Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chemische Kriegsführung schon in Antike bekannt

16.01.2009
Perser gewannen Kampf im Belagerungsstollen durch Rauchgase

Den bisher ältesten Nachweis für den Einsatz chemischer Waffen hat der Archäologe Simon James von der University of Leicester gefunden.

Bei der Einnahme der am Euphrat gelegenen Römerstadt Dura-Europos im Jahr 256 nach Christus hätten die angreifenden Perser 20 verteidigende Römersoldaten in einem Tunnel gezielt durch giftigen Rauch erstickt. Das zeige, dass die Sassaniden den Römern in der Belagerungstechnik ebenbürtig waren und helfe bei der Rekonstruktion antiker Kriegstechniken, berichtete James anlässlich einer archäologischen Fachtagung in Philadelphia.

Dura-Europos ist ein im heutigen Syrien gelegener antiker Ort nahe des Flusses Euphrat. Nach griechischer Gründung war er im Seleukiden- und Partherreich wirtschaftliches Zentrum der Region, bis ihn die Römer zur Garnisonsstadt umfunktionierten. Kurz nach der erfolgreichen Belagerung der Römerstadt durch das Heer der persischen Sassaniden wurde die Stadt für immer verlassen. Sand bedeckte und versteckte sie bald, und dank des trockenen Wüstenklimas blieb die Stadt inklusive ihrer Wandmalereien und organischen Überreste über Jahrtausende unversehrt. Seit ihrer Wiederentdeckung um 1920 wird Dura-Europos daher auch als "Pompeji des Ostens" bezeichnet.

“Um die Römerstadt einzunehmen, verwendeten die Sassaniden eine Vielzahl von Belagerungstechniken“, erklärt James im pressetext-Interview. „Als Untergrund für einen Belagerungsturm legten sie eine massive Rampe hin zur Stadtmauer an, verwendeten Rammböcke gegen das Haupttor und scheinen auch Stollen angelegt zu haben, um ihre Truppen direkt in die Stadt zu befördern.“ Einige der Stollen sollten die Befestigungsmauer untergraben und somit zum Einsturz bringen. Da die römischen Verteidiger den Tunnelbau bemerkten, gruben sie ihrerseits einen Gegenstollen, um den Plan der Angreifer zu vereiteln – soviel wusste die Archäologie bisher. Ein ungelöstes Rätsel bildete jedoch der Fund von 20 römischen Soldaten in voller Kampfausrüstung, die man am Treffpunkt von Perser- und Römertunnel vorfand. James Hypothese: "In dem sehr klein bemessenen Stollen konnten die Verteidiger nur durch eine sehr heimtückische Weise umgekommen sein."

Bestätigt wurde die Theorie schließlich durch eine chemische Analyse des Stollens. "Im Moment des Durchbruchs der Römer brachten die gut vorbereiteten Perser an ihrem Tunnelende Bitumen und Sulfurkristalle zum Brennen. Diese Chemikalien wirken erstickend, sobald sie angezündet werden."

Durch den Schornsteineffekt oder mit Blasebälgen gelangte die Giftgaswolke in den Römertunnel. "Der römische Verteidigungstrupp war ganz offensichtlich nicht darauf vorbereitet. Binnen Sekunden waren die Männer bewusstlos und nur Minuten später tot", so James. Diese Entdeckung bildet den frühesten Nachweis für den Einsatz von Rauchgas, wenngleich es durchaus Vorläufer gab.

“Frühere Textquellen zeigen, dass schon die Griechen im zweiten vorchristlichen Jahrhundert Rauch gegen die Römer eingesetzt haben. Die Antike kannte also diese Belagerungstechnik“, so der Archäologe abschließend.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.le.ac.uk

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Diabetesforschung: Neuer Mechanismus zur Regulation des Insulin-Stoffwechsels gefunden
06.12.2016 | Universität Osnabrück

nachricht Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert
06.12.2016 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops

Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen

06.12.2016 | Förderungen Preise

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften