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Diabetes: Ratten mit eigenen Stammzellen geheilt

07.10.2011
Genetische Veränderung außerhalb des Körpers nicht mehr nötig

Eine Möglichkeit zur Heilung von Diabetes könnte sich in unseren Gehirnen finden lassen. Neurale Stammzellen, die Ratten über die Nase entnommen wurden, haben Wissenschaftler des National Institute of Advanced Industrial Science and Technology in Bauchspeicheldrüsenzellen umgewandelt, die Insulin zur Behandlung von Diabetes herstellen.

Betazellen in der Bauchspeicheldrüse produzieren Insulin, das die Blutzuckerwerte kontrolliert. Patienten leiden entweder unter Typ-1-Diabetes, bei dem die Betazellen durch das Immunsystem zerstört werden oder Typ-2-Diabetes, bei dem die Betazellen nicht in der Lage sind, ausreichend Insulin zu produzieren.

Keine Organschädigung
Um verlorene oder schlecht arbeitende Betazellen zu ersetzen, nutzte das Team um Tomoko Kuwabara neurale Stammzellen im Gehirn. Sie entnahmen eine winzige Menge Gewebe aus dem so genannten Riechkolben, dem Bereich des Gehirns, der mit dem Geruch zu tun hat oder dem Hippokampus, der mit dem Gedächtnis in Zusammenhang steht. Beide Bereiche sind durch die Nase zugänglich, bei Ratten und beim Menschen. Als nächstes wurden neurale Stammzellen aus dem Gewebe extrahiert und mit Wnt3a einem menschlichen Protein ausgesetzt, das die Insulinproduktion aktiviert und zusätzlich einem Antikörper, der einen natürlichen Inhibitor der Insulinproduktion blockiert.

Nachdem sich die Stammzellen zwei Wochen lang vermehrt hatten, wurden sie auf dünne Kollagenblätter, die als ein wieder entfernbares Gerüst dienten, gegeben. Damit konnten die Blätter mit den Zellen auf den Bauchspeicheldrüsen der Ratten angebracht werden, ohne das Organ selbst zu schädigen. Innerhalb einer Woche entsprach die Konzentration von Insulin im Blut der Ratten mit Typ-1 oder Typ-2-Diabetes jener von gesunden Tieren. Die erhöhten Blutzuckerwerte hatten sich ebenfalls normalisiert. 19 Wochen lang bekämpften die Zellen Diabetes erfolgreich. Danach wurden die Blätter von den Wissenschaftlern entfernt. Die Ratten erkrankten in Folge wieder an Diabetes.

Anwendung beim Menschen als Ziel
Entscheidend ist, dass die Zellen außerhalb des Körpers nicht gentechnisch verändert werden mussten, berichtet NewScientist. Weltweit haben zahlreiche Labore bereits versucht, Stammzellen aus anderen Teilen des Körpers wie Darm, Leber oder Blut in Betazellen zu verwandeln. Alle diese Versuche erforderten jedoch eine gentechnische Manipulation, die zu Sicherheitsbedenken bei der Behandlung von Menschen führen kann. Für die aktuelle Studie wurden jedoch die Zellen des gleichen Tieres verwendet. Aus diesem Grund kann es zu keiner Abstoßung kommen und auch Medikamente zur Immunsuppression sind nicht erforderlich.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewinnung neuraler Stammzellen auch beim Menschen problemlos durchgeführt werden kann. Andere Forscherteams haben bereits nachgewiesen, dass diese Entnahme auch in der Praxis funktioniert. Details der aktuellen Erhebung wurden in EMBO Molecular Medicine http://www.embo.org/publications/embo-molecular-medicine.html veröffentlicht.

Michaela Monschein | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.aist.go.jp

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