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Charakterisierung von Krebsvorläuferzellen beim Multiplen Myelom

10.12.2009
Viele Krebsarten scheinen in ihrer Zusammensetzung uneinheitlicher zu sein als man lange dachte.

Neue Forschungsergebnisse legen nahe, dass beim Multiplen Myelom, einer Krebserkrankung des blutbildenden Systems, der "Proliferationspool", aus dem der Großteil oder alle Krebszellen entstehen, vermutlich in unreiferen Krebsvorläuferzellen besteht, die - im Gegensatz zu den eigentlichen Tumorzellen - resistent sind gegen herkömmliche chemotherapeutische Behandlung. Die Chemotherapie-Resistenz dieser vermuteten Vorläuferzellen könnte die hohe Rückfallrate bei dieser Erkrankung erklären.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert für zwei Jahre ein Projekt am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, in dessen Mittelpunkt die Isolierung und genauere Charakterisierung von Krebsvorläuferzellen beim Multiplen Myelom steht. Darauf aufbauend soll dann ein System entwickelt werden, wie man Krebsvorläuferzellen gezielt abtötet, ohne gesunde Zellen zu beeinträchtigen.

Das Multiple Myelom oder Plasmozytom ist weltweit die zweithäufigste Krebsart des blutbildenden Systems. Von zentraler Bedeutung bei dieser Erkrankung sind Plasmazellen, die als letzte Reifungsstufe von Immunzellen im Rahmen der Infektabwehr große Mengen von Antikörpern bilden und ausschütten können. Während im gesunden Organismus das blutbildende System eine Vielzahl unterschiedlicher Plasmazellen hervorbringt, kommt es beim Multiplen Myelom auf noch nicht abschließend geklärte Weise zur bösartigen Vermehrung eines einzelnen Plasmazellklons im Knochenmark. Die betroffenen Patienten leiden u.a. unter Knochenbrüchigkeit, Nierenversagen und Blutarmut. Obwohl viele Patienten auf Chemotherapie zunächst ansprechen, erleben fast alle Patienten einen Rückfall ihrer Erkrankung. Hochdosischemotherapie und neue therapeutische Konzepte, die sich auf die bösartigen Plasmazellen richten, haben zwar die Überlebenszeit verlängert, die Erkrankung gilt jedoch in der Regel auch heute noch als unheilbar. Ein Grund hierfür könnte sein, dass zwar durch die gängigen Verfahren die bösartigen Plasmazellen ausreichend abgetötet werden, nicht aber deren unreifere Krebsvorläuferzellen.

Zur Verbesserung der Therapie des Multiplen Myeloms setzt die Hamburger Forschungsgruppe auf neue Erkenntnisse über diese Vorläuferzellen. Der Patienten-individuelle Antikörper, welcher von den bösartigen Plasmazellen ausgeschüttet wird, findet sich an der Zelloberfläche der Vorläuferzellen und kann zu deren Identifizierung herangezogen werden. Ein am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf etabliertes Verfahren ermöglicht es, kleine Eiweiße ("Epitop-Mimics") zu generieren, die an diesen tumorspezifischen Antikörper binden und so als "Markierungswerkzeug" dienen können. So können die Vorläuferzellen aus Patientenblut isoliert und genauer analysiert werden. In diesem Zusammenhang soll insbesondere geklärt werden, welche genaue Rolle den mutmaßlichen Vorläuferzellen bei Entstehung und Fortschreiten der Erkrankung zukommt. Gelingt es, die Vorläuferzellen im Reagenzglas zuverlässig zu markieren, könnte darauf aufbauend ein System entwickelt werden, mit dem man Krebsvorläuferzellen im Patienten gezielt abtötet, ohne gesunde Zellen zu schädigen.

Kontakt:
Dr. Mascha Binder / Prof. Dr. Martin Trepel, II. Medizinische Klinik, Onkologie und Hämatologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Martinistraße 52,20246 Hamburg

Telefon: 040 741 05 1953 / E-Mail m.binder@uke.de

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 200.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

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