Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DNA-Regionen neue Hinweise entlockt

22.04.2013
Mitglieder des Exzellenzclusters Entzündungsforschung haben zusammen mit internationalen Kooperationspartnern die weltweit größte genetische Studie zur Untersuchung von primär sklerosierender Cholangitis durchgeführt und neun neue Risikoregionen für diese chronische Entzündungskrankheit der Gallengänge identifiziert. Die Ergebnisse dieser Studie veröffentlichen sie jetzt in Nature Genetics.
Primär sklerosierende Cholangitis (PSC) ist eine schwere Erkrankung, bei der die Gallengänge und schließlich auch die Leber zerstört werden. An dieser chronisch entzündlichen Erkrankung leiden vor allem jüngere Menschen. Da es bislang keine Therapiemöglichkeiten für PSC gibt, ist der letzte Ausweg meist eine Lebertransplantation. Über die genauen Ursachen der Krankheit ist bislang nur sehr wenig bekannt.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Klinische Molekularbiologie (IKMB) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und des Exzellenzclusters Entzündungsforschung haben deswegen in Kooperation mit internationalen Arbeitsgruppen in der bisher weltweit größten Fallkontrollstudie nach genetischen Risikoregionen für PSC gesucht. Die Gruppe um Professor Andre Franke verglich die DNA Profile von 4.228 Patientinnen und Patienten mit denen von rund 27.000 gesunden Personen und untersuchte insbesondere solche Genregionen, von denen bereits bekannt ist, dass sie bei entzündlichen Erkrankungen eine Rolle spielen.

Mit Hilfe von sogenannten Immunochips analysierten sie 200.000 verschiedene Bereiche der DNA – und wurden fündig. Sie identifizierten neue Regionen mit statistisch eindeutigen Unterschieden zwischen Kranken und Gesunden, die darauf hindeuten, dass diese Genregionen einen Einfluss auf die Erkrankung haben. Bisher waren sieben Risikoregionen für PSC bekannt. „In dieser Studie haben wir neun weitere Genregionen identifiziert. Damit konnten wir die bekannten Risikoloci mehr als verdoppeln“, sagt Dr. Eva Ellinghaus vom IKMB der Kieler Universität, die große Teile der Studie durchgeführt hat.

Die Patientinnen und Patienten mit chronischen Gallengangsentzündungen sind zum Zeitpunkt der Diagnose im Durchschnitt 30 bis 40 Jahre alt. Ohne eine Lebertransplantation beträgt die mittlere Überlebensrate etwa 12 Jahre. Die Erkenntnisse dieser Studie für PSC würden helfen, diese Krankheit besser zu verstehen, sagt Franke. „Je mehr wir verstehen, welche Gene mit einer Erkrankung assoziiert sind, desto besser können künftig Therapien entwickelt werden.“

Originalpublikation:
Jimmy Z Liu, Johannes Roksund Hov, Trine Folseraas, Eva Ellinghaus, et al.: Dense genotyping of immune-related disease regions identifies nine new risk loci for primary sclerosing cholangitis. Nature Genetics

Kontakt:
Professor Andre Franke
Institut für Klinische Molekularbiologie
Telefon: 0431/597-4138
E-Mail: a.franke@mucosa.de

Hintergrundinformationen zum Exzellenzcluster:
Der Exzellenzcluster Entzündungsforschung verfolgt einen einzigartigen interdisziplinären Forschungsansatz, um die Ursachen chronischer Entzündungen zu entschlüsseln und Therapien zur Heilung zu entwickeln. Der Exzellenzcluster bündelt die Kompetenzen von rund 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Ärztinnen und Ärzten der Universitäten zu Kiel und zu Lübeck, des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, des Forschungszentrums Borstel sowie des Max-Planck-Instituts, Plön, und der Muthesius Kunsthochschule, Kiel. Das gemeinsame Ziel von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Forschung, Lehre und Klinik aus den Bereichen Genetik, Biochemie, Biologie und Ernährungswissenschaft ist es, Entzündungsprozesse frühzeitig zu erkennen und kontrollieren zu können, anstatt den Krankheitsverlauf nur zu verlangsamen.

Exzellenzcluster Entzündungsforschung
Presse und Kommunikation, Dr. Ann-Kathrin Wenke
Postanschrift: Christian-Albrechts-Platz 4, D-24118 Kiel
Telefon: (0431) 880-4839, Telefax: (0431) 880-4894
E-Mail: akwenke@uv.uni-kiel.de, Internet: www.inflammation-at-interfaces.de

Dr. Ann-Kathrin Wenke | idw
Weitere Informationen:
http://www.inflammation-at-interfaces.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der erste Blick auf ein einzelnes Protein
18.01.2017 | Max-Planck-Institut für Festkörperforschung, Stuttgart

nachricht Unterschiedliche Rekombinationsraten halten besonders egoistische Gene im Zaum
18.01.2017 | Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie, Plön

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik