Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Buntbarsche: Hüten um zu brüten

12.05.2009
Je hilfsbereiter sich untergeordnete Buntbarsch-Weibchen zeigen und den Nachwuchs von dominanten Paaren hüten, desto besser stehen ihre Chancen zur Fortpflanzung.

Der Lohn für die "Nanny-Dienste" ist der Zugang zu geschützten Laichplätzen - und die Möglichkeit, sich mit dem dominanten Männchen zu paaren.

Bei Buntbarschen helfen kleine, untergeordnete Fische (Helfer) einem grossen, dominanten Brutpaar, deren Jungtiere grosszuziehen. Dabei handelt es sich meist nicht um Verwandte. Eine Erklärung für dieses Verhalten besagt, dass die untergeordneten Fische bei der Aufzucht helfen, um im Territorium bleiben zu können - die sogenannte "pay to stay"-Hypothese. Dadurch erhalten die Helfer besseren Schutz vor Fressfeinden, als wenn sie alleine leben würden.

Somit überleben sie länger und haben höhere Chancen, selber einmal die dominante Brutposition zu "erben". Ein Forscherteam vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern und Kollegen der Ohio State University (USA) hat nun solche Gruppen von dominanten "Elternpaaren" und untergeordneten "Nannys" auf ihr Helferverhalten untersucht. Dabei fanden die Forschenden heraus, dass untergeordnete Buntbarschweibchen den Nachwuchs ihrer "Vorgesetzten" hüten, um sich selber besser fortpflanzen zu können. Dadurch relativiert sich die "pay to stay"-Hypothese, die von einem indirekten Vorteil ausgeht. Die Resultate der Studie wurden nun im Journal "Public Library of Science" publiziert.

"Nanny-Dienste" sind einseitig

Die Forschenden stellten in Aquarien verschiedene Gruppen von nichtverwandten Tieren zusammen und untersuchten sowohl bei dominanten wie auch bei untergeordneten Weibchen die mütterliche Brutpflege und den Fortpflanzungserfolg. Dabei zeigte sich, dass nicht nur die dominanten Weibchen, sondern teilweise auch die untergeordneten Fische eigene Gelege haben. Die Gelege der untergeordneten Weibchen wurden im Durchschnitt fünf Tage nach denjenigen der dominanten Weibchen gelegt.

Entgegen der Erwartungen der Forschenden gaben die dominanten Weibchen den untergeordneten aber nicht dieselbe Menge an Hilfe zurück, die sie selber erfuhren. Die dominanten Weibchen halfen ohne erkennbares Muster mehr oder weniger beim Hüten. Die Menge an erfahrener Hilfe hatte also keinen Einfluss auf die Hilfsbereitschaft der "Vorgesetzten". "Trotzdem leisten die untergeordneten Weibchen keine Gratisarbeit", erklärt Dr. Dik Heg vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern. "Sie bekommen als Lohn nicht die Hilfe der dominanten Weibchen, sondern mehr Gelegenheit, eigene Gelege auszubrüten. Dabei sind diejenigen, die mehr helfen, am erfolgreichsten". Genauer: Sie erhalten Zugang zu guten Brutsubstraten wie einem geschützten, sauberen Ort, der für die Eiablage notwendig ist - und sie können die dominanten Männchen umwerben. Dadurch erhöht sich der Erfolg der eigenen Fortpflanzung.

"Unsere Resultate zeigen, dass bis anhin der Kurzzeiteffekt des Helferverhaltens - je mehr ich helfe, desto eher darf ich selber brüten - durch untergeordnete Weibchen übersehen worden ist", erläutert Heg. Somit korrigieren die Forschenden die bisherige "pay to stay"- Hypothese, die von einem indirekten Langzeiteffekt der Hütedienste ausging, wie dem längeren Überleben in der Gruppe und einem Aufrücken in der Hierarchie. Laut Heg hat das hilfreiche Verhalten der Weibchen - Männchen helfen übrigens kaum bei der direkten Brutpflege - unmittelbare Vorteile. Die Forschenden sprechen daher neu von "pay to reproduce" statt "pay to stay".

Quellenangabe:
Dik Heg, Eva Jutzeler, Jeremy S. Mitchell, Ian M. Hamilton: Helpful Female Subordinate Cichlids Are More Likely to Reproduce , PLoS ONE 4(5), Mai 2009 : e5458. doi:10.1371/

journal.pone.0005458

Nathalie Matter | idw
Weitere Informationen:
http://www.unibe.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neuer Mechanismus der Gen-Inaktivierung könnte vor Altern und Krebs schützen
23.02.2017 | Leibniz-Institut für Alternsforschung - Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI)

nachricht Alge im Eismeer - Genom einer antarktischen Meeresalge entschlüsselt
23.02.2017 | Universität Konstanz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

Booth and panel discussion – The Lindau Nobel Laureate Meetings at the AAAS 2017 Annual Meeting

13.02.2017 | Event News

Complex Loading versus Hidden Reserves

10.02.2017 | Event News

International Conference on Crystal Growth in Freiburg

09.02.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie