Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ebola: Frühe Immunantwort gibt Aufschluss über Impfschutz

30.08.2017

Die jüngsten Ausbrüche neuer, bedrohlicher Krankheitserreger wie Ebola oder Zika verdeutlichen, wie wichtig eine schnelle Entwicklung wirksamer Impfstoffe ist. Die Wirksamkeit neuer Vakzine vorhersagen zu können, bleibt aber eine Herausforderung in der Impfstoff-Entwicklung. DZIF-Wissenschaftlern am Heinrich-Pette-Institut und am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) ist es nun in einer Studie gelungen, schon frühzeitig die längerfristige Immunantwort im Menschen nach einer Impfung mit dem neu entwickelten Ebola-Impfstoff „rVSV-ZEBOV“ abzuschätzen. Die Studienergebnisse liefern Ansätze dafür, nach neuen Strategien zu suchen, um die Wirksamkeit von Impfstoffen zu verbessern.

rVSV-ZEBOV ist einer der vielversprechendsten Impfstoff-Kandidaten gegen das gefürchtete Ebola-Virus. In der klinischen Phase-I-Prüfung hat er sich 2016 als sicherer und wirksamer Impfstoff erwiesen und soll voraussichtlich noch dieses Jahr von der amerikanischen Behörde FDA zugelassen werden.


Ebola-Viren im Elektronen-Mikroskop

Quelle: NIAID

rVSV-ZEBOV basiert auf dem Vesikulären Stomatitis-Virus (VSV): abgeschwächt und gentechnisch verändert, trägt er ein Glykoprotein des Ebola-Virus. Bisher gab es erst wenige wissenschaftliche Daten zu Immunantworten auf das VSV. Daten zu frühen, vom angeborenen Immunsystem vermittelten Reaktionen bei Menschen, die mit VSV geimpft wurden, lagen bisher noch gar nicht vor.

Die aktuelle Studie verfolgt einen system-vakzinologischen Ansatz. Dabei werden mit Hilfe von Hochdurchsatzverfahren, bei denen Tests an einer riesigen Menge an Proben gleichzeitig durchgeführt werden, und statistischen Modellen systematisch Immunantworten analysiert, die durch die Impfung hervorgerufen werden:

„Nach der Impfung mit rVSV-ZEBOV haben wir eine Signatur aus fünf frühen, angeborenen Immunmarkern identifiziert, die mit dem Antikörper-Titer vier Wochen nach der Impfung korreliert “, so Dr. Anne Rechtien, DZIF-Wissenschaftlerin am Heinrich-Pette-Institut, Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie, Ärztin am UKE und Erstautorin der Studie.

Dazu wurden Blutproben von Tag 0,1,3, 7 und 14 nach Impfung auf verschiedene Biomarker untersucht. Unter diesen Immunmarkern befand sich auch das so genannte IP-10 (interferon-gamma induced protein 10): ein Zytokin, sprich Eiweiß, das von Zellen des Immunsystems produziert wird. Somit ist es erstmals gelungen, einen löslichen Immunmarker zu identifizieren, der schon früh nach der Impfung „aktiviert“ wird, sich schnell nachweisen lässt und der auch unabhängig von den anderen frühen Immunmarkern mit der Höhe der späteren Antikörperantwort in Beziehung steht.

Die aktuelle Studie trägt dazu bei, die immunologischen Eigenschaften VSV-basierender Impfstoffe, die zu einem Impfschutz beim Menschen führen, besser zu verstehen: Sie zeigt, dass VSV eine schnelle und starke Aktivierung des angeborenen Immunsystems auslöst. System-vakzinologische Ansätze wie in dieser Studie können dabei helfen, frühe Immunmarker zu identifizieren, die eine Vorhersage der langfristigen Wirksamkeit von Impfstoffen ermöglichen. Somit könnten die Studienergebnisse wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung von Notfall-Impfstoffen wie etwa gegen das Zika-Virus liefern: Beispielsweise wäre ein Ansatz, die Wirksamkeit der Vakzine durch Manipulation von IP-10 zu erhöhen.

Hintergrund

Die Entwicklung des Impfstoffkandidaten „rVSV-ZEBOV“ wurde von der WHO im Rahmen von VEBCON begleitet. Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung hat die Vorbereitung der Studien am UKE in Hamburg und in Gabun unterstützt und eine Anschubfinanzierung zur Verfügung gestellt, das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) sowie der britische Wellcome Trust haben die Fördermittel für die Vorbereitung und Durchführung der klinischen Prüfung zur Verfügung gestellt. Der Impfstoffkandidat wurde von der kanadischen Gesundheitsbehörde an die WHO gespendet und von dieser für die Studien zur Verfügung gestellt.

Kontakt

Prof. Marylyn Addo
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Deutsches Zentrum für Infektionsforschung
m.addo@uke.de

Dr. Anne Rechtien
Heinrich-Pette-Institut, Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Deutsches Zentrum für Infektionsforschung
anne.rechtien@leibniz-hpi.de

Publikation

Rechtien A et al
Systems vaccinology identifies early innate immune signature as correlate of antibody response to the Ebola vaccine rVSV-ZEBOV.
Cell Reports 29. August 2017; DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.celrep.2017.08.023

Karola Neubert/Janna Schmidt | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.dzif.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bakterieller Untermieter macht Blattnahrung für Käfer verdaulich
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

nachricht Neues Werkzeug für gezielten Proteinabbau
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte