Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Drei Farben: Flüssigkristalle

03.08.2011
Thermische und mechanische Reize schalten Lumineszenz einer flüssigkristallinen Mischung zwischen drei verschiedenen Farben

Leuchtende Materialien, die ihre Leuchteigenschaften als Antwort auf äußere Reize ändern, könnten interessante Ansätze für neuartige Speichermedien, Sensoren, Sicherheitseinrichtungen und Anzeigetafeln sein.

Typischerweise können solche Stoffe entweder zwischen „an“ und „aus“ oder zwischen zwei verschiedenen Farben geschaltet werden. Bereits das Schalten zwischen drei stabilen Farben ließ sich bei Materialien, die nur einen einzigen Leuchtstoff enthalten, bisher nicht erreichen. Takashi Kato und Yoshimitsu Sagara von der Universität Tokio stellen in der Zeitschrift Angewandte Chemie nun einen flüssigkristallinen Stoff vor, der durch thermische und mechanische Reize zwischen drei verschiedenen Farben hin- und hergeschaltet werden kann.

Das neue Material besteht aus zwei organischen Verbindungen – einem kleinen und einem großen, hantelförmigen Molekültyp, beide bestehend aus einer verzweigten Anordnung aromatischer Sechsringe. Das große Molekül enthält einen Anthracenbaustein als leuchtende Atomgruppierung (Luminophor). Die Molekülmischung aggregiert zu Flüssigkristallen. Moleküle im flüssigkristallinen Zustand liegen teilweise geordnet vor wie in einem Kristall, sind dabei aber beweglich wie in einer Flüssigkeit. Flüssigkristalle kennt man vor allem als Bestandteil von Displays.

Die japanischen Forscher präparierten dünne Filme aus ihren speziellen Flüssigkristallen. Unter UV-Licht leuchten diese Filme rot-orange. Mechanisches Scheren, etwa durch Reiben, bei 90 °C ändert die Anordnung der Flüssigkristalle – die geriebenen Stellen erscheinen nun grün. Diese neue grüne Phase ist von Raumtemperatur bis 146 °C stabil. Der erstaunliche Film kann aber noch mehr: Beide, die rot-orange und die grüne Phase, lassen sich durch Reiben bei Raumtemperatur umwandeln in eine gelb leuchtende Variante. Erwärmen auf 145 °C und anschließendes Abkühlen auf Raumtemperatur macht aus grün und gelb wieder rot-orange.

Der leuchtende Flüssigkristall könnte beispielsweise in Kunststoffe eingearbeitet und als Beschichtungsstoff oder zur Herstellung technischer Bauteile verwendet werden. Durch die Farbänderungen könnte auf einfache Weise angezeigt werden, ob das Material thermischen oder mechanischen Belastungen ausgesetzt war. Diese Historie zu kennen, wäre hilfreich für Wartungsarbeiten. Auch Künstler könnten interessiert sein, da sich mithilfe des Flüssigkristalls stabile Bilder in sehr schön leuchtenden Farben erzeugen lassen und problemlos „geschrieben“ und wieder „ausradiert“ werden kann.

Angewandte Chemie: Presseinfo 31/2011

Autor: Takashi Kato, University of Tokyo (Japan), http://kato.t.u-tokyo.ac.jp/index-e.html

Angewandte Chemie, Permalink to the article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201100914

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69451 Weinheim, Germany

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de/

Weitere Berichte zu: Angewandte Chemie Flüssigkristall Molekül Raumtemperatur Reiben Reiz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen
23.05.2017 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

nachricht Mikro-Lieferservice für Dünger
23.05.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie