Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DNA-Barcode gegen heimtückische Erkrankungen

29.04.2009
Biotech-Verfahren erlaubt genaue Bestimmung von Stechmücken

Um die gefürchtete Tropenkrankheit Elephantiasis wirksam zu bekämpfen, setzen Forscher jetzt auf innovative biotechnologische Anwendungen: Mit Hilfe des DNA-Barcoding können genau jene Stechmückenarten identifiziert werden, die diese Erkrankung übertragen.

Beteiligt am Projekt, das vom Noguchi Memorial Institute of Medical Research an der Universität von Ghana in Akkra durchgeführt wird, ist die US-Stiftung JRS-Biodiversity Foundation.

Unter der Elephantiasis - auch lymphatische Filariasis genannt - versteht man eine Infektion durch dünne Würmer, die das Lymphsystem des Menschen besiedeln und dadurch schwere Krankheitsbilder wie groteske Wucherungen hervorrufen. Die Wurmlarven werden durch Insekten von Mensch zu Mensch übertragen. "Bedroht sind mehr als eine Mrd. Menschen in rund 80 Ländern. Heute leiden bereits mehr als 120 Mio. Patienten an der Erkrankung, mehr als 40 Mio. von ihnen sind schwer behindert", so der Leitforscher Daniel Boakye von der University of Ghana im pressetext-Interview. Unterstützung erhalten die Forscher in Ghana von der JRS-Biodiversity Foundation. "Wir fördern Aktivitäten in Entwicklungsländern, die eine Computerkomponente beinhalten", so Jim Edwards, Präsident von JRS und CEO der Encyclopedia of Life, im pressetext-Interview.

"Die Möglichkeit, die Stechmücken präzise zu identifizieren, ist der erste Weg, um diese Erkrankung einzudämmen", zeigen sich die beiden Forscher überzeugt. "Aufgrund der großen Ähnlichkeit in der Morphologie, ist es extrem schwierig die Tiere voneinander zu unterscheiden. Da aber nicht alle Stechmücken Elephantiasis übertragen, ist die Unterscheidung sehr wichtig, denn nur so kann man mehr über die Lebensgewohnheiten der Überträgerinsekten erfahren." Beim Barcoding werden kurze DNA-Sequenzen aus einer bestimmten Genomregion zur Identifizierung herangezogen. "Der Nutzen daraus ist sehr groß", meint Edwards. Damit könne man nämlich die Überträger wesentlich effektiver bekämpfen.

"Biodiversitätsstudien werden damit zum Handwerkzeug für die Bekämpfung von Krankheiten", so Boakye. "Dabei ist das Projekt nicht nur auf Elephantiasis beschränkt, sondern kann auch im Kampf gegen andere von Stechmücken übertragenen Krankheiten angewendet werden." Der wissenschaftliche Durchbruch in der DNA-Barcode-Forschung basiert auf einem kanadischen Forschungspaper aus dem Jahr 2003. "Für die Bekämpfung der Elephantiasis ist dies ein Meilenstein", meint Boakye. Zudem trage die Forschung auch dazu bei, Populationsänderungen durch die Klimaerwärmung aufzuzeigen.

"Es gibt zwei Gründe für JRS, dieses Projekt zu unterstützen", so Edwards. Das eine sei die Suche nach dem geeigneten Mitteln gegen diese Erkrankungen über Datenbanken. Dazu gehöre auch die Evaluierung von Wirkungen und Nebenwirkungen verschiedener Insektizide in der Langzeitanwendung. "Der zweite Grund ist die im Juni in London stattfindende Konferenz zum Thema E-Biosphere, in der Datenbanken zum Thema Biodiversität miteinander verlinkt und vernetzt werden." Diese großen Datenbanken stellen große Werte für alle da und sollen auch allen einen freien Zugang auf wichtige Informationen ermöglichen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.jrsbdf.org
http://www.eol.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Designerviren stacheln Immunabwehr gegen Krebszellen an
26.05.2017 | Universität Basel

nachricht Wachstumsmechanismus der Pilze entschlüsselt
26.05.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften