Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Diagnose Lebertumor: Stammzellen verkürzen Wartezeit bis zur Leberresektion

29.02.2012
Wissenschaftlern gelingt erstmals die erfolgreiche Anwendung von Stammzellen zur Steigerung der Leberregeneration

Sind Patienten an bösartigen Lebertumoren oder Lebermetastasen erkrankt, ist eine Leberresektion die derzeit einzig mögliche kurative Therapie. Oft jedoch ist das geplant verbleibende Leberrestvolumen zu klein, um den Patienten sofort operieren zu können. In solchen Fällen ist eine spezielle Vorbehandlung über mehrere Wochen nötig, mit der die verbleibende Restleber zum Wachstum angeregt wird.

Einem Forscherteam um Prof. Dr. Jan Schulte am Esch und Prof. Dr. Wolfram Trudo Knoefel vom Universitätsklinikum Düsseldorf ist es nun erstmals gelungen, diese Wachstumszeit mit Hilfe von Stammzellen um die Hälfte zu verkürzen. Ihre Studie, an der auch Dr. Moritz Schmelzle, welcher inzwischen am Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM) Leipzig sowie am Universitätsklinikum Leipzig tätig ist, mitgewirkt hat, liefert die weltweit ersten Langzeitergebnisse einer therapeutischen Applikation von Stammzellen zur Steigerung der Leberregeneration. Sie wurde jetzt in der Fachzeitschrift Annals of Surgery veröffentlicht.

In einer retrospektiven Analyse wurden 40 Patienten untersucht, bei denen aufgrund einer Tumorerkrankung eine erweiterte Leberresektion durchgeführt werden musste. Bei 22 dieser Patienten war aufgrund der ausgedehnten Operation eine präoperative Steigerung des Lebervolumens notwendig, um ein Leberversagen nach der Operation zu verhindern. Bei der Hälfte dieser Patienten wurden körpereigene, autologe CD133+ Knochenmarksstammzellen gewonnen und in hoher Anzahl direkt in die Leber appliziert. Dies führte zu einer deutlichen Steigerung des Lebervolumens und damit verbunden zu einer Halbierung der Wartezeit bis zur heilenden Operation. Die Ergebnisse zeigen, dass Patienten nach einer Stammzellgabe ein besseres Langzeitüberleben aufweisen als Patienten ohne Vorbehandlung. „Diese hoffnungsvollen Ergebnisse zeigen, dass regenerative zellbasierte Therapie möglich und vor allem sicher erscheint“, so Dr. Moritz Schmelzle.

Basierend auf dieser Studie wird Dr. Moritz Schmelzle mit Unterstützung von Prof. Dr. Sven Jonas vom Universitätsklinikum Leipzig in den nächsten dreieinhalb Jahren im Rahmen des TRM-Exzellenz-Awards verschiedene Aspekte der stammzellbasierten Organregeneration untersuchen. Diese Untersuchungen sollen helfen, Teilaspekte der stammzellvermittelten Leberregeneration besser zu verstehen, um die Effektivität einer zellbasierten Therapie zu erhöhen und langfristig deren Funktionen pharmakologisch zu imitieren.

Der Exzellenz-Award des TRM Leipzig wurde in diesem Jahr erstmalig eingerichtet, um herausragende Forschungsvorhaben zu unterstützen. Auswahlkriterien sind die wissenschaftliche Exzellenz des Forschers, die internationale Verflechtung und das innovative Potenzial des Vorhabens.

Das Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM) Leipzig wurde im Oktober 2006 gegründet, um Forschungsergebnisse der regenerativen Medizin zügig in die klinische Anwendung zu überführen. Das Zentrum unterstützt junge Wissenschaftler, die Produkte und Verfahren für Diagnostik und Therapie entwickeln und erfolgreich in die klinische Anwendung bringen wollen. Es wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, den Freistaat Sachsen und die Universität Leipzig gefördert.

Publikation: Esch JS, Schmelzle M, Fürst G, Robson SC, Krieg A, Duhme C, Tustas RY, Alexander A, Klein HM, Topp SA, Bode JG, Häussinger D, Eisenberger CF, Knoefel WT: Infusion of CD133+ bone marrow-derived stem cells after selective portal vein embolization enhances functional hepatic reserves after extended right hepatectomy: a retrospective single-center study. Annals of surgery, January 2012.

Kontakt
Dr. med. Moritz Schmelzle
Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM) Leipzig
Philipp-Rosenthal-Straße 55, 04103 Leipzig
Universitätsklinikum Leipzig / Klinik für Viszeral-, Transplantations-,Thorax- und Gefäßchirurgie
Liebigstraße 20, 04103 Leipzig
Telefon: 0341- 97-19915
E-Mail: moritz.schmelzle@trm.uni-leipzig.de

Maria Garz | idw
Weitere Informationen:
http://www.trm.uni-leipzig.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung
22.03.2017 | Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

nachricht Mit voller Kraft auf Erregerjagd
22.03.2017 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie