Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Einfluss des Menschen auf das Artensterben

10.02.2015

JLU-Biologe Prof. Dr. Thomas Wilke koordiniert Teil des EU-Großprojekts „PRIDE – Entstehung und Verlust von Biodiversität in der Pontokaspis“ – Internationales Forscherteam untersucht Region um Kaspisches Meer, Schwarzes Meer und Aralsee

Seit Jahrmillionen entstehen auf der Erde neue Arten und sterben aus natürlichen Gründen wieder aus. Mittlerweile hat das Artensterben aber weltweit besorgniserregende Ausmaße angenommen, zu einem erheblichen Teil versursacht durch den Menschen.


Prof. Dr. Thomas Wilke

Foto: Thorsten Hauffe

Ein internationales Team unterschiedlichster Fachrichtungen – darunter der Biologe Prof. Dr. Thomas Wilke von der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) – wird in den kommenden Jahren in einem EU-finanzierten Großprojekt („PRIDE – Entstehung und Verlust von Biodiversität in der Pontokaspis“) die natürlichen und die menschlichen Faktoren beim Werden und Vergehen von Arten genauer untersuchen.

„Nur wenn der menschliche Einfluss genau benannt und quantifiziert werden kann, ist die zielgerichtete Etablierung von Schutzmaßnahmen möglich“, betont Prof. Wilke, der den biologischen Teil des Projekts koordiniert. Die Gesamtkoordination des Projekts liegt beim niederländischen Naturalis Biodiversity Center in Leiden.

Forschungsgebiet der PRIDE-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler ist die sogenannte Pontokaspis, die Region um Schwarzes Meer, Kaspisches Meer und den Aralsee. Sie gilt derzeit noch als eine der artenreichsten Brackwasserregionen der Erde, ist aber so stark vom Artensterben betroffen, dass bereits von einer „Pontokaspischen Biodiversitätskrise“ die Rede ist.

Die Gewässer sind „Reste“ des subtropischen Urmeers Parathetys, das über Millionen von Jahren weite Teile Europas und Asiens bedeckte. In der Paratethys kam es durch globale Umweltveränderungen zur Entstehung von hunderten ja sogar tausenden neuen Arten, die dann durch natürliche Prozesse wieder ganz oder teilweise verschwunden sind.

Das unter anderem aus den Fachrichtungen Biologie, Paläontologie, Geologie und Ökologie zusammengesetzte Forscherteam hat sich zum Ziel gesetzt, die natürlichen und menschlichen Einflüsse bei der Artbildung, insbesondere aber beim Aussterben von Arten, in der Pontokaspis modellhaft zu quantifizieren und darauf aufbauend zielgerichtete und effiziente Maßnahmen zum Erhalt der verbleibenden Biodiversität abzuleiten.

Das Projekt mit dem englischen Originaltitel „Drivers of Pontocaspian biodiversity Rise and Demise“ („PRIDE“) gehört zur Förderlinie der Marie Curie Initial Training Networks und gibt 15 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern die Möglichkeit, diese Fragestellungen gemeinsam und interdisziplinär zu bearbeiten. Es läuft über vier Jahre mit einem Gesamtvolumen von 3,8 Millionen Euro; die JLU erhält rund 750.000 Euro.

„Wir forschen seit fast 30 Jahren in der Pontokaspis, und der Verlust von Arten, den wir erleben müssen, ist erschreckend“, erklärt Prof. Wilke, Professor für Spezielle Zoologie und Biodiversitätsforschung an der JLU. „Um Artbildung und das Aussterben von Arten besser verstehen zu können, wollen wir diese Prozesse über einen Zeitraum von etwa zwei Millionen Jahren mit Hilfe von Fossilien rekonstruieren.“

Informationen erhalten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei auch durch den DNA-Vergleich von heute lebenden Arten und der Modellierung zurückliegender Ereignisse mit Hilfe sogenannter „molekularer Uhren“. Die Zeitpunkte des Entstehens und Aussterbens von Arten sollen im Anschluss mit geologischen Ereignissen und Klimaveränderungen abgeglichen werden, um deren Einfluss auf Evolutionsprozesse in einem komplexen Modell zu quantifizieren.

„Dies hilft uns, natürliche Veränderungen in der Biodiversität über die Zeit zu verstehen. Das Modell wird dann genutzt, um den heutigen menschlichen Einfluss exakter zu quantifizieren und insbesondere die Faktoren zu bestimmen, die gegenwärtig den größten Einfluss auf die Biodiversitätskrise in der Pontokaspis haben“, erläutert Prof. Wilke das einzigartige Forschungsvorhaben.

Das EU-Großprojekt ist eine wertvolle Ergänzung des lebenswissenschaftlichen Schwerpunktbereichs der JLU. Insbesondere stelle dieses Vorhaben einen konsequenten Forschungstransfer aus dem von der JLU koordinierten DAAD-Exzellenzzentrum CEMarin dar, betont Prof. Wilke, der auch das CEMarin leitet. „Dort untersuchen wir natürliche und anthropogene Veränderungen in der südlichen Karibik. Die sich aus dem Projekt PRIDE ergebenden Impulse und Synergien, sowohl für die Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern als auch für das bessere Verständnis von evolutionsbiologischen Prozessen in Zeit und Raum sind faszinierend, aber auch herausfordernd.“

Kontakt:

Prof. Dr. Thomas Wilke, Institut für Tierökologie und Spezielle Zoologie
Heinrich-Buff-Ring 26-32 (IFZ), 35392 Gießen
Telefon: 0641 9935720
E-Mail: tom.wilke@allzool.bio.uni-giessen.de

Weitere Informationen:

http://www.uni-giessen.de/wilke

Lisa Dittrich | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten
08.12.2016 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Herz-Bindegewebe unter Strom
08.12.2016 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops