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Depressionsgen bei Mäusen "repariert"

21.10.2010
Neuer Behandlungsansatz: Modifizierter Virus direkt ins Gehirn injiziert

US-Forschern ist es offenbar gelungen, mittels Gentherapie bei Mäusen ein mit Depressionen in Verbindung stehendes Gen zu "reparieren". Dadurch konnte bei Versuchstieren, denen das Gen p11 in einer spezifischen Gehirnregion fehlte, abnormales Verhalten wieder rückgängig gemacht werden. Das Forscherteam um Michael Kaplitt vom Weill Cornell Medical Center, injizierte dafür einen modifizierten Virus.

Der britische Gentherapie-Pionier Alan Kingsman betonte laut BBC, dass man diesen Behandlungsansatz trotz der Notwendigkeit von Injektionen ins Gehirn zur Behandlung schwerer Depressionen nicht ausschließen sollte. p11 gehört zu einer Reihe von Genen, die bei Depressionen eine Rolle zu spielen scheinen. Die Untersuchung der Gehirne verstorbener Patienten zeigte, dass sie im Nucleus accumbens über deutlich geringere Mengen von p11 verfügten.

Gen kontrolliert Serotonin

Wissenschaftler nehmen an, dass das Gen das Serotonin kontrolliert, das seinerseits bei Stimmung, Appetit und Schlaf eine entscheidende Rolle spielt. Mäuse, die ohne dieses Gen gezüchtet wurden, wiesen ein Verhalten auf, das mit Depressionen beim Menschen vergleichbar ist. Ihnen fehlte zum Beispiel die Motivation, gestellte Aufgaben wie Schwimmen zu erfüllen.

Nachdem sie eine Injektion mit einem veränderten Virus erhalten hatten, das die p11-Werte wieder normalisierte, verhielten sie sich wieder wie ganz normale Mäuse. Kaplitt geht davon aus, dass es jetzt einen neuen Therapieansatz gibt, der auf eine der Wurzeln von Depressionen abzielt. Die derzeit eingesetzten Behandlungsformen behandelten die Symptome aber nicht die Ursachen. Bis p11, wenn überhaupt, eingesetzt werden kann, werden allerdings noch Jahre vergehen.

Die eingesetzten Viren sind zu groß, um die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden, die das Gehirn schützt. Sie müssten präzise auf den Nucleus accumbens ausgerichtet werden. p11 könnte nämlich in verschiedenen Bereichen des Gehirns eine ganze Reihe von Funktionen haben. Das würde bedeuten, dass ein Loch in den Schädel gebohrt werden muss, um die Injektionsnadel in die richtige Position zu bringen.

Grundlegende Fragen klären

Guang Chen, Neurowissenschaftler bei Johnson and Johnson http://www.jnj.com , schreibt in seinem Kommentar in Translational Medicine, dass der Einsatz der Gentherapie zur Behandlung von Depressionen noch ein bisher unbekannter Bereich sei. Trotz der viel versprechenden Ergebnisse seien zahlreiche grundlegende Fragen zu klären, bevor ein derartiger Therapieansatz angewendet werden kann.

Andere Experten wie Alan Kingsman von Oxford Biomedica http://www.oxfordbiomedica.co.uk argumentieren, dass ein derart invasiver Behandlungsansatz nicht von vornherein ausgeschlossen werden sollte. Er arbeitet derzeit bereits an Einsatzmöglichkeiten der Gentheapie zur Behandlung von Parkinson.

Details der Studie wurden in Science Translational Medicine http://stm.sciencemag.org veröffentlicht.

Michaela Monschein | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://weill.cornell.edu

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