Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die heilende Kraft der Rhododendren

04.04.2014

Unser neuer Themendienst informiert Sie zukünftig regelmäßig über neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, besondere Ereignisse, Köpfe der Jacobs University oder einfach Dinge, die wir bewegen.

Rhododendren zählen zu den beliebtesten Pflanzen in einheimischen Gärten. Bald blühen sie wieder. Forscher der Jacobs University in Bremen sind überzeugt – in der Pflanze stecken die Wirkstoffe für ein neues Antibiotikum.


Infografik: Vom Rhododendron zur Medizin

Copyright: Jacobs University

Hunde sind an der Leine zu führen, die Tierliebhaber nehmen das gerne in Kauf. Denn was sie im Rhododendronpark in Bremen gerade im Frühjahr zu sehen und zu riechen bekommen ist von seltener Schönheit. Nahezu 600 Wildarten und über 3.000 Züchtungen der Pflanze, deren Name "Rosenbaum" bedeutet, verwandeln die Landschaft in ein wogendes, prächtiges Farbenmeer.

Nicht nur für Spaziergänger ist der Rhododendronpark eine Attraktion. Auch Wissenschaftler der Jacobs University in Bremen zieht die weltweit zweitgrößte Ansammlung genetischer Vielfalt von Rhododendren an. Seit rund zweieinhalb Jahren erforscht ein Team um den Mikrobiologen Matthias Ullrich, ob in den Pflanzen Wirkstoffe für neue Arzneimittel, etwa für Antibiotika oder für die Krebsbehandlung, enthalten sind. Die Zwischenbilanz klingt mehr als ermutigend: "Wir sind mindestens einer neuartigen Substanz auf der Spur, die einmal als Antibiotikum eingesetzt werde könnte", sagt Professor Ullrich.

Schon römische Quellen berichten von der berauschenden Wirkung des Honigs der Pflanze, die ursprünglich aus dem Himalaja stammt. Extrakte aus ihren Blättern und Wurzeln wurden bereits in der traditionellen Medizin in Indien, der Türkei oder Indonesien zur Behandlung von Infektionen, zur Senkung von Fieber oder zur Linderung von Unwohlsein eingesetzt. Eine intensive, wissenschaftliche Analyse ihrer Inhaltsstoffe und deren Wirkung gab es jedoch bisher nicht.

Professor Ullrich ist Teil eines fächerübergreifenden Teams, das gleichzeitig an Proben der Rhododendren arbeitet. Der Genetiker Dirk Albach analysiert die Erbsubstanz und ermittelt, um welche Art es sich genau handelt. Der Naturstoffchemiker Nikolai Kuhnert identifiziert die in den Pflanzen enthaltenen Substanzen. Die Zellbiologin Klaudia Brix untersucht ihre toxischen Eigenschaften und Ullrich selbst testet, wie die Inhaltsstoffe auf Bakterien reagieren.

"Dass vier Wissenschaftler verschiedener Disziplinen an einem Thema arbeiten, hat Pilotcharakter", betont Ullrich – und führt dies auf die Gegebenheiten der Jacobs University zurück. "Die Verzahnung macht die Universität aus. Wir sind klein, wir unterstützen uns, wir arbeiten am Zentrum für Molekulare Lebenswissenschaften unter einem Dach."

Für seine Untersuchungen benötigt das Quartett lediglich wenige Blätter der Pflanze. Diese werden mit einem Mörser und mit flüssigem Stickstoff zerstampft. Ein grünliches Pulver entsteht, das mithilfe von Methanol konzentriert und weiter untersucht wird. Rund 600 verschiedene Substanzen haben die Forscher so extrahiert, von denen 120 genauer analysiert wurden.

"Mehrere haben eine klare antibakterielle Wirkung", sagt Ullrich. Die Substanzen werden dabei auch auf ihre Unschädlichkeit für menschliche Zellen getestet. Die Hoffnung, es möge ein Wirkstoff dabei sein, der die Zellteilung hemmt und somit als Krebsmittel dienen könnte, hat sich bislang jedoch noch nicht erfüllt.

Im Zentrum der Forschung steht ohnehin die Suche nach einem neuen pflanzlichen Antibiotikum. Der Bedarf für derartige Medikamente ist enorm. Immer mehr Keime entwickeln Resistenzen gegen die alten Mittel, insbesondere in Krankenhäusern. "Das ist ein Riesenproblem", sagt Ullrich.

Bis zur klinischen Erprobung neuer Medikamente auf Basis der Rhododendren wird es noch einige Zeit dauern. Im Dezember läuft das Forschungsprojekt aus, der Mikrobiologe will eine weitere Forschungsperiode beantragen. "Wir wissen, was die neuen Substanzen können. Aber wir verstehen ihre Wirkungsweise noch nicht." Drei bis fünf Jahre, schätzt er, könnte sie in Anspruch nehmen. Der Rhododendronpark in Bremen muss dabei keinen Kahlschlag fürchten. Wenn Ullrich und sein Team erfolgreich sein sollten, wird der neue Wirkstoff künstlich hergestellt – im Labor.

Rückfragen und weitere Informationen:
Prof. Dr. Matthias Ullrich | Professor für Mikrobiologie
m.ullrich@jacobs-university.de | Tel.: +49 421 200-3245 

 
Alltag mit Mikrobiologie
Nahezu jede Vorlesung in Mikrobiologie von Prof. Dr. Matthias Ullrich an der Jacobs University beginnt mit einer 5-minütigen Diskussion über ein tagesaktuelles Thema. "Ich habe noch kein einziges Mal Probleme gehabt, in den Nachrichten ein Thema zu finden", sagt der Wissenschaftler. "Alles was uns umgibt und beeinflusst, hat mit Mikrobiologie zu tun. Meine Studenten sind oft überrascht, wie relevant das Thema ist." Prof. Ullrich ist ohne Zweifel fasziniert von seinem Forschungsbereich und er gibt diese Begeisterung 1:1 an seine Studenten weiter. "Als Papst Franziskus gewählt wurde, haben die Studenten schon gefeixt und waren gespannt, wie ich bei dem Thema die Kurve kriegen würde. Aber es war dann doch ganz einfach: das von den Kardinälen während der Konklave bewohnte Gästehaus ‚Casa Santa Marta' diente einst als Cholera-Krankenhaus. Mikrobiologie in Reinkultur."

Seit 2002 forscht und lehrt er an der Jacobs University in Bremen, Schwerpunkt Pflanzenmikrobiologie. Für ihn der ideale Ort, er kann sich vorstellen ein Leben lang hier zu arbeiten. "Ich erlebe hier die Kombination von Forschung und Lehre in einer nahezu perfekten Art und Weise. Die Studenten sind hoch motiviert und enthusiastisch bei der Sache. Die fächerübergreifende Zusammenarbeit mit den Kollegen ist für alle unsere Aufgabenstellungen von unschätzbarem Wert."

Der 50jährige Berliner hat in Jena Biologie studiert und am Max-Planck-Institut in Heidelberg promoviert. Bei einem vierjährigen Aufenthalt an der Oklahoma State University hat er das Leben und Arbeiten auf einem internationalen Campus kennen und schätzen gelernt. Anschließend war er sechs Jahre lang Gruppenleiter am Max-Planck-Institut in Marburg. An der Jacobs University sind rund 70% der Studierenden aus dem Ausland, die Amtssprache ist Englisch. "Der Spirit ist einfach völlig anders und im Sinne des Wortes inspirierend. Ich kann mir tatsächlich nicht mehr vorstellen, an einer nicht internationalen Universität zu arbeiten."

Rückfragen und weitere Informationen:
Prof. Dr. Matthias Ullrich | Professor für Mikrobiologie
m.ullrich@jacobs-university.de | Tel.: +49 421 200-3245

Bilddatei zum Download (in Druckauflösung, Copyright: Jacobs University):
Portraitfoto Prof. Dr. Matthias Ullrich
http://www.jacobs-university.de/_media/themendienst/jacobs_themendienst_Ullrich_2013.jpg

 
Gesundheitskompetenz stärken
Obwohl Gesundheit einen hohen Stellenwert im Leben jedes Einzelnen und in der Gesellschaft einnimmt, sind die Kenntnisse und Kompetenzen zum Thema Gesundheit oft begrenzt oder von Halbwissen geprägt. Gesundheitspsychologen der Jacobs University forschen aktuell an neuen und bewährten Möglichkeiten zur Stärkung der Gesundheitskompetenz - insbesondere bei älteren Menschen.

Ein Beispiel: Herr A. erfährt von seinem Arzt, dass er einen zu hohen HBA1C Wert hat. Er geht nach Hause und dort fällt ihm auf, dass er nicht genau verstanden hat, was das bedeutet. Im Internet liest etwas er über Blutzuckerwerte, Diabetes, Herzinfarkt und Fußamputationen und ist beunruhigt. Er findet jedoch keine weiteren praktischen Informationen, wie er seinen erhöhten HBA1C Wert in den Griff kriegen kann. Wie könnte sich Herr A. dieses fehlende Wissen aneignen, wo kann er sich besser informieren?

Genau solchen Fragen geht das mit 2,9 Mio. Euro budgetierte europäisches Forschungsprojekt nach, an dem die Jacobs University als einer von 23 Kooperationspartnern beteiligt ist.

Rückfragen und weitere Informationen:
Juliane Paech | Research Fellow IROHLA
j.paech@jacobs-university.de | Tel.: +49 421 200-4721 

Zahl des Tages
94% aller ausländischen Studierenden der Jacobs University schließen ihr Bachelor-Studium an der Jacobs University ab. Herausragend im Bundesvergleich: An deutschen Hochschulen sind es im Durchschnitt rund 54%.

Andrea Daschner | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen
16.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Geographie verrät das Alter von Viren
16.08.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie