Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Demenzerkrankungen - Defekte zelluläre Müllabfuhr erhöht das Risiko

03.07.2014

Ein Forschungsteam hat erstmals einen Mechanismus identifiziert, der mehrere verschiedene Gehirnerkrankungen beeinflusst – möglicherweise liefern die Ergebnisse einen Weg, wie Demenz auch nach Krankheitsausbruch verzögert werden kann.

Demenzerkrankungen nehmen in unserer alternden Gesellschaft stetig zu und stellen schon jetzt das Gesundheitssystem vor große Herausforderungen.

Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Professor Christian Haass und Gernot Kleinberger, Adolf-Butenandt-Institut der LMU und Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), hat nun einen Mechanismus gefunden, der das Risiko für den Ausbruch verschiedener Demenzerkrankungen erhöht.

Neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer-, Parkinson oder Frontotemporale Demenz haben gemeinsam, dass es im Gehirn der Patienten zu einer vermehrten Ablagerung von Eiweißbestandteilen und zu massivem Zelltod kommt.

Sterbende Zellen sowie abgelagerte Abfallprodukte müssen von Fresszellen effizient entsorgt werden um weitere Schäden an den Nervenzellen zu vermeiden. Diese Fresszellen – sogenannte Mikroglia – spielen somit als „Gesundheitspolizei“ des Gehirns eine wichtige Rolle. Sie kommen nur im zentralen Nervensystem vor und sind ein Teil des zellulären Immunsystems.

Wie das Team um Haass nun in dem Journal „Science Translational Medicine“ berichtet, führen Erbveränderungen zu einem Defekt in dem Protein TREM2, das in Mikroglia die Aufnahme von Abfallprodukten steuert. TREM2 reicht als Transmembranprotein durch die Wand der Nervenzelle hindurch und besitzt eine extrazelluläre Domäne, die für die Identifikation von Abfallprodukten wichtig ist.

„Wir vermuten, dass der Defekt dazu führt, dass das Protein bei seiner Produktion in der Zelle falsch gefaltet wird und nicht mehr an die Oberfläche der Mikroglia gelangt“, sagt Kleinberger, „dadurch wird die Abfallmenge, die die Mikroglia bewältigen kann, deutlich vermindert“. Dies hat zur Folge, dass sich Eiweißablagerungen, aber auch tote Zellen, im Gehirn ansammeln und nicht mehr abgebaut werden können.

Mit ihrer neuen Studie konnten die Wissenschaftler damit erstmals einen Mechanismus identifizieren, der mehrere verschiedene Gehirnerkrankungen beeinflussen kann. „Darüberhinaus eröffnen unsere Entdeckungen vielleicht auch einen Weg, wie man den Krankheitsverlauf auch noch nach Ausbruch der Demenz verzögern könnte, was sich bisher als unmöglich erwies“, sagt Haass, „erste Hinweise dazu liefert ein Ansatz, bei dem es uns mithilfe bestimmter Wirkstoffe gelang, den Fressmechanismus der Mikroglia zu stimulieren“.
(Science Translational Medicine 2014) göd

Publikation:
TREM2 mutations linked to neurodegeneration impair cell surface transport and phagocytosis
G. Kleinberger, Y. Yamanishi, M. Suárez-Calvet, E. Czirr, E. Lohmann, E. Cuyvers, H. Struyfs, N. Pettkus, A. Wenninger-Weinzierl, F. Mazaheri, S. Tahirovic, A. Lleó, D. Alcolea, J. Fortea, M. Willem, S. Lammich, J. L. Molinuevo, R. Sanchez-Valle, A. Antonell, A. Ramirez, M. Heneka, K. Sleegers, J. van der Zee, J.-J. Martin, S. Engelborghs, A. Demirtas-Tatlidede, H. Zetterberg, C. Van Broeckhoven, H. Gurvit, T. Wyss-Coray, J. Hardy, M. Colonna & C. Haass
Science Translational Medicine 2014
http://stm.sciencemag.org/content/6/243/243ra86

Kontakt:
Prof. Dr. Dr. h.c. Christian Haass und Dr. Gernot Kleinberger
Adolf Butenandt-Institut, Ludwig-Maximilians Universität München
& Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. - München
Tel: (+49-89)-2180 75 - 471 (C.H.), -472 (Secretariat)
E-Mail: christian.haass@dzne.lmu.de
http://www.biochemie.abi.med.uni-muenchen.de/about/staff/professors/haass/index....

Luise Dirscherl | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise