Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Drehtür am Zellkern: Wie Shuttle-Proteine die Kernpore steuern

04.09.2017

Kernporen sind winzige Kanäle, durch die Stoffe zwischen Zellkern und Zytoplasma transportiert werden. Das gängige Modell zur Regulierung dieses nuklearen Transports könnte nun durch eine neue Studie von Forschern der Universität Basel widerlegt worden sein. Die im «Journal of Cell Biology» veröffentlichte Studie zeigt, dass Shuttle-Proteine, sogenannte Importine, die Funktion der nuklearen Poren steuern. Bislang ging man vom Gegenteil aus und nahm an, dass die nuklearen Poren den Importin-Shuttle steuern würden.

Im Kern jeder Zelle befindet sich die Erbinformation. Geschützt werden diese von einer Membran, die den Kern umschliesst und die etliche Kernporen enthält. Diese Poren ermöglichen Proteinen, sogenannten Importinen, Moleküle hinein und hinaus zu transportieren.


Shuttle-Proteine an der Kernpore funktionieren wie eine Drehtür.

Immanuel Wagner/imma.tv

Das Forschungsteam von Prof. Dr. Roderick Lim, Argovia-Professor am Biozentrum und dem Swiss Nanoscience Institut der Universität Basel, konnte nun entgegen früherer Annahmen zeigen, dass der Kernporenkomplex nicht wie ein einfacher Filter den Transportprozess reguliert. Vielmehr kooperieren verschiedene Importine miteinander, um die Pore wie eine Drehtür kontinuierlich zu öffnen und zu schliessen.

Importine regulieren die nuklearen Poren

Lange Zeit gingen Forscher davon aus, dass ein molekularer Filter innerhalb des Kernporenkomplexes den Durchgang von Molekülen in den Zellkern verhindert oder ermöglicht. Lims aktuelle Studie zeigt nun, dass dieser Filter als Barriere allein nicht ausreicht, sondern lediglich die grundlegende Infrastruktur bietet. Stattdessen fungieren die mit einer Fracht beladene Importine wie Helfer, die die Barriere am Kernporenkomplex steuern.

Darüber hinaus zeigt das Team von Lim, wie der Shuttle-Service der Importine mit deren Funktion als Barriere gekoppelt ist. Es gibt zwei Formen dieser Shuttle-Proteine, die miteinander interagieren: Importin alpha und beta. Während Importin beta der Ladung den Zugang in die Pore ermöglicht, bestimmt Importin alpha, welche Ladung in den Kern eindringen darf.

Das Team fand nun heraus, dass Importin alpha wie ein molekularer Schalter funktioniert, der hilft, Importin beta freizusetzen oder zu binden, um die Pore zu öffnen oder zu schliessen. Denn sobald Importin alpha fehlt, verliert Importin beta seine Fähigkeit innerhalb des Kernporenkanals hin und her zu pendeln.

Die Bedeutung von Importinen bei Krankheiten

Die Erkenntnisse der Studie haben auch Auswirkungen auf das Verständnis von Krankheiten, die mit einem fehlerhaften Proteintransport an den Kernporen zusammenhängen, wie beispielsweise Krebserkrankungen.

«Wir dachten immer, dass der nukleare Porenkomplex eine eigenständige Maschine sei, die den Transport von Molekülen kontrolliert», sagt Lim.

«Jetzt verstehen wir viel besser, wie das Zusammenspiel von Importin alpha und beta den nuklearen Porenkomplex reguliert und so den kontinuierlichen Transport sicherstellt. Ist die Funktion von Importin alpha gestört, kommt die Drehtür zum Stillstand und wichtige Proteine gelangen nicht mehr an ihr Ziel im Zellkern. Ähnlich verhält es sich, wenn Importin beta nicht einwandfrei funktioniert: Ist die Pore defekt, können unerwünschte Substanzen in den Zellkern gelangen und ihn vergiften.»

Originalbeitrag

Larisa E. Kapinos, Binlu Huang, Chantal Rencurel and Roderick Y.H. Lim
Karyopherins regulate nuclear pore complex barrier and transport function
Journal of Cell Biology (2017), doi: 10.1083/jcb.201702092

Weitere Auskünfte

Prof. Dr. Roderick Lim, Universität Basel, Biozentrum und Swiss Nanoscience Institute, Tel. +41 61 207 20 83, E-Mail: roderick.lim@unibas.ch

Heike Sacher, Biozentrum, Kommunikation, Tel. +41 61 207 14 49, E-Mail: heike.sacher@unibas.ch

Weitere Informationen:

https://www.unibas.ch/de/Aktuell/News/Uni-Research/Drehtuer-am-Zellkern-Wie-Shut...

Heike Sacher | Universität Basel

Weitere Berichte zu: Drehtür Kernpore Kernporen Kernporenkomplex Moleküle Nanoscience Poren Porenkomplex Zellkern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Eine Frage der Dynamik
19.02.2018 | Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)

nachricht Forscherteam deckt die entscheidende Rolle des Enzyms PP5 bei Herzinsuffizienz auf
19.02.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zukunft wird gedruckt

19.02.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer HHI präsentiert neueste VR- und 5G-Technologien auf dem Mobile World Congress

19.02.2018 | Messenachrichten

Stabile Gashydrate lösen Hangrutschung aus

19.02.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics