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Bunte Insekten führen zu Heilpflanzen im Dschungel

14.08.2008
Forscher suchen nach neuen aktiven Substanzen für die Humanmedizin

Ein Forscherteam des Smithsonian Tropical Research Institute in Panama hat entdeckt, dass bunt und auffällig gefärbte Insekten eindeutige Hinweise auf das Vorhandensein von Medizinalpflanzen liefern. Die Insekten ernähren sich nämlich von solchen Pflanzen und nehmen die aktiven Substanzen auf, um sich selbst vor Fressfeinden zu schützen, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist in seiner Online-Ausgabe.

Die Suche nach neuen Heilmitteln in den tropischen Regenwäldern ist ähnlich wie die berühmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Pflanzen zeigen von außen nicht, ob sie über aktive Substanzen verfügen oder nicht. "Die Insekten, die sich von ihnen ernähren, tun das jedoch schon", berichtet der Entomologe Todd Capson vom Smithsonian Institute. In einem Feldversuch untersuchten die Forscher ihre zuvor aufgestellte Theorie. Sie untersuchten zehn Pflanzen, die als Heilpflanzen bekannt sind und zehn, die keine aktiven Substanzen aufzuweisen hatten, den Heilpflanzen aber ähnlich schauten. Anschließend untersuchten sie die Frequenz von auffällig-gefärbten Insekten auf diesen Pflanzen.

Tatsächlich frequentierten die grell-gefärbten Insekten neun von zehn Pflanzen, die aktive Stoffe hatten. Umgekehrt konnten sie nur vier auf den Nicht-Heilpflanzen feststellen. Jede der Heilpflanzen hatte durchschnittlich 1,9 schillernde Insekten auf ihren Blättern. Bei den anderen Pflanzen waren es nur 0,5. "Das ist das erste Mal, dass jemand nachgewiesen hat, dass auffällig gefärbte Insekten in Zusammenhang mit Heilpflanzen stehen", meint der Forscher.

Bisher hatten Forscher auf der Suche nach neuen Substanzen vor allem auf das Wissen aus traditionellen Medizinsystemen zurückgegriffen. "Indigene Völker haben eine lange Tradition bei der Verwendung verschiedener Heilpflanzen", meint auch der Ethnobotaniker und Direktor des National Tropical Botanical Gardens in Kauai, Paul Cox, im pressetext-Gespräch. Cox hatte bei eigenen Forschungsarbeiten in der Rinde des samoanischen Mamala-Baumes den Anti-AIDS-Wirkstoffes Prostratin entdeckt. "Die Pflanze spielt seit Generationen in der samoanischen Medizin eine wichtige Rolle." Diese Reihe lässt sich weiter fortsetzen - etwa um das Anti-Malaria-Mittel Artemisinin aus der Traditionellen Chinesischen Medizin.

Die Idee, dass auch Tiere einen Hinweis auf versteckte Inhaltsstoffe geben könnte, hatten Forscher schon zuvor. Allerdings gingen sie von der Prämisse aus, dass man die Insekten sammeln sollte, um die Wirkstoffe in ihren Körpern zu untersuchen. "Das Sammeln von 100 Kilogramm Insekten ist aber keine Option", meint Capson im Interview. "Glücklicherweise zeigen viele der Insekten ihren Fressfeinden mit den grellen Farben - zumeist gelb und rot - dass sie eine gefährlich Beute darstellen", so der Forscher. "Wir sind den Insekten dann gefolgt und haben nachgesehen, wovon sie sich ernähren." Viele der Insekten sind nicht in der Lage die gefressenen Toxine zu synthetisieren, sondern sie reichern sie in ihren Körpern an.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.stri.org
http://www.ntbg.org

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