Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Brustkrebs: Wie der Tumor das Versorgungssystem des Körpers anzapft

22.03.2012
Die Entwicklung neuer Blutgefäße aus bestehenden Stammgefäßen ist wichtig für die Versorgung der Zellen mit Nährstoffen, Sauerstoff und Hormonen.

Im Krebsgewebe hat die Gefäßneubildung (Angiogenese) jedoch eine fatale zusätzliche Funktion: Sie dient der Verbreitung von Tumorzellen im Körper (Metastasierung). PD Dr. Daniel Herr will zusammen mit seinem Forscherteam am Universitätsklinikum Ulm die Regulation der Angiogenese am Beispiel des Brustkrebses aufklären und hofft, damit neue therapeutische Perspektiven für die Behandlung eröffnen zu können.

Ohne den Anschluss an das Gefäßsystem des Körpers hätte ein Tumor nur sehr begrenzt Möglichkeit zu wachsen und sich im Körper auszubreiten. Die Fähigkeit des Tumors, neue Gefäße zu seinen Gunsten zu bilden, bestimmt damit wesentlich seine Aggressivität. Bei der Einstufung der Bösartigkeit eines Tumors berücksichtigen Mediziner daher auch, inwieweit er in der Lage ist, die Gefäßneubildung zu initiieren und sich mit dem bestehenden Versorgungssystem des Körpers zu vernetzen.

Aus klinischen Beobachtungen geht hervor, dass aggressive Brustkrebs-Formen häufig ein starkes Gefäßwachstum im Tumorgewebe aufweisen. Die Ursache für dieses unterschiedliche Verhalten der Tumore beim Gefäßwachstum könnte in voneinander abweichenden Regulationsmechanismen liegen. Um die Patientinnen künftig individuell nach dem Wachstumsverhaltens ihres Tumors behandeln zu können, wollen die Ulmer Krebsforscher die Regulationsmechanismen der verschiedenen Krebs-Subtypen aufklären.

Alle Subtypen des Brustkrebs bilden in unterschiedlicher Ausprägung den „Vascular endothelial growth factor“ (VEGF). Dieser Botenstoff ist Hauptinitiator der Angiogenese. Er wirkt auf die Zellen der Blutgefäße, die in der Nähe des Tumorzellhaufens liegen und stimuliert sie zur Vermehrung, Wanderung und zum Zusammenschluss zu neuen Gefäßen. Auf diesem Weg entsteht ein abzweigendes Gefäß, das in Richtung Tumor wächst. So erhält das Krebsgewebe Anschluss an das Versorgungssystem des Körpers.

Die zentrale Rolle von VEGF ist bereits erwiesen, denn wird der Botenstoff gezielt durch Antikörper ausgeschaltet, minimiert dies die Gefäßbildung bei Brustkrebs im Tumorgewebe. Im fortgeschrittenem Stadium werden die Antikörper daher bereits therapeutisch eingesetzt.

In dem von der Wilhelm-Sander-Stiftung geförderten Projekt will Dr. Herr mit seinem Team dabei, folgende Details des Regelmechanismus klären:
Wird die vermehrte Produktion von VEGF durch Tumorzellen durch das Gewebshormon Angiotensin II verursacht, das die Tumorzellen ausschütten? Damit wäre letztlich Angiotensin II der Auslöser für die Gefäßneubildung im Tumorgewebe.

Daran anknüpfend wollen die Mediziner erforschen, ob beziehungsweise welchen Einfluss von außen wirkendes Angiotensin II auf die Tumorzellen hat. Dabei wird untersucht, ob eine solche Stimulation die Brustkrebszellen zur VEGF-Synthese anregt, und dieses VEGF seinerseits Blutgefäßneubildung, induziert. Abschließend wird geprüft, ob Brustkrebs-Subtypen unterschiedlichen Angiogenese-Regulationen unterliegen. Dabei soll auch die Frage geklärt werden, über welchen Mechanismus Angiotensin II seinen Effekt auf VEGF vermittelt.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 130.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Kontaktdaten:
Priv.-Doz. Dr. med. Daniel Herr
Fachbereich molekulare gynäkologische Onkologie
Telefon: +43/ (0) 731 500 27680 (Pforte)
E-Mail: daherr@gmx.de

Sylvia Kloberdanz | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften