Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Drei neue Gene für Augenfarbe entdeckt

10.05.2010
Verbesserung der forensischen Vorhersage aus DNA-Proben

Die Bestimmung der Augenfarbe aus DNA-Material ist um einen Schritt weiter gekommen. Das berichten Genetiker der Erasmus Universität Rotterdam in den Niederlanden in der Fachzeitschrift PLoS Genetics. "Wir konnten drei neue Regionen im Genom ermitteln, die für die Ausbildung der Augenfarbe zuständig sind", berichtet Studienleiter Manfred Kayser im pressetext-Interview.

Dass es verschiedene Augenfarben gibt, erklärt die Wissenschaft bisher durch die sexuelle Selektion. "Gemäß der heutigen Hypothese waren wir früher alle Afrikaner mit dunkler Augenfarbe. Durch genetische Veränderung haben sich diese zufällig aufgehellt, wahrscheinlich allein in Europa, und eine positive Auswahl bei der Partnerwahl bewirkte eine größere Häufigkeit von Menschen mit nicht-braunen Augenfarben allein in Europa und benachbarten Regionen, wie man heute beobachten kann. Vorteile für das Überleben in der Umwelt durch Augenfarbenvariabilität kennt man bisher nicht", erklärt Kayser. In der aktuellen Studie suchte man, welche Gene für die Augenfarbe den Ausschlag geben.

Zehn Gene nun bekannt

Kayser und sein Team nutzten dazu hochauflösende digitale Augenphotos und genom-weite DNA-Daten von 6.000 Menschen in Holland. "Im Unterschied zu früheren Studien kategorisierten wir die Augenfarben nicht, sondern untersuchten das gesamte Augenfarbenspektrum vom hellsten Grau bis zum dunkelsten Braun. Dabei zeigten sich neben den sieben schon bekannten Genen drei weitere genomische Regionen, die bisher in Bezug auf Augenfarbe unbekannt waren."

Die nunmehr zehn bekannten Gene können laut Kayser über 50 Prozent der Augenfarb-Variation erklären, der höchste Wert bei genetisch komplexer Merkmalen bisher. Die noch unbekannten Gene hätten weitere, jedoch erwartungsgemäß geringere Effekte. "Die Farberfassung war vielleicht noch immer nicht ausführlich genug. Zudem haben wir außer Acht gelassen, dass manche Erwachsene als Babys ihre Augenfarbe gewechselt haben. Jedoch können wir bereits heute schon einige Augenfarben mit über 90-prozentiger Sicherheit durch DNA-Analyse vorhersagen", so der Forscher.

Gesichts-Vorhersage aus der DNA

Zählen die Ergebnisse auch zur Grundlagenforschung, liegen bestimmte Anwendungsgebiete nahe. "Von Bedeutung ist es überall, wo man mittels DNA-Analyse Vorhersagen zum Aussehen eines Menschen treffen möchte, wie etwa bei der Suche nach unbekannten Personen in der Forensik", so Kayser. Die genetische Bestimmung der Augenfarbe sei ein erster Annäherungspunkt das Aussehen eines Menschen genetisch vorherzusagen und ist mittels DNA-Analyse verlässlicher als durch Augenzeugenberichte.

Bisher erlauben DNA-Spuren nur gruppenspezifische Auskünfte über einen Unbekannten. "Zu den bisher gut mittels DNA-Analyse bestimmbaren äußerlich-sichtbaren Merkmalen gehören das Geschlecht sowie die Farbe der Augen, vielleicht bald auch die der Haare und der Haut. Denkt man weiter, ist es theoretisch möglich, dass eines Tages gar das vollständige Gesicht mittels DNA-Information rekonstruiert werden kann", spekuliert der Genetiker. Allerdings scheint der Weg der Wissenschaft bis dorthin noch ein weiter zu sein.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.erasmusmc.nl/fmb

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten
08.12.2016 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Herz-Bindegewebe unter Strom
08.12.2016 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops