Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Darwin-Finken auf Galapagos vom Aussterben bedroht

11.06.2014

Die Verhaltensbiologin Sabine Tebbich von der Universität Wien untersucht im Rahmen eines FWF-Projekts den teilweise dramatischen Populationsrückgang der Darwin-Finken auf den Galapagos-Inseln. Vermutlich ist es die parasitäre Fliege Philornis downsi, die den Kleinvögeln bedrohlich zu Leibe rückt.

"Wenn wir kein Mittel gegen die Fliege finden, könnten sogar manche Arten aussterben", lautet die traurige Prognose von Sabine Tebbich. Seit 1998 dokumentiert die Verhaltensbiologin der Universität Wien gemeinsam mit KollegInnen von Birdlife Österreich den Populationsstand der Kleinvögel auf den Galapagos-Inseln und stellte bereits 2008 erstmals einen dramatischen Rückgang fest – "wir sprechen in manchen Populationen von einem Schwund von bis zu 75 Prozent", so Tebbich und erklärt weiter: "Die Tier- und Pflanzenwelt auf den Galapagos-Inseln hat sich in Isolation entwickelt und kann eingeschleppten Parasiten nichts entgegensetzen".


Der Laubsängerfink (Certhidea olivacea).

Copyright: Dvorak


Fliegenmaden der Philornis downsi

Copyright: Fessl

Der Übeltäter aus Trinidad

Die ForscherInnen bringen den drastischen Rückgang der Finken mit der Ausbreitung der parasitären Fliegenart Philornis downsi in Zusammenhang, die in den 1960er Jahren – vermutlich beim Import von Obst – aus Trinidad auf die Galapagos-Inseln gelangte. Die Fliegen besiedeln die Nester der Vögel, legen ihre Eier in den Nasenlöchern der Tiere ab und saugen das Blut der Küken.

Entdeckt wurden die Parasiten eher zufällig – während einer Feldarbeit zum Werkzeuggebrauch der Darwin-Finken: "Wir fanden Küken, deren Körper von Parasiten zerlöchert waren und entdeckten beim Durchsuchen der Nester die Fliegenmaden", erzählt Sabine Tebbich, die in ihrem aktuellen FWF-Projekt mehr über den Einfluss der Fliege herausfinden will.

Denn die Biologin geht davon aus, dass die von den Parasiten geschwächten Tiere auch für andere Stressfaktoren – wie Starkregen oder den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln – umso anfälliger sind: "Für diesen starken Populationsrückgang gibt es vermutlich eine Kombination von Ursachen."

Diese möchte die Forscherin gemeinsam mit ihrem Doktoranden Arno Cimadom in einem experimentellen Ansatz nachweisen: Einige Nester werden von Parasiten befreit und in Teile des Nationalparks gesetzt, in denen kein Pflanzenschutzmittel verwendet wird. Durch diese Kontrollgruppen lässt sich feststellen, welche Faktoren und Wechselwirkungen den Bruterfolg gefährden.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?

ExpertInnen aus aller Welt diskutieren seit Jahren Möglichkeiten zum Schutz der Darwin-Finken. Die Ideen reichen von Fliegenfallen mit Pheromonen über die Einführung einer hyperparasitären Wespe bis hin zur Züchtung männlicher Fliegen, die anschließend sterilisiert und per Hubschrauber "auf die Weibchen losgelassen werden".

Eingriffe in das Ökosystem bergen allerdings auch immer Gefahren und die Implementierung solcher Maßnahmen ist ein langwieriger und teurer Prozess. Tebbich und ihr Team hoffen, mit ihrem Projekt mehr über den Brutrückgang zu erfahren und der passenden Lösung auf die Spur zu kommen, denn eines ist der Forscherin klar: "Die Lage ist ernst."

Wissenschaftlicher Kontakt
Mag. Dr. Sabine Tebbich
Department für Verhaltensbiologie
Universität Wien
1090 Wien, Althanstraße 14 (UZA I)
T +43-1-4277-544 64
sabine.tebbich@univie.ac.at

Rückfragehinweis
Mag. Alexandra Frey
Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
1010 Wien, Universitätsring 1
T +43-1-4277-175 33
M +43-664-602 77-175 33
alexandra.frey@univie.ac.at

Die Universität Wien ist eine der ältesten und größten Universitäten Europas: An 15 Fakultäten und vier Zentren arbeiten rund 9.700 MitarbeiterInnen, davon 6.900 WissenschafterInnen. Die Universität Wien ist damit auch die größte Forschungsinstitution Österreichs sowie die größte Bildungsstätte: An der Universität Wien sind derzeit rund 92.000 nationale und internationale Studierende inskribiert. Mit über 180 Studien verfügt sie über das vielfältigste Studienangebot des Landes. Die Universität Wien ist auch eine bedeutende Einrichtung für Weiterbildung in Österreich. 1365 gegründet, feiert die Alma Mater Rudolphina Vindobonensis im Jahr 2015 ihr 650-jähriges Gründungsjubiläum. www.univie.ac.at

Alexandra Frey | Universität Wien

Weitere Berichte zu: Aussterben Biologin Darwin-Finken Eier Gefahr Isolation Küken Pheromonen Schutz Schwund Verhaltensbiologie Vögel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Designerviren stacheln Immunabwehr gegen Krebszellen an
26.05.2017 | Universität Basel

nachricht Wachstumsmechanismus der Pilze entschlüsselt
26.05.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften