Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutscher Forscher entdeckt neue Waranart - Fund belegt die unterschätzte Vielfalt der Top-Beutegreifer in Indonesien

20.07.2009
Der deutsche Wissenschaftler André Koch vom Zoologischen Forschungsmuseum Koenig (ZFMK) in Bonn hat mit einem deutsch-indonesischen Team eine bisher unbekannte Waranart auf den Talaud-Inseln in Indonesien entdeckt.

Die neue Art wurde mittels morphologischer und molekularbiologischer Methoden bestimmt und in der neuesten Ausgabe der renommierten Zeitschrift Australian Journal of Zoology mit dem wissenschaftlichen Namen Varanus lirungensis beschrieben.

"Der Fund von Varanus lirungensis ist besonders wichtig, weil er belegt, wie groß die Vielfalt der Warane in Indonesien tatsächlich ist", äußert sich André Koch. Prof. Dr. Wolfgang Böhme, ebenfalls vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig, fügt hinzu: "Nach der Entdeckung gleich mehrerer bisher unbekannter Formen des Bindenwarans (Varanus salvator Gruppe) vor zwei Jahren auf Sulawesi und den umliegenden Inseln, ist dies ein weiterer Beleg für die unterschätzte Vielfalt indonesischer Warane."

Kaum entdeckt, könnte die neue Art möglicherweise schon bedroht sein. "Da Warane für den internationalen Tier- und Reptillederhandel gefangen werden, könnten kleine Inselpopulationen angesichts dieses Jagddrucks eventuell ausgelöscht werden", befürchtet Prof. Dr. Wolfgang Wägele, Direktor des ZFMK. Er befürwortet daher die taxonomische Überarbeitung der Warane Indonesiens. "Die wissenschaftlichen Untersuchungen sind dringend notwendig, um offizielle Fangquoten und den Schutzstatus einzelner Inselpopulationen anzupassen", unterstützt ihn Dr. Thomas Ziegler, Co-Autor und Leiter des Aquariums am Kölner Zoo.

Ursprünglich waren André Koch und seine indonesische Kooperationspartnerin Evy Arida vom Zoologischen Museum in Bogor (Java) auf die Talaud-Inseln gereist, um einen anderen weit verbreiteten Waran Südostasiens, den Bindenwaran (Varanus salvator), zu studieren. Da die Talaud-Inseln zwischen der Nordhalbinsel Sulawesis und der philippinischen Insel Mindanao liegen (siehe Karte), nahmen sie an, dass die kleinen Inseln wie eine Reihe von "Trittsteinen" im Meer den großen Reptilien (sowie anderen Tieren) das Wandern von Insel zu Insel ermöglicht hätten.

Welche Form des Bindenwarans den Talaud-Archipel bewohnen würde, war jedoch vollkommen unklar. Umso größer war die Überraschung, als André Koch und Evy Arida entdeckten, dass kein Bindenwaran, sondern ein weiterer, bisher unbekannter Vertreter der ebenfalls sehr weit verbreiteten Pazifikwarane (Varanus indicus Gruppe) die Talaud-Inseln besiedelt. Die Hoffnung, eventuell den Beleg für ein erstes gemeinsames Vorkommen dieser Großwarane zu liefern, konnte jedoch nicht erfüllt werden, da sich beide Arten aufgrund ihrer sehr ähnlichen Lebensweise gegenseitig auszuschließen scheinen.

Somit muß die biogeographische Hypothese der Talaud-Inseln als Ausbreitungsweg zwischen den Philippinen und Sulawesi verworfen bzw. eingeschränkt werden. Diese Erkenntnis wird gestützt durch einen Faunenvergleich der übrigen Amphibien und Reptilien von Talaud, wie er ebenfalls von André Koch und Kollegen in der aktuellen Ausgabe der Bonner Zoologischen Beiträge diskutiert wird.

Hintergrund:
Das südostasiatische Inselreich Indonesien ist bekannt für seinen außergewöhnlichen Artenreichtum. Es ist eines der Biodiversitätszentren der Erde, ein Megadiversitätsland. Dies betrifft nicht nur Korallenfische oder Schmetterlinge, sondern auch die großen Beutegreifer der Region, die Warane (Gattung Varanus); allen voran der berühmt-berüchtigte Komodowaran.

Besonders die Gruppe der Pazifikwarane um Varanus indicus hat in der jüngsten Vergangenheit wiederholt für spektakuläre Überraschungen gesorgt, da bisher unbekannte, und dazu noch zum Teil farbenprächtig gezeichnete Arten entdeckt wurden. Diese neuen Arten gelangten zumeist über den internationalen Reptilhandel nach Europa und Deutschland, oder sie wurden in alten Sammlungen naturkundlicher Museen entdeckt, wo ihre wahre Identität of jahrzehntelang unerkannt blieb. Nicht so jedoch bei der vorerst letzten neuen Waranart, die ein deutsch-indonesisches Biologen-Team auf einer abgelegenen Inselgruppe Indonesiens aufspürte.

Die neue Art Varanus lirungensis ist nur von der kleinen Inselgruppe des Talaud-Archipels bekannt. Dieses befindet sich im Zentrum der indo-australischen Inselwelt zwischen Sulawesi, den Philippinen und den Molukken (siehe Karte). Der wissenschaftliche Name lirungensis verweist auf den Fundort des neuen Warans, die kleine Ortschaft Lirung auf Salibabu, der zweitgrößten der Talaud-Inseln gelegen.

Literaturquellen:
KoCH A., ARIDA E., SCHMITZ A., BÖHME W. & ZIEGLER T. 2009. Refining the polytypic species concept of mangrove monitors (Squamata: Varanus indicus group): a new cryptic species from the Talaud Islands, Indonesia, reveals the underestimated diversity of Indo-Australian monitor lizards. Australian Journal of Zoology, 57(1): 29-40.

Link: http://www.publish.csiro.au/nid/90/paper/ZO08072.htm

KOCH A., ARIDA E., RIYANTO A. & BÖHME W. 2009. Islands between the realms: a revised checklist of the herpetofauna of the Talaud Archipelago, Indonesia, with a discussion about its biogeographic affinities. Bonner Zoologische Beiträge, 56(1/2): 107-129.

Link:
http://zfmk.de/web/ZFMK_Mitarbeiter/KochAndr/Publikation_neu/Koch_etal_2009
_Talaud_Herptiles.pdf
Kontakt und weitere Informationen sowie Bildmaterial:
Dipl.-Biol. André Koch
Zoologisches Forschungsmuseum A. Koenig
& Leibniz Institut für terrestrische Biodiversität
Herpetologie & Molekular-Labor
Tel.: +49 (0)228 9122 277
Fax: +49 (0)228 9122 295
E-Mail: a.koch.zfmk[@]uni-bonn.de
Home: http://zfmk.de/web/ZFMK_Mitarbeiter/KochAndr/index.en.html
Das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig
Das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig (ZFMK) ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung des Ministeriums für Innovation, Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen. Als Leibniz-Institut für die Biodiversität der Tiere hat es einen Forschungsanteil von mehr als 75 %. Das ZFMK betreibt sammlungs-basierte Biodiversitätsforschung zur Systematik und Phylogenie, Biogeographie und Taxonomie der terrestrischen Fauna. Innovative Methoden- und Arbeitsansätze der molekularen Biodiversitäts-forschung dienen auch Studien zur Nachhaltigkeit. Das ZFMK hat 48 fest angestellte Mitarbeiter, davon 14 Wissenschaftler, der Jahresetat liegt bei 6,3 Mio. Euro. Studenten der Biologie werden in Kooperation mit der Universität Bonn ausgebildet. Die Ausstellung "Unser blauer Planet" führt zum Verständnis von Biodiversität unter globalen Aspekten.

Die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V., kurz "Leibniz-Gemeinschaft", vereint heute 86 Einrichtungen unter ihrem Dach, die Forschung betreiben oder wissenschaftliche Infrastruktur bereitstellen. Rund 6.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten in den Geistes- und Sozialwissenschaften, den Wirtschafts- und Lebenswissenschaften ebenso wie in der Mathematik, den Natur- und Ingenieurswissenschaften sowie der Umweltforschung. Insgesamt beschäftigen die Leibniz-Institute mehr als 14.000 Menschen bei einem Jahresetat von über einer Milliarde Euro.

Sabine Heine | idw
Weitere Informationen:
http://www.publish.csiro.au/nid/90/paper/ZO08072.htm
http://zfmk.de/web/ZFMK_Mitarbeiter/KochAndr/index.en.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut
20.10.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Aus der Moosfabrik
20.10.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise