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Bund fördert neues Stammzellprojekt des ZRM

03.03.2009
Erfolgsgeschichte der Stammzellforscher am Tübinger Uniklinikum setzt sich fort

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt mit einer halben Million Euro das Tübinger Zentrum für Regenerationsbiologie und Regenerative Medizin (ZRM) in der Stammzellforschung.

Die Forscher haben vergangenen Herbst erstmalig Keimzellen erwachsener Männer zu pluripotenten Stammzellen kultiviert. Diese Zellen haben ein ähnlich großes Therapiepotenzial wie embryonale Stammzellen, jedoch ein deutlich geringeres ethisches Problempotenzial. Was genau sie leisten können, wird in den kommenden drei Jahren in Tübingen untersucht.

Es ist das zweite Kapitel einer Erfolgsgeschichte, die von einer Gruppe Tübinger Stammzelforscher geschrieben wird. Den Anfang machte das Team um ZRM-Direktor Prof. Dr. Thomas Skutella durch eine Veröffentlichung im führenden Wissenschaftsjournal "nature" im Herbst 2008. Dem Team gelang ein weltweites Novum: Erstmals wurden aus Keimzellen ei-nes Erwachsenen pluripotente Stammzellen gewonnen, die sich wie embryonale Stammzellen aber ohne deren ethische Probleme zu verschiedenen Gewebezelltypen entwickeln lassen und damit enorme Einsatzmöglichkeiten in der Medizin bieten.

Die neuen Zellen "Made in Tübingen" sind äußerst vielversprechend. Mit dem BMBF-Projekt können die Zellen umfassend charakterisiert und ihr therapeutischer Nutzens für die Regenerative Medizin untersucht werden. Diese Art der Stammzellforschung ist mit erheblichen Kosten verbunden, an denen sich der BMBF nun beteiligt. "Wenn wir jetzt ins Hintertreffen geraten würden, wäre das fatal. Wir sind dringend auf Drittmittel angewiesen, damit wir in-ternational unseren Vorsprung halten und ausbauen können. Die knappe halbe Million Euro Fördermittel vom Bund sind uns deshalb höchst willkommen", freut sich Skutella.

Mit dem Geld wird in den nächsten drei Jahren ein ehrgeiziges Arbeitspensum finanziert. Zunächst müssen langzeitstabile pluripotente Zelllinien generiert werden, die zum Zwecke der Vergleichbarkeit von Forschungsergebnissen alle von einer einzigen Zelle abstammen. Diese "klonalen" Zelllinien müssen dann genauestens charakterisiert werden, sowohl auf genetischer und epigenetischer Ebene als auch hinsichtlich ihrer Proteinausstattung und der zellulären Stoffwechselvorgänge. Die Ergebnisse werden den Forschern wichtige Erkennt-nisse über die Entstehung und Regulation der Pluripotenz liefern.

Neben dieser Grundlagenforschung dienen die Arbeiten dem großen Ziel, therapeutisch vielseitig einsetzbare Stammzellen zu erhalten, die den strengen rechtlichen Rahmenbedingungen und ethischen Normen in Deutschland entsprechen. Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass mit den Zellen so unterschiedliche Krankheiten wie Diabetes oder degenerative Defekte im Bewegungsapparat und im Gehirn therapiert werden könnten.

Dazu sollen die pluripotenten Zellen im Labor zu Zelltypen des jeweils betroffenen Gewebes gezüchtet werden, etwa zu insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse. Als gesundes, aus Patientenzellen gezüchtetes Pendant könnten die Zellen dann in das kranke oder abgestorbene Gewebe eingebracht werden. Dort würden sie aufgrund ihrer Abstammung aus patienteneigenen Zellen keine Abwehreaktionen hervorrufen und - so die große Hoffnung der Forscher - die Funktion des Organs wiederherstellen. Diese zukunftsweisenden medizinischen Ansätze sind zwar nicht mehr Inhalt des jetzt gestarteten BMBF-Projekts, das jedoch ein wesentlicher Meilenstein auf dem Weg zur Stammzelltherapie im Rahmen der Regenerativen Medizin sein wird.

Ein großer Vorteil der Tübinger Zellen besteht darin, dass sie ohne gentechnische Eingriffe in die Ausgangszellen erzeugt werden, was die Anwendung am Menschen deutlich erleichtern dürfte. Punkten können die Tübinger Stammzellforscher auch mit einem Standortvorteil: Das ZRM fungiert als Dachorganisation von Kliniken und Instituten in Tübingen, die sich mit Stammzellforschung befassen und bringt die richtigen Partner zusammen. So haben die Forscher über eine Kooperation mit der Urologischen Universitätsklinik direkten Zugang zu Gewebe und Biopsiematerial, das für die Isolierung von adulten Stammzellen aus männlichen Hoden nötig ist. Außerdem kann die Gruppe auf die Unterstützung interdisziplinärer Einrichtungen wie der Mikroarray Facility der Universität Tübingen bauen, die auf schnelle und exakte Analysen von genetischem Material spezialisiert ist.

Über das Zentrum für Regenerationsbiologie und Regenerative Medizin ZRM
Das ZRM ist eine Einrichtung der Medizinischen Fakultät der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und des Universitätsklinikums Tübingen. In diesem akademischen Umfeld soll es Spitzenforschung gewährleisten - sowohl im Grundlagen- als auch im angewandten Klinik-Bereich. Die Werkzeuge dafür sind Vernetzung, Koordination, Information, Aus- und Weiterbildung. Erklärtes Ziel ist es außerdem, den Transfer regenerationsmedizinischer Produkte und Methoden in die Wirtschaft zu fördern. Zurzeit sind 17 Institute und Kliniken als Grün-dungsmitglieder am ZRM beteiligt. Geleitet wird das ZRM von einem Geschäftsführenden Vorstand, dem derzeit Prof. Dr. Thomas Skutella (Direktor), Prof. Dr. Wilhelm Aicher (stellvertretender Direktor) und Prof. Dr. Konrad Kohler (Koordinator) angehören.

Ansprechpartner für nähere Informationen:

Universitätsklinikum Tübingen
Zentrum für Regenerationsbiologie und Regenerative Medizin
Prof. Dr. Konrad Kohler (Koordinator)
Paul-Ehrlich-Str. 15, 72076 Tübingen
Tel. 07071/29-8 50 30, Fax 07071/29-4 53
E-Mail konrad.kohler@regmed.uni-tuebingen.de

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.regmed.uni-tuebingen.de

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