Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chemiker der Saar-Uni sind am Projektverbund zur atomaren Endlagerforschung beteiligt

27.02.2012
In Deutschland und vielen anderen Ländern ist man auf der Suche nach einem geeigneten unterirdischen Lager, in dem hochradioaktive Abfälle für Hunderttausende von Jahren sicher aufbewahrt werden können.

In verschiedenen Forschungsprojekten werden derzeit analytische Methoden und Werkzeuge entwickelt, um zu klären, welche Tongesteine in der Lage sind, radioaktiv strahlende Materialien langfristig zurück zu halten.

Mit diesen Erkenntnissen will man dann mögliche Endlager-Standorte schneller und zuverlässiger untersuchen können. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie fördert dazu ein Forschungsprojekt an der Universität des Saarlandes mit 583.000 Euro für weitere drei Jahre.

Nach der Untersuchung des Modelltonminerals Kaolinit in vorherigen Projekten werden zurzeit natürliche Tongesteine wie Opalinuston erforscht. Dabei wird überprüft, ob sich diese als Wirtsgestein oder als geologische Barriere eines zukünftigen Endlagers für hochradioaktive Abfälle eignen. „Dabei soll vor allem ermittelt werden, wie sich die radioaktiven Elemente auf ihrem Weg durch das Gestein verhalten würden, wenn es zu einer Freisetzung und Ausbreitung aus dem Endlager käme“, erläutert der promovierte Chemiker Ralf Kautenburger, der für das Forschungsprojekt an der Universität des Saarlandes verantwortlich ist.

Im aktuellen Verbundprojekt, das seit Juli 2011 läuft, wird das geochemische Verhalten der Radionuklide oder ihrer chemischen Stellvertreter (Metalle der Seltenen Erden) bei höheren Ionenstärken untersucht, wie sie zum Beispiel auch in Tonformationen in Norddeutschland sowie im Salzgestein vorkommen können.

„Dabei erforschen wir, wie sich die Metalle an Tongesteine anlagern und wie sich dies je nach Ionenstärke und Umgebungstemperatur verändert“, erklärt Kautenburger. Die Chemiker in Saarbrücken gehen somit auch der Frage nach, ob die radioaktiven Zerfallsstoffe von den Gesteinen festgehalten oder in ihnen weiter transportiert werden. Kautenburger verweist darauf, dass Tongesteine auch in Frankreich und in der Schweiz als Wirtsgestein für zukünftige Endlagerstätten in Erwägung gezogen werden. Normalerweise werden Metalle vom Tongestein festgehalten. Wenn bestimmte anorganische und organische Moleküle vorkommen, kann es jedoch passieren, dass dieser Vorgang abgeschwächt wird und die Metalle im Wirtsgestein damit möglicherweise mobiler werden. „Diese natürlich vorkommenden Stoffe können je nach potentiellem Standort in unterschiedlicher Zusammensetzung und Konzentration auftreten und durch ihre Komplexierungseigenschaften die Mobilität der Radionuklide im Umfeld eines Endlagers entscheidend beeinflussen“ so Ralf Kautenburger.

Zur Untersuchung der Art der Metall-Spezies, ihrer Konzentration und ihrer Mobilität werden beispielsweise die Kapillarelektrophorese (CE) und die induktiv gekoppelte Plasma-Massenspektrometrie (ICP MS) miteinander kombiniert. Damit kann man auf detaillierte Weise auch geringste Spuren von chemischen Elementen analysieren und zum Beispiel die unterschiedlich geladenen Metall-Organik-Komplexe charakterisieren. „Die dabei gewonnenen Erkenntnisse helfen uns, das Ausbreitungsverhaltens der Schwermetalle oder auch anderer Stoffe im potentiellen Wirtsgestein eines Endlagers besser zu verstehen“, erklärt der Saarbrücker Chemiker. Damit leiste man einen Beitrag zur Langzeitsicherheitsanalyse eines möglichen Endlagers.

Im Rahmen des deutschlandweiten Verbundes zur Endlagerforschung wurden den Saarbrücker Chemikern seit dem Jahr 2006 insgesamt rund 1.280.000 Euro an Drittmitteln bewilligt. An den Forschungen sind an der Universität des Saarlandes Horst Philipp Beck, Professor für Anorganische und Analytische Chemie und Radiochemie und Guido Kickelbick, Professor für Anorganische Festkörperchemie, beteiligt. Verantwortlich für das Forschungsprojekt ist der promovierte Chemiker Ralf Kautenburger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Anorganische und Analytische Chemie und Radiochemie. An dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderten Forschungsverbund sind neben der Universität des Saarlandes auch die Universitäten in Dresden, Heidelberg, Mainz, München und Potsdam sowie Forschungszentren in Dresden (Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf) und Karlsruhe (Karlsruher Institut für Technologie) beteiligt.

Vortragshinweis:

Im Rahmen seiner Umhabilitation an der Universität des Saarlandes wird Dr. Ralf Kautenburger am 7. März um 14 Uhr im Hörsaal Anorganische Chemie (Geb. C 4.3) einen wissenschaftlichen Vortrag über „Innovative Methoden zur Chemischen Speziation und Bioanalytik“ halten.

Fragen beantwortet:

PD Dr. Ralf Kautenburger
Tel: 0681 / 302-2171
Mail: r.kautenburger@mx.uni-saarland.de

Friederike Meyer zu Tittingdorf | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de/fak8/beck/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mikro-U-Boote für den Magen
24.01.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Echoortung - Lernen, den Raum zu hören
24.01.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie