Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Doppelschlag gegen Krebs

02.03.2011
Kombinierte Diagnose und Therapie von Tumoren: Photothermisch wirksames Ultraschall-Kontrastmittel

Diagnostik und Therapie sind die Grundsteine unserer Medizin. Traditionell sind das zwei voneinander getrennte Schritte. Das muss aber nicht zwangsläufig so sein.

„Theranostik“ bezeichnet die Kombination eines diagnostischen Tests mit einer spezifischen, auf den Testresultaten basierenden Therapie. Diese integrierte Vorgehensweise soll insbesondere helfen, Krebsleiden gezielter zu behandeln.

Ein Forscherteam um Zhifei Dai vom Harbin Institute of Technology (China) stellt in der Zeitschrift Angewandte Chemie nun ein neues Theranostikum vor, das gleichzeitig als Ultraschall-Kontrastmittel und als Mittel für die photothermische Therapie von Tumoren dienen soll.

Die Ultraschalltechnik (Sonographie) ist ein sicheres und kostengünstiges diagnostisches Verfahren, das Bilder in Echtzeit liefert. Eine Sonde sendet dabei kurze, gerichtete Schallwellenimpulse aus, die in den Gewebeschichten unterschiedlich stark reflektiert und gestreut werden. Geeignete Kontrastmittel, etwa winzige Gasbläschen, können die Empfindlichkeit und die Auflösung der Aufnahmen wesentlich erhöhen.

Die chinesischen Forscher wollten ein neues Kontrastmittel entwickeln, das gleichzeitig ein Wirkstoff für die photothermische Therapie ist. Bei dieser Methode wird ein Mittel, beispielsweise Nanostrukturen aus Gold, gezielt in den Tumor eingeschleust und diese Region dann bestrahlt. Die Goldteilchen werden dadurch sehr heiß und überhitzen das kranke Gewebe, sodass es abstirbt. Gold-Nanostrukturen lassen sich gezielt so einstellen, dass sie nahes Infrarot-Licht absorbieren, eine Wellenlänge, die sehr tief ins Gewebe eindringen kann, ohne es zu schädigen.

Für ihr neues Theranostikum stellten die Wissenschaftler Nanokapseln aus einem biokompatiblen Polymer her, die winzige Wassertröpfchen enthielten. Die Kapseln beschichteten sie mit Gold und entfernten das Wasser durch Gefriertrocknen. Die so entstehenden winzigen luftgefüllten Hohlräume innerhalb der Mikrokapseln sind das eigentliche Kontrastmittel für den Ultraschall. Die Goldschale dagegen dient als photothermisch aufheizbares Therapeutikum.

Im Tierversuch erwies sich das neue multifunktionelle Mittel als nichttoxisch und zeigte eine sehr gute Kontrastverstärkung bei der Ultraschalluntersuchung. Wurden Kulturen von Tumorzellen mit den Mikrokapseln behandelt, ließen sich die Zellen durch Bestrahlung zum Absterben bringen.

„Mithilfe unseres neuen therapeutischen Kontrastmittels könnte ein Tumor zunächst per Ultraschalluntersuchung lokalisiert und seine Größe bestimmt werden“, erläutert Dai. „Unter Echtzeit-Überwachung könnte er dann gezielt bestrahlt, der Therapieerfolg begutachtet und so gesundes Gewebe geschont werden.“

Angewandte Chemie: Presseinfo 06/2011

Autor: Zhifei Dai, Harbin Institute of Technology (China), http://nanobio.hit.edu.cn/CV_DaiZF_EN.html

Angewandte Chemie, Permalink to the article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201008286

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69451 Weinheim, Germany

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de
http://nanobio.hit.edu.cn/CV_DaiZF_EN.html
http://dx.doi.org/10.1002/ange.201008286

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Evolutionsvorteil der Strandschnecke
28.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Mobile Goldfinger
28.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit