Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Durchbruch in der Krebsforschung

21.10.2013
Für die Metastasierung verantwortliches Protein an der Universität Rostock entschlüsselt

Krebsforscher der Rostocker Universitätsmedizin beschreiben einen neuen Signalweg, der die Streuung von Tumorzellen auslöst. Diese Erkenntnisse stellen einen Durchbruch in der Krebsforschung dar, weil sie über ein spezielles Schlüsselprotein einen neuen Zugang zu der gefährlichen Metastasierung von Tumoren und deren Bekämpfung ermöglichen.

Der Fachartikel
"DNp73 Exerts Function in Metastasis Initiation by Disconnecting the Inhibitory Role of EPLIN on IGF1R-AKT/STAT3 Signaling" -
http://download.cell.com/cancer-cell/pdf/PIIS1535610813003693.pdf
der Wissenschaftler wurde in der Oktober-Ausgabe der weltweit renommierten us-amerikanischen Fachzeitschrift Cancer Cell veröffentlicht.

Krebspatienten sterben zumeist nicht am Ausgangstumor, sondern an aggressiven Metastasen. Am Beginn der Metastasierung stehen Tumorzellen, die sich vom Primärtumor ablösen. Bisher war nur ein Teil der Signalwege bekannt, durch die einzelne Krebszellen ihre Haftung an die Nachbarzellen im Primärtumor lockern können. Wissenschaftler suchten lange nach einem Faktor, der die Trennung einzelner Zellen von primären Tumoren und schließlich deren Streuung anstößt. Jetzt hat eine Gruppe von Forschern um Professor Brigitte Pützer, Direktorin des Instituts für Experimentelle Gentherapie und Tumorforschung an der Universität Rostock, mit DNp73 ein Schlüsselprotein in Tumorzellen ausgemacht, das ihnen die Ausbreitung in den Körper ermöglicht.

Normalerweise entscheiden Tumorsuppressoren aus der so genannten p53-Familie darüber, ob Fehler in der Erbsubstanz von Zellen repariert werden können. Ist eine Zelle zu stark geschädigt, veranlasst p53 deren programmierten Zelltod. Auch das mit p53 verwandte Protein p73 wacht darüber, dass der Organismus von krebsartiger Entartung verschont bleibt.

Bei vielen Krebsformen ist p53 selbst außer Kraft gesetzt. Nicht so beim Malignen Melanom: „Aus unserer Arbeit über den Schwarzen Hautkrebs wussten wir, dass dessen Zellen zwar intaktes p53, aber große Mengen an unvollständigem p73 enthalten“ sagt Frau Professor Pützer. „Je aggressiver die Melanomzellen, desto mehr der DNp73 genannten Proteinform ist vorhanden“, so ihre Erkenntnis. Nun haben die Forscher gezeigt, auf welche Weise diese verkürzte p73-Variante die Ablösung von Krebszellen aus der Primärgeschwulst, und die Invasion dieser aggressiveren Zellen in umliegendes Gewebe und deren Absiedlung in entfernte Organe bewerkstelligt.

Die Beweisführung für die zentrale Rolle von DNp73 zu Beginn der Metastasierung gelang Pützers Mitarbeitern durch die gezielte Manipulation an bekanntermaßen gering aggressiven und hochgradig invasiven Melanomzelllinien. Wurde DNp73 beispielsweise mithilfe viraler Vektoren in die wenig aggressiven Melanomzellen eingebracht, benahmen sie sich umgehend wie die aggressiven Zellen. Entscheidend war das umgekehrte Experiment. „Als wir in hochinvasiven Hautkrebszellen gezielt die Bildung von DNp73 unterdrückten, wurde die Sache rund“, so Pützer, „denn ohne DNp73 verloren sie ihren bösartigen Charakter“.

Schließlich wollten die Forscher wissen, ob „wir DNp73 in klinischen Proben auch an den richtigen Stellen finden können“ und bekamen Unterstützung aus anderen deutschen Universitäten. Um eine Prognose für Patienten mit Hautkrebs abzugeben, messen Ärzte operativ entfernte Melanome auf die Eindringtiefe der Krebszellen in die Haut. Die Analyse am Tumormaterial bestätigte die experimentellen Ergebnisse der Krebsforscher. In den tiefsten Schichten der Hautkrebsproben fanden die Molekularbiologen die jeweils höchste Konzentration an DNp73. „Unsere Ergebnisse ermöglichen die frühzeitige Erkennung von Tumoren bereits im prä-invasiven Stadium und geben Hoffnung auf neue Wege in der Bekämpfung fortgeschrittener Krebserkrankungen“, resümiert Pützer den erreichten Forschungsstand an der Universitätsmedizin Rostock.

Kontakt
Universitätsmedizin Rostock
Institut für Experimentelle Gentherapie und Tumorforschung (IEGT)
Prof. Dr. Dr. Brigitte Pützer (Direktorin)
Fon: +49 (0)381 494-5066
Mail: brigitte.puetzer@med.uni-rostock.de

Ingrid Rieck | Universität Rostock
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de
http://www.iegt-rostock.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Verteidigung um fast jeden Preis
14.12.2017 | Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie, Plön

nachricht Mitochondrien von Krebszellen im Visier
14.12.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was für IT-Manager jetzt wichtig ist

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

30 Baufritz-Läufer beim 25. Erkheimer Nikolaus-Straßenlauf

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungsnachrichten