Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Drüsenzellen entstehen und verschwinden

26.01.2009
Eine Gruppe von jungen BiologInnen erforscht an der Universität Wien die Entstehung, die Wirkweise und den anschließenden Zerfall von Drüsenzellen beim Schlüpfvorgang von Tintenfischen.

Ziel ist es, die Struktur dieser Drüsen und insbesondere die Zusammensetzung ihres Sekrets genau zu analysieren. Die Erkenntnisse sollen helfen, komplexere Drüsensysteme bei Wirbeltieren oder beim Menschen in Zukunft besser verstehen zu können.

Embryos, die in einem schützenden Ei heranwachsen, müssen zu gegebener Zeit diese Barriere überwinden. Vögel zum Beispiel nutzen ihren Schnabel, um die harte Eischale zu knacken. Andere Tiere wie Fische, Amphibien und Tintenfische entwickeln sich in weichen Eiern mit mehrschichtigen Hüllen, vergleichbar mit den Schalen einer Zwiebel. Um dieses "Gefängnis" verlassen zu können, verwenden die Tiere chemische Substanzen, die in speziellen Drüsenzellen produziert werden.

Diese Sekrete sind stark sauer und ätzen ein Loch in die Eihüllen. Anschließend vergrößern die Embryos das Loch mit dem Körper und schlüpfen aus. Nach dem Schlüpfen werden die Drüsenzellen zurückgebildet und verschwinden vollständig.

Eine Arbeitsgruppe um den Biologen Janek von Byern nimmt im Rahmen eines FWF-Forschungsprojekts diese Drüsenzellen im wörtlichen Sinn genauer unter die Lupe. Am Beispiel von Tintenfischen der Gattungen Loligo, Sepia und Octopus möchte die Forschungsgruppe erstmals die Evolution, das Wirken und die vollständige Rückbildung dieser Systeme nachvollziehen. Dazu begibt sich Janek von Byern regelmäßig auf die Suche nach den rund drei Zentimeter großen Tintenfischen in exotische Länder wie Thailand und Hawaii. Die Tiere werden anschließend zu Laboruntersuchungen nach Österreich gebracht.

Die Sekret-Drüse ist für die Forscher deswegen besonders interessant, weil sie eine kurzlebige Erscheinung ist. Sie wird extra nur für den Schlüpfvorgang gebildet, hilft dem Embryo aus dem Ei zu kommen und wird kurz danach vollständig rückgebildet. Neben der Zusammensetzung des Verdauungssekrets interessiert die BiologInnen vor allem die Entwicklung dieser Drüsen. "Uns beschäftigt vor allem, wie die Drüsen entstehen und welche Prozesse und Gene am Wachstum und der Rückbildung beteiligt sind", erklärt Janek von Byern.

Anhand des einfachen Tiermodells wie jenem der Tintenfische und durch Vergleiche mit Wirbeltieren hoffen die BiologInnen, Einblick in die Evolution von Drüsenstrukturen zu bekommen. "Damit können wir im weiteren Verlauf unserer Forschung komplexere Systeme bei Wirbeltieren oder beim Menschen besser verstehen und einen wichtigen Beitrag für die Krebsforschung liefern", so Janek von Byern abschließend.

Kontakt:
Dr. Janek von Byern
Universität Wien
Fakultät für Lebenswissenschaften
Einrichtung Cell Imaging und Ultrastrukturforschung
1090 Vienna, Althanstrasse 14
T +43-1-4277-544 28
Janek.von.Byern@univie.ac.at
Rückfragehinweis:
Mag. Alexandra Frey
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 31
alexandra.frey@univie.ac.at

Alexandra Frey | idw
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at/175

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Eine Karte der Zellkraftwerke
18.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung
18.08.2017 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie