Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die geheime Fracht der Stechmücken – Erstmals Dirofilaria repens in Österreich nachgewiesen

27.05.2014

Bis vor kurzem galt eine Infektion mit dem Parasiten Dirofilaria repens in Österreich als klassische Reisekrankheit. Stechmücken aus dem Ausland übertrugen den Parasit auf Hunde, in einigen Fällen aber sogar auf den Menschen.

Jüngste Forschungsergebnisse der Vetmeduni Vienna zeigen erstmals, dass der Parasit in Österreich eingeführt wurde und sich etablieren konnte. In Stechmücken aus dem Burgenland fanden die ForscherInnen die Larven des Parasiten. Die infizierten Stechmücken sind möglicherweise über Ost- und Südeuropa nach Österreich eingewandert. Die Forschungsergebnisse sind im Journal Parasites & Vectors veröffentlicht.


Mit speziellen Fallen werden Stechmücken gesammelt. Ob und welche Krankheitserreger sie in sich tragen, wird im Labor untersucht. Foto: Carina Zittra / Vetmeduni Vienna

Der Parasit Dirofilaria repens ist ein Fadenwurm, der in erster Linie das Unterhautgewebe von Hunden befällt und dort Hautknoten, Schwellungen und Juckreiz verursacht. Neben Hunden können auch Katzen, Füchse, Wölfe und Marder von einer Infektion betroffen sein.

„Beim Menschen wurden seit dem Jahr 2000 rund 16 Fälle von humaner Dirofilariose dokumentiert, die Dunkelziffer liegt aber in jedem Fall darüber“, so die Erstautorin Katja Silbermayr. Der Mensch ist jedoch ein sogenannter Fehlwirt, in ihm pflanzt sich der Parasit nicht fort und stellt keine große Gefahr dar.

Silbermayr ist Tierärztin und forscht an parasitären Hauterkrankungen. Sie betont: „Die sogenannte kutane Dirofilariose ist in unseren Breiten auch bei Tierärztinnen und Tierärzten noch recht unbekannt. Daher möchten wir mit unserer Arbeit mehr Bewusstsein unter MedizinerInnen schaffen. Knoten der Haut müssen nicht unbedingt Tumore sein, sondern können auch auf eine Dirofilariose hindeuten. Nur über die richtige Behandlung oder Prophylaxe kann die Verbreitung des Parasiten eingebremst werden.“

Österreichweites Screening offenbarte Dirofilarien im Burgenland

ExpertInnen vom Institut für Parasitologie untersuchten im Jahr 2012 rund 8.000 Stechmücken aus ganz Österreich. Dirofilaria repens fanden sie in zwei Ortschaften: In Mörbisch und Rust am Neusiedlersee. Es gab zwei verschiedene Stechmückenarten, die Dirofilaria repens in sich trugen, das waren Anopheles maculipennis und Anopheles algeriensis. „Grundsätzlich sind diese Parasiten nicht wählerisch, wenn es um ihren Vektor, also ihren Überträger die Stechmücke geht. Weltweit wird Dirofilaria repens in den unterschiedlichsten Mückenarten gefunden. Diesen Parasiten hätten wir also durchaus auch in anderen Stechmückenarten nachweisen können“, erklärt Silbermayr.

Der Einwanderungsgrund: Reisen und Adoption

Die Ursache der Einwanderung sieht Silbermayr darin, dass HundehalterInnen mit ihren Vierbeinern verreisen, vor allem in südliche Länder. Mit der Adoption ausländischer Tiere werden die Parasiten ebenfalls nach Österreich eingeschleppt. Die Klimaerwärmung ist laut Silbermayr nicht ausschlaggebend für die Verbreitung von Dirofilaria repens.
Die Forschenden gehen davon aus, dass sich Dirofilaria repens in Österreich weiter ausbreiten wird. In Spanien, Portugal, Italien, Kroatien, Ungarn und Slowenien ist der Parasit schon weit verbreitet. „Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis wir in Österreich auch in größerem Umfang betroffen sein werden.

Verwandter Parasit noch nicht in Österreich entdeckt

Ein verwandter jedoch weit gefährlicherer Parasit ist Dirofilaria immitis, zu Deutsch der Herzwurm. Er wird genau wie Dirofilaria repens von Stechmücken auf Hunde übertragen, siedelt sich in den Lunge und Herz der Hunde an. Dort entwickeln sich etwa 20-30cm lange Herzwürmer die zu Herzinsuffizienz, Atemnot und allgemeiner Leistungsverschlechterungen führen. Dieser Parasit wurde in Österreich bislang noch nicht in Stechmücken gefunden.

„Zur Vorbeugung von Insektenstichen gibt es prophylaktisch wirkende Präparate, die entweder als Spot-on auf die Haut der Tiere aufgetragen werden, oder auch in Tabletten enthalten sind. Ist der Parasit einmal im Tier, ist die Therapie meist aufwendig und langwierig und je nach Befallsstärke eventuell mit Komplikationen verbunden“ erklärt Silbermayr.

Der Lebenszyklus von Dirofilaria repens

Die infektiösen Larven des Parasiten werden mit dem Biss der Stechmücke auf Hunde übertragen. In der Haut paaren sich die Larven und bilden neue sogenannte Mikrofilarien, die dann ins Blut des Hundes gelangen. Stechmücken, in Österreich auch Gelsen genannt, nehmen den Parasit über die Blutmahlzeit wieder auf und können weitere Tiere infizieren.

Der Artikel „Autochthonous Dirofilaria repens in Austria“ von Katja Silbermayr, Barbara Eigner, Anja Joachim, Georg G Duscher, Bernhard Seidel, Franz Allerberger, Alexander Indra, Peter Hufnagl und Hans-Peter Fuehrer wurde im Journal Parasites & Vectors veröffentlicht. http://www.parasitesandvectors.com/content/7/1/226

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien

Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Augenmerk gilt der Tiergesundheit und der Lebensmittelsicherheit. Im Forschungsinteresse stehen die Gesundheit von Tier und Mensch sowie Themen der Tierhaltung und des Tierschutzes. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.200 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. http://www.vetmeduni.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt:
Dr.med.vet. Katja Silbermayr
Institut für Parasitologie
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 20577-2211
katja.silbermayr@vetmeduni.ac.at

Aussenderin:
Dr.rer.nat. Susanna Kautschitsch
Wissenschaftskommunikation / Public Relations
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1153
susanna.kautschitsch@vetmeduni.ac.at

Weitere Informationen:

http://www.vetmeduni.ac.at/de/infoservice/presseinformationen/presseinfo2014/gel...

Dr. Susanna Kautschitsch | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: Anopheles Dirofilaria Fracht Haut Hunde Larven Parasit Stechmücke Stechmücken Stechmückenarten Vetmeduni

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Licht zur Herstellung energiereicher Chemikalien nutzen
22.05.2018 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Junger Embryo verspeist gefährliche Zelle
22.05.2018 | Rudolf-Virchow-Zentrum für Experimentelle Biomedizin der Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics