Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutschlands Grasfrösche: Allgegenwärtig und doch unerforscht

25.06.2012
Überraschend sind die Ergebnisse, die Wissenschaftler des Museums für Naturkunde in Berlin in der renommierten Fachzeitschrift Journal of Zoology über den in Deutschland weit verbreiteten Grasfrosch veröffentlicht haben.

Ziel der Studie war herauszufinden, welche Lebensraumeigenschaften für diese Froschart entscheidend sind, um sich fortzupflanzen. Nach einer Umweltanalyse an 83 Gewässern zeigte sich, dass Faktoren wie z.B. Gewässergröße, Pflanzenbewuchs und Temperatur, die bislang für Amphibien als wichtige Anzeiger für die Eignung eines Habitats angesehen und für die Planung von Schutzmaßnahmen herangezogen wurden, keinen Einfluss hatten. Weitere Studien werden dringend erforderlich.

Um Tiere und Pflanzen, auch in Zeiten des Umwelt- und Klimawandels langfristig schützen zu können, ist eine genaue Kenntnis ihrer Ansprüche wichtig. „Die Lebensraumwahl von Wirbeltieren und damit auch die von Amphibien gelten in Deutschland allgemein als gut erforscht. Dass das nicht der Fall ist und weitere Studien dringend notwendig werden, zeigen unsere überraschenden Arbeitsergebnisse“, so Mark-Oliver Rödel, Kustos für Amphibien und Reptilien am Museum für Naturkunde Berlin.

Da Amphibien sehr sensibel auf Veränderungen ihrer Umwelt reagieren, sind exakte Informationen über ihre Anforderungen an den Lebensraum wichtig, um nachhaltige Schutzmaßnahmen treffen zu können. Das Ziel der Studie war es deshalb herauszufinden, welche Lebensraumeigenschaften für diese Froschart entscheidend sind, sich in einem bestimmten Gewässer fortzupflanzen.

Da nur die Wahl geeigneter Gewässer eine erfolgreiche Fortpflanzung und damit den langfristigen Fortbestand der Art ermöglicht, haben Franziska Grözinger und Mark Oliver Rödel vom Museum für Naturkunde in Zusammenarbeit mit Kollegen der Universitäten Würzburg und Bayreuth, eine Grasfroschpopulation im Naturpark Steigerwald in Unterfranken sieben Jahre lang untersucht.

Die Forscher konnten eine deutliche Präferenz des Grasfrosches für bestimmte Gewässer, die jährlich zur Fortpflanzung aufgesucht werden, zeigen. Um zu klären, was ein geeignetes Laichgewässer ausmacht, führten die Wissenschaftler eine detaillierte Umweltanalyse an 83 Gewässern durch, bei der über 40 verschiedene Faktoren in aufwändiger Feldarbeit erfasst und statistisch ausgewertet wurden.

Zu ihrem Erstaunen zeigte sich, dass Faktoren wie die Gewässergröße, der Bewuchs mit Pflanzen im und um das Gewässer, die Anwesenheit von Räubern oder die Temperatur keinen erkennbaren Einfluss auf die Wahl des Grasfrosches hatten. Dies ist erstaunlich da dies Faktoren sind, die bislang für Amphibien als wichtige Anzeiger für die Eignung eines Habitats angesehen und häufig für die Planung von Schutzmaßnahmen herangezogen wurden.

Diese Ergebnisse machen deutlich, dass die Biologie selbst einer so häufigen Art wie des Grasfrosches komplexer ist als bislang angenommen. Um diese und andere heimische Arten langfristig, auch in Zeiten des Umwelt- und Klimawandels nachhaltig schützen zu können, werden weitere detaillierte ökologische Studien dringend benötigt.

Weitergehende Details zu Grasfroschstudie sind hier zu finden: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1469-7998.2012.00929.x/abstract

Originalveröffentlichung: Grözinger, F., A. Wertz, J. Thein, H. Feldhaar & M.-O. Rödel (2012): Environmental factors fail to explain oviposition site use in the European common frog. – Journal of Zoology, doi:10.1111/j.1469-7998.2012.00929.x

Kontakt:
Dr. Gesine Steiner, Öffentlichkeitsarbeit, Tel. +49(0)30 2093 8917
Fax. +49(0)30 2093 8914, e-mail gesine.steiner@mfn-berlin.de

Dr. Gesine Steiner | idw
Weitere Informationen:
http://www.naturkundemuseum-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mit Algen Arthritis behandeln
23.08.2017 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

nachricht Chaos bei der Zellteilung – wie Chromosomenfehler in Krebszellen entstehen
23.08.2017 | Deutsches Krebsforschungszentrum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

6. Leichtbau-Tagung: Großserienfähiger Leichtbau im Automobil

23.08.2017 | Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Turbulente Bewegungen in der Atmosphäre eines fernen Sterns

23.08.2017 | Physik Astronomie

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Mit Algen Arthritis behandeln

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie