Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Cytomegalievirus: neue Erkenntnisse zur Immunkontrolle

16.05.2014

Virale Hemmstoffe des Cytomegalievirus (CMV), sogenannte Immunevasine, beeinträchtigen die effektive Kontrolle des Virus durch das menschliche Immunsystem. Diese Entdeckung von Wissenschaftlern des Helmholtz Zentrums München liefert die Grundlage, um neue Immuntherapien und Impfungen gegen CMV zu entwickeln. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift ‚The Journal of Immunology‘ veröffentlicht.

CMV ist in der Bevölkerung weit verbreitet und für seine Träger in der Regel harmlos. Bei Personen mit geschwächtem Immunsystem allerdings, wie z.B. Menschen mit einer Transplantationstherapie und auch bei Übertragung während der Schwangerschaft, kann CMV schwere Erkrankungen verursachen.

Virale Immunevasine beeinflussen Abwehrreaktion
Da bislang keine Impfung gegen CMV existiert, ist die einzige Therapieoption, virusspezifische Immunzellen, zytotoxische T-Zellen*, zu übertragen, die aus gesunden Virusträgern gewonnen werden. Die Effektivität dieser T-Zellen gegen CMV ist allerdings sehr unterschiedlich. Den Grund dafür konnte nun das Team um Dr. Stefanie Ameres und Dr. Andreas Moosmann von der Klinischen Kooperationsgruppe (KKG) ‚Immunonkologie‘ am Helmholtz Zentrum München und am Klinikum der Universität München herausfinden: Hemmstoffe des CM-Virus, Immunevasine, beeinflussen die Immunkontrolle wesentlich. Sie verhindern, dass eine mit CMV infizierte Zelle als solche von den T-Zellen erkannt und folglich abgetötet wird.

Einige T-Zellen trotz viraler Immuntaktik effektiv
„Immunevasine des CMV dienen dem Virus dazu, sich der Immunkontrolle zu entziehen“, so KKG-Leiter Moosmann. „Einige der T-Zellen bleiben allerdings unbeeindruckt von der viralen Verschleierungstaktik und leisten eine effektive Immunabwehr. In unseren Analysen konnten wir solche T-Zellen identifizieren. Sie sind für eine Immuntherapie bei CMV-Erkrankungen besonders gut geeignet und liefern uns wichtige immunologische Informationen, die wir nutzen wollen, um weiter an der Entwicklung einer Impfung gegen CMV zu arbeiten.“

Die Ergebnisse dieser Arbeit werden unmittelbar in eine klinische Studie einfließen, die noch in diesem Jahr beginnen soll. Dabei sollen Transplantationspatienten spezifische T-Zellen zur Prophylaxe der Virusinfektion erhalten.

Mit der Einrichtung Klinischer Kooperationsgruppen verfolgt das Helmholtz Zentrum München einen interdisziplinären Forschungsansatz, um translationale Forschung zu fördern, also Grundlagenwissenschaft weiterzuentwickeln, um sie für den Menschen direkt nutzbar zu machen. Der Wissenstransfer zwischen Labor und Krankenbett wird durch die enge Zusammenarbeit der Wissenschaftler am Helmholtz Zentrum München mit Klinikern der Münchner Universitäten sowie des Städtischen Klinikums München realisiert.

Weitere Informationen

* T-Zellen vermitteln die zelluläre Immunabwehr. Werden im Organismus Antigene erkannt, also körperfremde Strukturen wie z.B. die Oberflächenmoleküle von Erregern, beginnt ein Differenzierungsprozess der T-Zellen, um die verschiedenen Abwehrfunktionen auszuführen. Die sogenannten CD8+ T-Zellen entwickeln sich zum einen zu zytotoxischen Effektor-Zellen, die infizierte bzw. veränderte Zellen im Körper abtöten. Zum anderen bilden sich Memory-Zellen, die als immunologisches Gedächtnis dienen.

Die Arbeit wurde gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Helmholtz Allianz Immuntherapie von Krebserkrankungen und die Deutsche José Carreras Leukämie Stiftung.

Original-Publikation:
Ameres, S. et al. (2014), CD8 T Cell-Evasive Functions of Human Cytomegalovirus Display Pervasive MHC Allele Specificity, Complementarity, and Cooperativity, The Journal of Immunology, doi: 10.4049/jimmunol.1302281

Link zur Fachpublikation: http://www.jimmunol.org/content/early/2014/05/07/jimmunol.1302281.abstract

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.200 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 34.000 Beschäftigten angehören. www.helmholtz-muenchen.de
Klinische Kooperationsgruppen am Helmholtz Zentrum München http://www.helmholtz-muenchen.de/forschung/forschungseinrichtungen/kkgs/index.ht...

Ansprechpartner für die Medien
Abteilung Kommunikation, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel.: 089-3187-2238 - Fax: 089-3187-3324 - E-Mail: presse@helmholtz-muenchen.de

Fachlicher Ansprechpartner
Dr. Andreas Moosmann, Leitung Klinische Kooperationsgruppe „Immunonkologie“ des Helmholtz Zentrums München und des Klinikums der Universität München, Marchioninistrasse 25, 81377 München, Tel.: 089-3187-1202 - E-Mail: andreas.moosmann@helmholtz-muenchen.de

Weitere Informationen:

http://www.helmholtz-muenchen.de/aktuelles/uebersicht/pressemitteilungnews/artic...

Dr. Nadja Becker | Helmholtz-Zentrum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Genetische Vielfalt schützt vor Krankheiten
23.05.2018 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt
22.05.2018 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Im Focus: Achema 2018: Neues Kamerasystem überwacht Destillation und hilft beim Energiesparen

Um chemische Gemische in ihre Einzelbestandteile aufzutrennen, ist in der Industrie die energieaufwendige Destillation gängig, etwa bei der Raffinerie von Rohöl. Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) entwickeln ein Kamerasystem, das diesen Prozess überwacht. Dabei misst es, ob es zu einer starken Tropfenbildung kommt, was sich negativ auf die Trennung der Komponenten auswirken kann. Die Technik könnte hier künftig automatisch gegensteuern, wenn sich Messwerte ändern. So ließe sich auch Energie einsparen. Auf der Prozesstechnik-Messe Achema in Frankfurt stellen sie die Technik vom 11. bis 15. Juni am Forschungsstand des Landes Rheinland-Pfalz (Halle 9.2, Stand A86a) vor.

Bei der Destillation werden Flüssigkeiten durch Verdampfen und darauffolgende Kondensation des Dampfes in ihre Bestandteile getrennt. Ein bekanntes Beispiel...

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rotierende Rugbybälle unter den massereichsten Galaxien

23.05.2018 | Physik Astronomie

Invasive Quallen: Strömungen als Ausbreitungsmotor

23.05.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Matrix-Theorie als Ursprung von Raumzeit und Kosmologie

23.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics