Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutschlandweit größte Sammlung von ölabbauenden Mikroorganismen in Greifswald

05.05.2010
Am Institut für Mikrobiologie der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald wird die in Deutschland größte Sammlung von Mikroorganismen-Stämmen mit Fähigkeiten zum Abbau von Erdöl und Erdölprodukten (Dieselkraftstoff, Schmieröle oder Benzin) aufbewahrt.

In der Abteilung Angewandte Mikrobiologie wurden seit den 1970er-Jahren Bakterien, Hefen und fadenförmige (filamentöse) Pilze gesammelt, die in der Lage sind, die relativ abbauresistenten und wasserunlöslichen Erdölkohlenwasserstoffe abzubauen. Sie können diese Kohlenwasserstoffe in leichter umsetzbare und umweltfreundlichere Zwischenprodukte und schließlich in Kohlendioxid und Wasser überführen.

Diese Mikroorganismen konnten in den zurückliegenden Jahren aus den Böden um Tankstellen, aus Regionen mit Erdölförderung oder aus ölverschmutzten Meeresbereichen isoliert werden. Sie stammen unter anderem aus Deutschland, Südamerika, Russland oder Saudi-Arabien. Insgesamt sind in Greifswald mehrere tausend Mikroorganismentypen verfügbar, die in ganz unterschiedlicher Art und Weise Öl- oder Schadstoffe abbauen können.

Darunter befinden sich solch leistungsfähige Organismen wie die „Superölhefe“ Candida maltosa, die besonders effektiv an die Nutzung solcher Öle angepasst ist und bestimmte Erdölbestandteile schneller als Zucker abbauen kann. Für die Beseitigung von Erdölverunreinigungen im Meer ist hingegen das salztolerante Bakterium Alkanivorax borkumensis besonders geeignet. Andere Bakterien wie Nocardia cyriacigeorgica kommen mit den extremen und heißen Bedingungen in arabischen Wüstenregionen gut zurecht.

Im Jahre 2008 arbeiteten sowohl arabische als auch vietnamesische Wissenschaftler (Department of Petroleum Microbiology, University Hanoi) zu dieser Thematik im Institut für Mikrobiologie. Ukrainische Wissenschaftler waren 2009 im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Technologie geförderten Austauschprogramms an der Universität Greifswald, um den Einfluss von mikrobiellen Bioemulgatoren auf den Abbau von wasserunlöslichen Erdölbestandteilen zu prüfen.

Es ist relativ aufwändig, die zum Teil mühselig gewonnenen Organismen in ihrer Vielfalt lebensfähig und aktiv zu halten. Hierbei helfen teilweise Jugendliche im Freiwilligen Ökologischen Jahr. Im Hinblick auf die Lebenserhaltung, die Artbestimmung oder die Charakterisierung der zum Teil neuartigen Organismen, gibt es eine effektive Zusammenarbeit mit der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen in Braunschweig und dem Helmholtz Zentrum für Umweltforschung in Leipzig-Halle.

Ziel der Sammlung dieser Mikroorganismen ist es, für eventuelle Umweltschäden und Havarien in Ergänzung zu rein technischen Lösungen (Absaugung, Absorption, Bindemittel) leistungsfähige Organismen mit hohen Abbauleistungen zur Verfügung zu haben. Es ist jedoch relativ teuer, die einzelnen Organismentypen bei Umwelthavarien direkt zu vermehren und vor Ort auszubringen. Oft können dabei nicht alle Schadstoffe gleichermaßen gut abgebaut werden. Deshalb dienen sie heute als Modellorganismen. Es werden ihre spezifischen Ernährungs- und Lebensbedingungen sowie ihre Effektivität und ihr Abbauspektrum studiert. Dieses Wissen kann nach einer Ölhavarie genutzt werden, um ihre Aktivität an Ort und Stelle in der Natur mit geeigneten, preiswerten Eingriffen stark zu befördern.

Ansprechpartner an der Universität Greifswald
Prof. Dr. Frieder Schauer
Institut für Mikrobiologie
Abteilung Mikrobiologie und Molekularbiologie
Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 15, 17487 Greifswald
Telefon 03834 86-4204
schauer@uni-greifswald.de

Jan Meßerschmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.mikrobiologie.uni-greifswald.de/index.php?id=34
http://www.uni-greifswald.de

Weitere Berichte zu: Bakterien Mikrobiologie Mikroorganismus Organismus Schadstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht „Spionieren“ der versteckten Geometrie komplexer Netzwerke mit Hilfe von Maschinenintelligenz
08.12.2017 | Technische Universität Dresden

nachricht Die Zukunft der grünen Gentechnik
08.12.2017 | Max-Planck-Institut für Biochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Im Focus: Towards data storage at the single molecule level

The miniaturization of the current technology of storage media is hindered by fundamental limits of quantum mechanics. A new approach consists in using so-called spin-crossover molecules as the smallest possible storage unit. Similar to normal hard drives, these special molecules can save information via their magnetic state. A research team from Kiel University has now managed to successfully place a new class of spin-crossover molecules onto a surface and to improve the molecule’s storage capacity. The storage density of conventional hard drives could therefore theoretically be increased by more than one hundred fold. The study has been published in the scientific journal Nano Letters.

Over the past few years, the building blocks of storage media have gotten ever smaller. But further miniaturization of the current technology is hindered by...

Im Focus: Successful Mechanical Testing of Nanowires

With innovative experiments, researchers at the Helmholtz-Zentrums Geesthacht and the Technical University Hamburg unravel why tiny metallic structures are extremely strong

Light-weight and simultaneously strong – porous metallic nanomaterials promise interesting applications as, for instance, for future aeroplanes with enhanced...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Papstar entscheidet sich für tisoware

08.12.2017 | Unternehmensmeldung

Natürliches Radongas – zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs

08.12.2017 | Unternehmensmeldung

„Spionieren“ der versteckten Geometrie komplexer Netzwerke mit Hilfe von Maschinenintelligenz

08.12.2017 | Biowissenschaften Chemie