Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Damit der Nutzen ohne Schaden bleibt: Forschung für umweltverträglichere Arzneimittel

07.07.2009
Das Problem ist bekannt: Viele Arzneimittel werden nach ihrer Verwendung ausgeschieden und die Wirkstoffe bzw. ihre Stoffwechselprodukte gelangen in die Umwelt. Hier können sie negative Auswirkungen auf andere Lebewesen haben und beispielsweise zur Entstehung von Resistenzen führen.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert darum jetzt mit über 400.000 Euro ein Forschungsprojekt zur "Verringerung des Eintrags an Tierarzneimitteln in die Umwelt mit besser abbaubaren Sulfonamiden" an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo). Koordinator des Projekts ist Professor Dr. Gerd Hamscher aus dem Institut für Lebensmitteltoxikologie und Chemische Analytik der TiHo.

Projektpartner sind das Institut für Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazie der TiHo, das Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Freiburg, die Wirtschaftsgenossenschaft deutscher Tierärzte eG (WDT) und das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie im Geozentrum Hannover.

Sulfonamide sind Antibiotika, die in der Human- wie in der Tiermedizin eingesetzt werden. Beim Menschen werden sie beispielsweise gegen Infektionen der Niere, der Harnwege oder des Magen-Darm-Trakts verabreicht. In der Veterinärmedizin kommen sie bei Atemwegs-, Magen-Darm- und Harnwegserkrankungen zum Einsatz. Laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) in Nürnberg wurden im Jahr 2005 rund 784,4 Tonnen Antibiotika in Deutschland für veterinärmedizinische Zwecke eingesetzt, 97,5 Tonnen davon waren Sulfonamide. Sie stehen damit auf Platz drei der am häufigsten eingesetzten Antibiotika. Kommen die Arzneien in der Landwirtschaft zur Anwendung können sie über Wirtschaftsdünger in den Boden oder im Fall der Sulfonamide auch in das Grundwasser gelangen. Werden sie vom Menschen ausgeschieden, nehmen sie den Weg in die Umwelt über die Kläranlagen.

In früheren Untersuchungen konnte Professor Hamscher in Kooperation mit dem Institut für Energie- und Umwelttechnik IUTA und dem Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik bereits zeigen, dass die verschiedenen Sulfonamide ein unterschiedliches Abbauverhalten in der anaeroben Fermentation, die beispielsweise in Biogasanlagen abläuft, zeigen. Im April 2009 wurden diese Ergebnisse in dem Fachmagazin für Umweltwissenschaften "Environmental Science and Technology" publiziert. "Wir konnten systematische Zusammenhänge zwischen der Molekülstruktur der Sulfonamide und ihrem Abbauverhalten feststellen" erklärt Hamscher. Ein wichtiges Ziel des neuen Projektes ist es daher, ein Sulfonamid zu finden, das ein besonders umweltfreundliches Verhalten zeigt und gleichzeitig eine optimale pharmakologische Wirkung hat. "Durch den Fermentationsprozess kann der ausgeschiedene restliche Wirkstoff inaktiviert oder zumindest in seiner Wirkung deutlich abgeschwächt werden und somit die Umweltbelastung reduziert werden" so Hamscher. Das Sulfonamid, das diese Eigenschaften am ehesten erfüllt, soll in der Folge zudem so optimiert werden, dass die Menge, die in der Behandlung eingesetzt werden muss, reduziert werden kann. Dadurch würde der positive Effekt auf die Umwelt zusätzlich gesteigert.

Verlaufen die Untersuchungen erfolgreich, hoffen die Wissenschaftler am Ende des Projekts Vorgaben definieren zu können, nach denen umweltfreundliche und wirksame Sulfonamide hergestellt werden können.

Für weitere Informationen steht Ihnen gern zur Verfügung:
Prof. Dr. Gerd Hamscher
Institut für Lebensmitteltoxikologie und Chemische Analytik
Tel: (05 11) 8 56-77 84
E-Mail: gerd.hamscher@tiho-hannover.de

Sonja von Brethorst | idw
Weitere Informationen:
http://www.tiho-hannover.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop
16.01.2017 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Nervenkrankheit ALS: Mehr als nur ein Motor-Problem im Gehirn?
16.01.2017 | Leibniz-Institut für Neurobiologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht

16.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie