären ärztlichen Arbeit. Mit der neuen Therapie zur vollständigen Eliminierung (Eradikation) von EHEC-Erregern aus dem Darm von Dauerausscheidern wurden mittlerweile Patienten aus dem gesamten Bundesgebiet behandelt.

Der EHEC-Ausbruch des letzten Jahres war der bisher größte seiner Art und wurde ausschließlich durch den seltenen Stamm O104:H4 verursacht. Der Ausbruch betraf vor allem erwachsene Patienten, während bei anderen EHEC-Ausbrüchen häufiger Kinder betroffen waren.

Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein werden 117 HUS-Patienten ambulant nach-betreut (Campus Lübeck: 63 HUS-Patienten). Die eigentliche Therapie ist abgeschlossen. Seitdem erfolgt für alle HUS-Patienten eine ambulante Nachsorge, um den Gesundheitszustand weiterhin zu kontrollieren. Einige, sehr wenige Patienten leiden noch an Symptomen wie dem Fatigue-Syndrom und geringen Eiweißausscheidungen über die Nieren bei normaler Nierenfunktion. Ansonsten gibt es keine dauerhaften gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Für viele Patienten war der Aufenthalt auf der Intensivstation allerdings eine traumatische Erfahrung, die sie noch belastet.

Das Journal of the American Medical Association (JAMA) ist die weltweit am weitesten verbreitete medizinische Fachzeitschrift und steht mit einem Impact-Faktor von 30,011 (2010) unter den in der Kategorie „Allgemeine und Innere Medizin“ 153 erfassten führen-den Zeitschriften an dritter Stelle.

Rüdiger Labahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-luebeck.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Konventionelle Antibiotika-Therapie ergänzen
24.05.2018 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

nachricht Bauchfett produziert Stoff, der Insulinresistenz und Entzündungen begünstigt
24.05.2018 | Deutsches Zentrum für Diabetesforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Im Focus: Achema 2018: Neues Kamerasystem überwacht Destillation und hilft beim Energiesparen

Um chemische Gemische in ihre Einzelbestandteile aufzutrennen, ist in der Industrie die energieaufwendige Destillation gängig, etwa bei der Raffinerie von Rohöl. Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) entwickeln ein Kamerasystem, das diesen Prozess überwacht. Dabei misst es, ob es zu einer starken Tropfenbildung kommt, was sich negativ auf die Trennung der Komponenten auswirken kann. Die Technik könnte hier künftig automatisch gegensteuern, wenn sich Messwerte ändern. So ließe sich auch Energie einsparen. Auf der Prozesstechnik-Messe Achema in Frankfurt stellen sie die Technik vom 11. bis 15. Juni am Forschungsstand des Landes Rheinland-Pfalz (Halle 9.2, Stand A86a) vor.

Bei der Destillation werden Flüssigkeiten durch Verdampfen und darauffolgende Kondensation des Dampfes in ihre Bestandteile getrennt. Ein bekanntes Beispiel...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Ansatz im Kampf gegen Prostatakrebs entdeckt

24.05.2018 | Medizin Gesundheit

Konventionelle Antibiotika-Therapie ergänzen

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Vom Stroh zum Energieträger: Eintopf-Rezept für Wasserstoffgewinnung

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics