Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dank Neutronenforschung: neuartiger Farblöser reinigt Pinsel ohne Lösungsmittel

08.08.2013
Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich haben gemeinsam mit dem mittelständischen Unternehmen Bernd Schwegmann GmbH & Co. KG einen neuartigen Farblöser entwickelt.

Der Reiniger kommt ohne Lösungsmittel aus und wird von der Alfred Clouth Lackfabrick GmbH & Co. KG aus Offenbach am Main auf den Markt gebracht. Das neue Mittel säubert ebenso gut wie herkömmliche Produkte, ist vollständig kennzeichnungsfrei, hautverträglich, pH-neutral und geruchslos.


Jülicher Forscher entwickelten gemeinsam mit dem mittelständischen Unternehmen Bernd Schwegmann GmbH & Co. KG einen wasserbasierten Farblöser, der eingetrocknete Farbe besser aus Pinseln löst (unten) als ein handelsüblicher Lösemittelreiniger (oben). Quelle: Forschungszentrum Jülich


Mit dem umweltfreundlichen Farblöser lassen sich getrocknete Klebstoffrückstände genauso leicht lösen (links) wie mit lösemittelbasierten Produkten (rechts). Quelle: Forschungszentrum Jülich

Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich haben gemeinsam mit dem mittelständischen Unternehmen Bernd Schwegmann GmbH & Co. KG einen neuartigen Farblöser entwickelt. Der Reiniger kommt ohne Lösungsmittel aus und wird von der Alfred Clouth Lackfabrick GmbH & Co. KG aus Offenbach am Main auf den Markt gebracht. Das neue Mittel säubert ebenso gut wie herkömmliche Produkte, ist vollständig kennzeichnungsfrei, hautverträglich, pH-neutral und geruchslos.

Rund eine Million Liter Pinselreiniger gehen in Deutschland pro Jahr über die Ladentheke. Die meisten dieser Produkte bestehen überwiegend aus Lösemitteln, die flüchtige organische Komponenten freisetzen. Der Farblöser, den Jülicher Forscher mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt entwickelt haben, reinigt ohne umwelt- und gesundheitsschädliche Lösemittel. Er löst wasser- oder lösemittelhaltige Farben, Lacke, Lasuren, Öle, Wachse, Fette und Ruß, entfernt Farbspritzer, Bitumen, Teer und die meisten Klebstoffe und eignet sich zum Reinigen von Spritzpistolen und Mischanlagen.

Alle Komponenten des Reinigers sind leicht biologisch abbaubar und wurden in Zusammenarbeit mit der Grafschaft-Gelsdorfer Firma Schwegmann ausgewählt. Das umweltschonende Mittel löst Öle und Fette mithilfe von Tensiden. Das sind waschaktive Substanzen, wie sie auch in Spül- und Waschmitteln enthalten sind. Ein durch Neutronenexperimente optimierter Zusatzstoff – eine neue Sorte von Tensiden – vervielfacht ihre Wirkung. Dadurch lassen sich schon mit geringem Tensideinsatz schwerlösliche Farbreste entfernen. Gut für die Umwelt, denn auch Tenside sind in großer Menge schädlich.

Den verstärkenden Effekt des Zusatzstoffes hatten die Jülicher Forscher gemeinsam mit Kollegen der Universität Köln ursprünglich erstmals bei einer anderen Klasse von Substanzen gefunden: bei sogenannten Blockcopolymeren. Das sind längliche Polymere mit einem wasser- und einem fettliebenden Teil. Doch diese im Jahr 2002 mit dem "Erwin Schrödinger-Preis für interdisziplinäre Forschung" ausgezeichnete Entdeckung ließ sich nicht direkt in ein marktfähiges Produkt überführen.

"Die Blockcopolymere waren unter anderem nicht auf dem Markt erhältlich, zu teuer in der Herstellung und biologisch schwer abbaubar", erzählt Dr. Jürgen Allgaier vom Jülicher Zentrum für Neutronenforschung. "Im Farblöser setzen wir deshalb eine zweite Generation des Zusatzstoffs ein." Hierbei handelt es sich nicht um Blockcopolymere, sondern um Tensidmoleküle mit jeweils einem langen wasserliebenden und einem kurzen fettliebenden Ende. Schon mit einer kleinen Menge davon lässt sich die notwendige Gesamtmenge an Tensiden erheblich verringern. Das Prinzip dieser Effizienzsteigerung hat sich das Forschungszentrum patentieren lassen.

Um den geeigneten Zusatzstoff zu finden, hatten die Forscher zunächst die Wirkungsweise des Blockcopolymers mithilfe von Neutronenstreuexperimenten entschlüsselt. Die Blockcopolymere lagern sich an der Grenze zwischen Öl, Wasser und Tensid ein. So versteifen sie die Grenzschicht, die Tenside zwischen den wässrigen und öligen Schichten in sogenannten Mikroemulsionen bilden. Dadurch verringert sich wiederum die Membranfläche und der Tensidbedarf sinkt.

Aufbauend auf diesen Erkenntnissen suchten die Jülicher Wissenschaftler gezielt nach Substanzen mit ähnlichen Eigenschaften, die – anders als die Blockcopolymere – aber kommerziell verfügbar, preisgünstig und kennzeichnungsfrei sind. Die ausgewählten Rohstoffe testeten die Forscher im Neutronenexperiment auf die gewünschten Eigenschaften und optimierten dann die Zusammensetzung der Mikroemulsion bis zum gewünschten Ergebnis.

Ansprechpartner:
Dr. Jürgen Allgaier
Forschungszentrum Jülich, Jülich Centre for Neutron Science
Neutronenstreuung (JCNS-1)
Tel. +49 2461 61-2541
E-Mail: j.allgaier@fz-juelich.de
Pressekontakt:
Angela Wenzik,
Wissenschaftsjournalistin, Forschungszentrum Jülich,
Tel. 02461 61-6048
E-Mail: a.wenzik@fz-juelich.de
Weitere Informationen:
Jülich Centre for Neutron Science/Institute of Complex Systems – Bereich Neutronenstreuung:

http://www.fz-juelich.de/ics/ics-1/DE/Home/home_node.html

CLOU Universal Farblöser:
http://www.clou.de/bau-heimwerker/service-aktuelles/experten-tipps/universal-farbloeser/

Annette Stettien | Forschungszentrum Jülich
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen
20.09.2017 | Veterinärmedizinische Universität Wien

nachricht Molekulare Kraftmesser
20.09.2017 | Max-Planck-Institut für Biochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik