Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Diabetes ist die häufigste Alterskrankheit in Deutschland

13.11.2014

Über 6 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einem Diabetes, wobei etwa 90 Prozent davon an einem Typ-2-Diabetes erkrankt sind. 1,6 Millionen Betroffene müssen regel-mäßig Insulin spritzen. Damit ist Typ-2-Diabetes die am häufigsten verbreitete Alterskrankheit in Deutschland. Erst mit deutlichem Abstand folgen Demenzerkrankungen und Krebsdiagnosen mit jeweils ca. 1,5 Millionen Patienten in Deutschland. Erschreckende Zahlen zum morgigen Welt-Diabetes-Tag. Im Leibniz-Forschungsverbund (LFV) Healthy Ageing wird daher intensiv an der Diabetesentstehung und seiner Behandlung geforscht.

Übergewicht und Bewegungsmangel zählen zu den stärksten Risikofaktoren, die im Alter einen Diabetes begünstigen. Daneben spielen genetische Faktoren eine entscheidende aber noch unzu-reichend verstandene Rolle. Dabei ist der umgangssprachliche Begriff „Zuckerkrankheit“ irreführend. Richtig wäre es, von „Krankheit des Kohlenhydratstoffwechsels“ zu sprechen. Die genauen Mechanismen der Diabetesentstehung sind bisher nicht hinreichend erforscht.

„Der Anteil der älteren Bevölkerung nimmt in Deutschland beständig zu“, erklärt Prof. Dr. Tilman Grune, wissenschaftlicher Direktor am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE). „Die Wissenschaft ist daher aufgefordert, neue Ernährungsstrategien zu entwickeln, die möglichst vielen Menschen dabei helfen, bis ins hohe Alter gesund und fit zu bleiben. Hierzu wollen wir mit unserer Forschung einen wesentlichen Beitrag leisten“, so Grune weiter.

Das DIfE ist neben 19 anderen Forschungsinstituten der Leibniz-Gemeinschaft Mitglied im LFV Healthy Ageing. Erst kürzlich konnten Wissenschaftler am DIfE nachweisen, dass mindestens 20 Gene an der Entstehung der Krankheit beteiligt sind. „Unsere Ergebnisse bestätigen damit nicht nur die Relevanz einiger menschlicher Gene für den Typ-2-Diabetes. Sie liefern auch eine überschaubare Liste von Genen, die man sich nun in Human- und Mausstudien genauer anschauen kann“, sagt die Studienleiterin Prof. Dr. Annette Schürmann.

Nach Aussage der Wissenschaftler ist es wichtig, die Funktionen der Diabetesgene weiter aufzuklären, da sie nicht nur einen tiefen Einblick in die Entstehungsmechanismen der Erkrankung geben, sondern ihre Kenntnis es auch ermöglicht, Ansatzpunkte für neue Strategien der Diabetesprävention und -therapie zu entwickeln.

Das Deutsche Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf – ebenfalls Mitglied im LFV Healthy Ageing –konnte in einer aktuellen Studie nachweisen, dass zwei verwandte Gene, TBC1D1 und TBC1D4, eine entscheidende Rolle für die Zuckeraufnahme in Fett- und Muskelzellen spielen. Defekte in einem dieser Gene führen zu einem fortschreitenden Verlust der Insulinempfindlichkeit. Sind beide Gene defekt, so kann kein Zucker mehr in Muskel- oder Fettzellen aufgenommen werden. „Das Diabetesrisiko ist damit stark erhöht“, folgert Prof. Dr. Hadi Al-Hasani vom DDZ.

Nach der Nahrungsaufnahme und einer Erhöhung der Zuckerkonzentration im Blut schüttet die Bauchspeicheldrüse den Botenstoff Insulin aus. Bei gesunden Menschen fördert die Ausschüttung von Insulin die Aufnahme des Zuckers in die Fett- und Muskelzellen. Dort steht er dann für den Energiestoffwechsel der Zellen zur Verfügung. Ist diese Aufnahme jedoch in Folge einer verminderten Insulinproduktion oder einer reduzierten Insulinsensitivität gestört, steigt der Zuckerspiegel im Blut an.

Schädigungen der Nerven und der Blutgefäße sind die Folgen. Im Spätstadium können daraus Erblindung, Nierenversagen, Schlaganfall und Herzinfarkt folgen. Eine Reduzierung des Übergewichts kann zu einer deutlichen Verbesserung für die Patienten führen, indem zum Beispiel keine Medikation mehr nötig ist.

Vom Typ-2-Diabetes zu unterscheiden ist der Typ-1-Diabetes. Diese Form des Diabetes entwickelt sich in der Regel bis zum 25. Lebensjahr. Am häufigsten tritt er zwischen dem 8. und dem 12. Geburtstag erstmals auf. Bei diesem Krankheitsbild werden die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse vom eigenen Immunsystem zerstört. Typ-1-Diabetes ist demnach eine Autoimmunerkrankung. Trotzdem spielen die Gene eine wichtige Rolle. So steigt das Erkrankungsrisiko der Kinder, wenn beide Eltern einen Typ-1-Diabetes haben, auf bis zu 25%.

Aufgrund der weiten Verbreitung und der gravierenden Folgen für die Betroffenen ist Typ-2-Diabetes einer der Forschungsschwerpunkte im LFV Healthy Ageing. Die beiden Sprecher des Verbundes Prof. Rudolph und Prof. Krutmann sind sich einig: „Der LFV Healthy Ageing kann durch seinen interdisziplinären Forschungsansatz einen wichtigen Beitrag in der Diabetesforschung und damit auch für das große Ziel ‚Gesundes Altern‘ leisten. Es ist wichtig, dass Forscher aus allen Fachbereichen zusammenarbeiten, um die weit verbreiteten Alterskrankheiten wie Diabetes, Krebs und Demenz grundlegend zu verstehen.“

Kontakt:
Astrid van der Wall
Koordinatorin LFV Healthy Ageing
Leibniz-Institut für Altersforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI)
Tel.: 03641 / 65 63 14
avanderwall@fli-leibniz.de

Der Leibniz-Forschungsverbund Healthy Ageing
Der Leibniz-Forschungsverbund Healthy Ageing wurde im März 2013 nach Genehmigung durch die Leibniz-Gemeinschaft gegründet. Prof. Dr. K. Lenhard Rudolph – Leibniz-Institut für Altersforschung Jena (FLI) - und Prof. Dr. Jean Krutmann – Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung Düsseldorf (IUF) – leiten gemeinsam als Sprecher den Verbund. Inzwischen sind 20 Institute der Leibniz-Gemeinschaft dem Kooperationsvertrag beigetreten. Dazu kommen assoziierte Mitglieder aus renommierten Forschungseinrichtungen im In- und Ausland. Ziel des Verbundes ist es, die Ursachen des Alterns interdisziplinär auf allen Ebenen zu erforschen. Daraus werden Anpassungs-strategien entwickelt und validiert, die Gesundes Altern nachhaltig fördern. Neben dieser Forschungsarbeit sieht sich der Verbund als zentralen Ansprechpartner für Politik und Medien in allen Fragen des Alterns und des Demographischen Wandels. Das DDZ und das DIfE sind nicht nur Mitglieder im LFV Healthy Ageing, sondern auch Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD).
www.leibniz-healthy-ageing.de

Die Leibniz-Gemeinschaft
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 89 selbständige Forschungseinrichtungen. Deren Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute bearbeiten gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevante Fragestellungen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Sie unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Institute pflegen intensive Kooperationen mit den Hochschulen - u.a. in Form der WissenschaftsCampi -, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem maßstabsetzenden transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 17.200 Personen, darunter 8.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 1,5 Milliarden Euro.
www.leibniz-gemeinschaft.de


Weitere Informationen:

http://www.leibniz-gesundes-altern.de/
http://ddz.uni-duesseldorf.de/de/
http://www.dife.de
http://www.leibniz-gemeinschaft.de

Astrid van der Wall | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur
17.08.2017 | Deutsches Krebsforschungszentrum

nachricht Magenkrebs: Auch Bakterien können Auslöser sein
17.08.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten